Wirtschaft

Einst wertvollste Firma der Welt Aramco zahlt Mega-Dividende mit Schulden

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In der Krise zeigt sich, dass politische Erwägungen bei Aramco trotz Börsengang Vorrang vor finanziellen Konzerninteressen haben.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Der größte Ölförderer der Welt, Saudi Aramco, hat den Crash am Ölmarkt selbst angeheizt. Das reißt nun ein riesiges Loch in die Bilanz. Trotzdem will der Konzern eine gewaltige Dividende von 75 Milliarden Dollar auszahlen. Der Hauptaktionär braucht das Geld dringend.

Als profitabelstes Unternehmen der Welt galt der saudische Ölkonzern bei seinem Börsengang im vergangenen Dezember. Schnell stieg der Wert des Unternehmens auf zeitweise mehr als 2 Billionen US-Dollar, mehr als jede andere Aktiengesellschaft, auch wegen des Versprechens, Dividenden von mindestens 75 Milliarden Dollar pro Jahr auszuschütten. Mit einem Gewinn von mehr als 110 Milliarden Dollar pro Jahr, den der saudische Staatskonzern 2018 noch erwirtschaftet hatte, sollte das kein Problem sein.

Rohöl WTI
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Doch dann kam Corona und die Ölpreise brachen dramatisch ein. Zeitweise fiel der Preis für die US-Rohölsorte WTI sogar unter null. Inzwischen hat sich der Ölmarkt erholt, die Preise liegen wieder etwa bei zwei Dritteln des Vorkrisenniveaus. In Aramcos Bilanz für das zweite Quartal dieses Jahres schlägt sich die Krise wie bei anderen Ölkonzernen voll nieder. Der Gewinn brach um etwa drei Viertel von fast 25 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal auf 6,6 Milliarden Dollar ein. Seit vergangener Woche ist Aramco beim Börsenwert erstmals hinter Apple zurückgefallen.

In der Krise zeigt sich, dass Aramco trotz des Börsengangs noch lange kein normaler Konzern ist. Anders als nahezu alle privaten Konkurrenten reagierte Aramco auf die sinkenden Preise nicht mit einer Drosselung der Ölförderung, sondern steigerte die Produktion sogar auf Rekordniveau und verursachte damit letztlich selbst maßgeblich den Crash auf dem Ölmarkt, der dem Konzern nun die Bilanz verhagelt. Dabei zeigt sich, dass bei Aramco die politischen Erwägungen des 98-prozentigen Haupteigners, des saudischen Staats, Vorrang haben vor den finanziellen Interessen des Unternehmens selbst.

Gleichzeitig ermöglicht Aramco der saudischen Regierung das Kunststück, gleichzeitig den Ölpreis zu drücken, um Kontrahenten wie Russland unter Druck zu setzen, und trotzdem nicht auf Einnahmen zu verzichten - zumindest vorerst. Denn Saudi-Arabien ist durch die Corona-Pandemie in eine tiefe Haushaltskrise gestürzt. Das Defizit dürfte auf etwa 12 Prozent der Wirtschaftsleistung des Öllandes steigen.

Doch auf die Dividende von Aramco kann sich die Regierung verlassen. Man beabsichtige weiter, 75 Milliarden Dollar auszuschütten, sagte Konzernchef Amin Nasser. Allein für das abgelaufene Quartal sollen 18,75 Milliarden Dollar gezahlt werden. Dafür wird sich Aramco mit mehr als 12 Milliarden Dollar zusätzlich verschulden.

Quelle: ntv.de, mbo