"Performance steigern"Arbeiterkinder sind die besseren Fondsmanager

Beim Fondskauf lohnt der Blick auf die Herkunft des Managers: Soziale Aufsteiger sind einer Untersuchung zufolge oft die erfolgreicheren Investoren.
Fondskäufer sollten vor dem Kauf am besten das LinkedIn-Profil des Fondsmanagers checken. Tauchen dort nur Elite-Universitäten auf oder finden sich Hinweise auf eine Jugend in Saus und Braus, heißt es vorsichtig zu sein. Das ist jedenfalls das Ergebnis einer Studie des Diversity Project Europe (DPE) mit 30 führenden Asset-Management-Gesellschaften. Veröffentlicht hat die Ergebnisse der Frankfurter Vermögensverwalter Quoniam.
Eine Kernfrage der Untersuchung war: Wie durchlässig ist der Sektor für Menschen aus weniger privilegierten sozioökonomischen Verhältnissen? Die Untersuchung zeigt der Mitteilung zufolge: Soziale Mobilität kann die Investmentperformance stärken sowie die Geschäftsergebnisse verbessern. Sie beruft sich dabei auf akademische Forschung, der zufolge Fondsmanager "aus weniger privilegierten sozioökonomischen Verhältnissen häufig bessere Ergebnisse erzielen als ihre stärker privilegierten Kollegen."
Mit anderen Worten: Tendenziell können Aufsteiger aus der Arbeiterklasse oder dem Kleinbürgertum Fonds erfolgreicher führen als diejenigen, die aus gehobenen Schichten der Bevölkerung kommen. Aus diesem sozialen Umfeld stammen jedoch größtenteils Fondsmanager in Deutschland, sie sind zudem meist Männer und haben keinen Migrationshintergrund.
Das digitale Branchenmagazin e-fundresearch hat bereits 2020 für alle in Deutschland, Österreich und der Schweiz zum Vertrieb zugelassenen Publikumsfonds die Manager-Namen ausgewertet. Das Ergebnis: Bei 7089 erfassten Vornamen sind die drei häufigsten Michael (144), David (132) und Thomas (126). Unter den Top 30 findet sich zudem kein einziger Frauenname.
"Besseres Urteilsvermögen"
Das bessere Abschneiden der Aufsteiger ist laut der DPE-Studie "unter anderem auf höhere Eintrittsbarrieren zurückzuführen, die diese Personen überwinden mussten, sowie auf vielfältigere Lebenserfahrungen, die zu besserem Urteilsvermögen und einer Reduzierung von Gruppendenken beitragen."
Die DPE verweist zudem auf akademische Arbeiten, denen zufolge Fondsmanager aus niedrigeren sozioökonomischen Verhältnissen signifikant höhere risikoadjustierte Renditen erzielen als Kollegen aus privilegierteren Verhältnissen. "Anhand von Daten aus einzelnen Volkszählungsunterlagen zum Vermögen der Eltern von Managern stellen wir fest, dass Investmentfondsmanager aus armen Familien bessere Ergebnisse erzielen als Manager aus reichen Familien", lautet das Fazit einer Studie von Oleg Chuprinin (Universität New South Wales) und Denis Sosyura (Arizona State University). Außerdem verbessert laut der Studie eine größere sozioökonomische Zusammensetzung innerhalb eines Teams das Verständnis für Kunden und eröffnet den Zugang zu Investitionsmöglichkeiten außerhalb traditioneller Netzwerke.
Für Anleger lohnt sich also der Blick auf die Biografie des Fondsmanagers. Aber auch die Fondsgesellschaften selbst können daraus eine Lehre für das Recruiting und die Zusammenstellung von Teams ziehen. Das könne, "die Performance von Investmentteams signifikant steigern".