Wirtschaft

"Schlag in die Magengrube" Apple muss Trumps Zölle fürchten

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Apple bekommt der Handelskonflikt zwischen den USA und China zu spüren.

(Foto: REUTERS)

Donald Trump eskaliert den Handelsstreit mit China. Damit gerät Apple zwischen die Fronten, viele Milliarden Dollar Börsenwert lösen sich in Luft auf.

Die von Donald Trump abgefeuerte neue Zoll-Salve gegen China ist für Apple eine ganz schlechte Nachricht. Denn der US-Konzern lässt seine Produkte vor allem in der Volksrepublik fertigen, das iPhone etwa wird fast ausschließlich dort produziert.

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Der US-Präsident hatte am Donnerstag angekündigt, ab 1. September Sonderzölle in Höhe von zehn Prozent auch auf bisher davon verschonte chinesische Waren im Volumen von 300 Milliarden Dollar zu verhängen. Damit wären auch Handys und Laptops betroffen, die bisher geltenden Sonderzölle zielen dagegen überwiegend auf Industriegüter.

Im vergangenen Jahr hatte Trumps Regierung Extrazölle in Höhe von 25 Prozent auf chinesische Waren im Wert von 250 Milliarden Dollar verhängt, die bestehen bleiben. Setzt Trump seine Ankündigung um, würden die gesamten chinesischen Importe in die USA - im vergangenen Jahr waren es Waren im Wert von rund 540 Milliarden Dollar - von Sonderzöllen erfasst.

Vor diesem Hintergrund rutschten die Apple-Aktien an der Wall Street am Freitag um weitere 2,1 Prozent ab, nachdem sie schon am Tag zuvor nachgegeben hatten. Knapp 41 Milliarden Dollar Börsenwert wurden damit pulverisiert.

Analyst Dan Ives von der Finanzfirma Wedbush bezeichnete die Zoll-Ankündigung als einen "Schlag in die Magengrube": Bei Einführung der neuen Zölle würde Apples Gewinn pro Aktie im kommenden Jahr um rund vier Prozent einbrechen. Die Nachfrage für das iPhone in den USA dürfte zwischen 6 und 8 Millionen Stück sinken. Schätzungen zufolge verkauft Apple im Jahr rund 70 Millionen iPhones in den USA. Der Konzern sei ins Kreuzfeuer zwischen Washington und Peking geraten, so Ives.

Trump erteilt Apple eine Abfuhr

Dabei ist noch nicht völlig sicher, ob die angekündigten Zölle auch für Apples in China hergestellte Produkte gelten. Das Unternehmen dürfte versuchen, davon ausgenommen zu werden. Die Erfolgsaussichten sind allerdings eher gering. Denn Apple hat schon vergeblich den Versuch unternommen, von Strafzöllen verschont zu werden. Dabei geht es um Teile aus China für das Mac-Pro-Modell, dass seit 2013 in Texas gebaut wird. Trump erteilte dem eine Absage: "Stellt [die Bauteile] in den USA her, keine Zölle!", twitterte der US-Präsident - und das, obwohl Apple auch die im Juni vorgestellte neue Generation des Mac Pro dort herstellen wird.

Die Entscheidung für Texas wird in der Branche als ein - zunächst gescheiterter- Versuch von Apple-Chef Tim Cook angesehen, Zugeständnisse von Trump zu bekommen. Sowohl das "Wall Street Journal" als auch die "New York Times" hatten berichtet, die Endfertigung solle nach China verlegt werden. Davon hat Apple allerdings Abstand genommen. Cook gab sich nach dem Trump-Tweet zuversichtlich: Apple erkläre derzeit die eigene Position und hoffe darauf, dass der Antrag bewilligt werde.

Cook sagte, die meisten Apple-Produkte würden "gewissermaßen überall" produziert, mit Beiträgen etwa aus den USA, Europa, Südkorea, Japan und China. "Das liegt in der Natur einer globalen Zuliefererkette."

Apple lässt Alternativen zu China prüfen

Apple will angesichts des Handelsstreits zwischen Washington und Peking derweil seine Lieferketten neu ausrichten und seine Abhängigkeit von der Volksrepublik verringern. Medienberichten zufolge hat der Konzern im Juni seine wesentlichen Zulieferer wie Foxconn aufgefordert, eine Verlagerung von 15 bis 30 Prozent der China-Produktion in andere Länder Südostasiens zu prüfen und festzustellen, was das kosten würde. Es dürfte aber nicht einfach sein, das in China gute Netz aus Produktionsstätten, geeigneten Mitarbeitern und Logistik anderswo zu errichten.

Apple sehe die starke Fokussierung auf China inzwischen aber als zu riskant an, schrieb die japanische Wirtschaftszeitung "Nikkei". Angesichts der niedrigen Geburtenraten und steigenden Arbeitskosten sei eine übermäßige Konzentration der Produktion auf ein Land nicht zielführend – ganz unabhängig von Trumps Zöllen.

Die Volksrepublik war eine wesentliche Grundlage für den globalen Erfolg von Apple in den vergangenen beiden Jahrzehnten. Das Land wurde angesichts eines enormen Wachstums ein wichtiger Absatzmarkt. Zudem konnte China kurzfristig Hunderttausende von Arbeitskräften zur Verfügung stellen. Rund 5 Millionen chinesische Jobs hängen inzwischen von Apple ab, darunter auch etwa 1,8 Millionen Softwareentwickler. Apple selbst beschäftigt im Land etwa 10.000 Menschen.

Derweil sieht es ganz danach aus, als wolle Apple die Produktion der iPhone-Modelle für den US-Markt zumindest teilweise nach Indien und Vietnam verlegen. Analyst Ives zufolge dürfte es in den nächsten 18 bis 24 Monaten allerdings höchstens gelingen, zwischen fünf und sieben Prozent der Fertigung von China dorthin zu verlagern. Die Volksrepublik wird also auf absehbare Zeit der wichtigste Produktionsstandort von Apple bleiben. Konzernchef Cook dürfte es weiter mit Überzeugungsarbeit beim US-Präsidenten versuchen.

Quelle: n-tv.de, mit rts/dpa/DJ

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