Wirtschaft

Peso auf Talfahrt Argentinien erhöht Leitzins auf 60 Prozent

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Die Angst der Anleger vor Zahlungsschwierigkeiten Argentiniens nimmt zu.

(Foto: dpa)

Die Währungskrise in Argentinien verschärft sich immer mehr. Die Notenbank des Landes versucht mit einer kräftigen Zinserhöhung gegenzusteuern. Doch die Finanzmärkte beruhigt dies nicht.

Die Zentralbank Argentiniens reagiert mit drastischen Maßnahmen auf seine Währungskrise. Mit einer Anhebung des Leitzins auf 60 von 45 Prozent will sie dem Verfall der Heimatwährung Peso Einhalt gebieten. An den Finanzmärkten sorgte dieser Schritt allerdings nicht für Beruhigung. Der Peso setzte seine Talfahrt fort. Ein Dollar verteuerte sich im Gegenzug um 15 Prozent auf ein neues Rekordhoch von 39 Peso. Das ist der größte Kurssprung seit mindestens einem Vierteljahrhundert.

Argentinischer Peso / Dollar
Argentinischer Peso / Dollar ,02

Die Zentralbank hat bereits zwischen Dienstag und Mittwoch weitere 500 Millionen Dollar aus den Währungsreserven verkauft, um den Peso zu stabilisieren. Wegen der Krise des Peso wächst die Furcht der Anleger vor Zahlungsschwierigkeiten des Landes. Die Landeswährung steht wegen der hohen Inflationsrate und der schwachen Wirtschaftsentwicklung unter Druck. Nur zwei Jahre nach der Rückkehr in die Wachstumszone, steuert Argentiniens Wirtschaft schon wieder auf eine Rezession zu. Die Teuerungsrate lag im Juli bei über 30 Prozent. Seit Jahresbeginn hat die argentinische Währung rund 50 Prozent an Wert verloren.

Der IWF prüft momentan auf Bitten der argentinischen Regierung eine vorzeitige Auszahlung milliardenschwerer Finanzhilfen für das südamerikanische Land. Das Land hatte sich Anfang Juni mit dem Fonds auf einen Kredit in Höhe von 50 Milliarden Dollar verständigt. Dafür soll Argentinien in den kommenden Jahren sein Haushaltsdefizit deutlich schneller abbauen.

Die Argentinier belasten bereits höhere Kosten für Heizung, Strom und Wasser nachdem die Regierung staatliche Subventionen zurückschraubte. Proteste zeichnen sich ab. Die Gewerkschaft CGT und andere Arbeitnehmerorganisationen haben wegen der Kürzungen für Ende September zu Streiks aufgerufen.

Geld aus Schwellenländern fließt in den Dollar-Raum

Viele Schwellenländer leiden darunter, dass die US-Notenbank die Zinsen erhöht und damit dazu beiträgt, dass Geld in den Dollar-Raum fließt. Und es gibt ein weiteres Problem: Die Regierungen oder in Schwellenländern heimische Unternehmen haben sich in großem Ausmaß in Dollar verschuldet. Wechselkursentwicklungen entscheiden also mit darüber, wie leicht oder schwer diese Kredite zurückgezahlt werden können.

Derzeit sind die US-Zinsen im historischen Vergleich noch immer niedrig, während der Dollar gerade einmal die Hälfte des Weges zu seinem Hoch aus dem Jahr 2016 zurückgelegt hat. Da die Fed ihre Geldpolitik jedoch weiter straffen wird, dürfte der Druck auf die Schwellenländer zunehmen.

Auch die Währungskrise in der Türkei macht sich bemerkbar. Sie wird für andere Schwellenländer immer gefährlicher, da sich in Folge des Absturzes der türkischen Lira viele Investoren auch aus anderen aufstrebenden Staaten zurückziehen.

Quelle: n-tv.de, ghö/rts

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