Wirtschaft

Mega-Fusion in Pharmabranche? AstraZeneca zeigt Interesse an Gilead

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Gilead gewinnt durch Remdesivir an Wert - gibt es nun eine Fusion?

(Foto: REUTERS)

Remdesivir gilt als Hoffnungsträger im Kampf gegen das Coronavirus. Hersteller Gilead erregt damit Aufsehen - auch bei der Konkurrenz. AstraZeneca soll an einem Zusammenschluss interessiert sein. Der britische Konzern arbeitet derzeit an einem Corona-Impfstoff.

In der Pharmabranche könnte es einem Agenturbericht zufolge zu einer Mega-Fusion kommen. Der britische Konzern AstraZeneca sei vergangenen Monat an den Biotech-Rivalen Gilead Sciences aus den USA herangetreten, um einen möglichen Zusammenschluss auszuloten, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen.

AstraZeneca arbeitet momentan an einem Corona-Impfstoff, das Gilead-Mittel Remdesivir gilt als mögliches Medikament gegen das Virus. Eine Fusion könnte demnach im Kampf gegen die Pandemie eine wichtige Rolle spielen. Rund um den Globus arbeiten Firmen momentan mit Hochdruck an Impfstoffen und Behandlungen, darunter auch die großen US-Konzerne Eli Lilly, Pfizer, Merck & Co.

Eine Sprecherin von AstraZeneca sagte, sie wolle sich nicht zu Gerüchten oder Spekulationen äußern. Von Gilead war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Auf Basis ihrer Schlusskurse vom Freitag würden beide Unternehmen zusammen an der Börse auf einen Wert von 232 Milliarden Dollar kommen. Zum Vergleich: Merck & Co kommt auf 207 Milliarden Dollar, Pfizer auf 200 Milliarden. Finanzielle Details wurden in dem Bericht nicht genannt.

Großer Deal hat keine Priorität

Laut Bloomberg gibt es keine formellen Gespräche, Gilead hat aber mit seinen Beratern eine mögliche Fusion durchgespielt. Grundsätzlich bevorzuge Gilead Partnerschaften und kleinere Akquisitionen. Ein großer Deal mit einem anderen Pharma-Konzern stehe nicht oben auf der Agenda.

Zwei Insider, die mit dem AstraZeneca-Management vertraut sind, äußerten gegenüber Reuters Zweifel am Sinn einer möglichen Fusion. Remdesivir rechtfertige eine so teure Transaktion nicht. Außerdem würde AstraZeneca abgelenkt werden von seinen eigenen Corona-Aktivitäten. Ein eigener Impfstoff könnte potenziell den Aktienkurs anschieben, dafür brauche es nicht eine komplexe Übernahme, so einer der Insider. Verhandlungen über Video würden eine Einigung zudem schwer machen.

Weltweit wird bereits diskutiert, wie ein Corona-Impfstoff eingesetzt werden sollte. Es wird befürchtet, dass vermögendere Staaten hier im Vorteil sind. Chinas Wissenschaftsminister Wang Zhigang sagte am Wochenende, die Volksrepublik wolle einen Impfstoff weltweit verfügbar machen, sobald er entwickelt sei.

Die USA sind auf Konfrontationskurs mit China, wo das Virus zuerst auftrat. Der republikanische Senator Rick Scott sagte der BBC, es gebe Beweise, dass China die Impfstoffentwicklung in den USA sabotiere und den Prozess verlangsamen wolle. Belege dafür legte er nicht vor, er verwies auf Erkenntnisse der Geheimdienste.

Quelle: ntv.de, mli/rts