Wirtschaft

Einfacher und billiger Astrazeneca macht den Impfstoff für die Massen

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Nur drei Dollar soll der in indischen Fabriken hergestellte Impfstoff pro Dosis kosten.

(Foto: REUTERS)

Die Biotech-Pioniere Biontech und Moderna beherrschen mit ihren Impfstoffen die Schlagzeilen. Diese Medikamente werden wohl hauptsächlich an die reichen Industrieländer gehen. Die Hoffnung vor allem ärmerer Länder ruht unter anderem aber viel mehr auf Astrazeneca und der Universität Oxford.

Auf den ersten Blick scheint die Wirksamkeit des dritten Corona-Impfstoffs, der nun die klinische Prüfung abgeschlossen hat, etwas hinter den ersten beiden Wirkstoffen zurückzubleiben. Für die globale Überwindung der Pandemie dürfte das Mittel AZD1222 des britisch-schwedischen Pharmakonzerns Astrazeneca dennoch eine größere Rolle spielen, als die Impfstoffe der Konkurrenten Biontech und Pfizer sowie Moderna.

Daten des auf die Gesundheitsbranche spezialisierten Beratungsunternehmens Airfinity zufolge sind bereits Bestellungen für 3,2 Milliarden Dosen des Astrazeneca-Impfstoffs eingegangen. Die große Mehrheit davon ist für Länder außerhalb Europas und Nordamerikas bestellt. Pfizer und Biontech verbuchen Bestellungen für etwa 1,1 Milliarden Dosen und Moderna für 777 Millionen. Diese Bestellungen kommen Großteils aus europäischen Ländern und den USA. Alle Firmen befinden sich weiter in Verhandlungen mit Staaten und internationalen Organisationen für zusätzliche Lieferungen.

Die Aufteilung der Märkte und die unterschiedlichen Größenordnungen bei den Bestellungen erklären sich aus dem grundlegend unterschiedlichen Ansatz bei der Impfstoffentwicklung und Herstellung. Das deutsche Startup Biontech, das sich bei dem Corona-Impfstoff mit dem Pharmagiganten Pfizer zusammengetan hat, und der US-Konkurrent Moderna arbeiten mit einem neuen, zuvor noch nie zur Marktreife gebrachten biotechnischen Verfahren. Die Preise sollen pro Impfdosis, soweit bislang bekannt ist, etwa zwischen 20 und 40 Dollar liegen.

"Diese Preise bergen das Risiko, dass die Impfstoffe für einen Großteil der Menschheit unerreichbar bleiben", warnt die Gesundheitsexpertin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Margaret Wurth, gegenüber Bloomberg. Den bislang bekannten Verträgen zufolge dürften zumindest in den ersten Monaten die Lieferungen dieser Hightech-Impfstoffe hauptsächlich in die reichen Industriestaaten Europas und in den USA gehen.

Astrazeneca hat AZD1222 dagegen gemeinsam mit der Universität Oxford auf Basis der Vektor-Technologie entwickelt, wobei ein gewöhnlicher Grippeimpfstoff als Grundlage dient. Das bringt große wirtschaftliche und logistische Vorteile. So können für die Produktion Fabriken von Pharmafirmen in aller Welt genutzt werden. Der größte Impfstoffhersteller der Welt, das Serum Institute of India, hat mit der Produktion in Indien sogar bereits begonnen. Bereits in diesem Jahr sollen mehr als 100 Millionen Dosen bereitstehen. Auch in Brasilien soll AZD1222 produziert werden.

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Je nach Produktionsort soll das Mittel zwischen drei und neun Dollar pro Dosis verkauft werden. Astrazeneca hat sich verpflichtet, den Impfstoff für die Dauer des globalen Notstandes zum Selbstkostenpreis abzugeben. Ein Teil seiner Produktion will Astrazeneca an Covax, eine Initiative unter anderem der Weltgesundheitsorganisation und der Impfallianz Gavi, abgeben, die dafür sorgen soll, ärmere Länder mit Corona-Impfstoffen zu versorgen. Von internationalen Geldgebern hat Covax inzwischen rund zwei Milliarden Dollar eingesammelt. Auch Moderna und Pfizer verhandeln mit der Initiative, die nach eigenen Angaben mindestens fünf Milliarden Dollar benötigt, um ausreichend Impfstoffe allein für das kommende Jahr kaufen zu können.

Im Gegensatz zu den Impfstoffen von Pfizer, dessen Partner Biontech und Moderna, benötigt das Astrazeneca-Produkt auch keine extreme Kühlung. Lagerung, Transport und millionenfache Verteilung bei minus 70 Grad sind selbst für hoch entwickelte Industrieländer eine Herausforderung. Viele ärmere Länder, denen dafür die Infrastruktur fehlt, setzen auch daher auf Mittel wie AZD1222, das bei Kühlschranktemperatur gelagert werden kann.

Quelle: ntv.de