Wirtschaft

Russland-Sanktionen Auch ein Wirtschaftskrieg ist ein Krieg

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Der Westen will den Kreml unter Druck setzen. Bislang gibt sich Russlands Präsident Wladimir Putin unbeeindruckt.

(Foto: via REUTERS)

Mit Sanktionen gegen Russland will Europa einen Krieg verhindern. Hoffentlich gelingt das. Doch selbst im besten Fall wird auch Deutschland Konsequenzen spüren.

Die Sanktionen gegen Russland kommen nicht überraschend - kein bisschen! Immer neue Vorschläge machten die Runde. Jetzt sollen sie kommen. Und zwar schnell.

Seit Monaten hatte die Welt über das Ziel der massiven russischen Truppenaufmärsche an den Grenzen zur Ukraine gerätselt. Und sich gefragt: Was führt Putin im Schilde? Zettelt er wirklich einen Krieg an? Oder pokert er nur? Seitdem der russische Präsident in seinem bizarren und mitunter verwirrt anmutenden Auftritt den Einmarsch russischer Truppen in den Donbass ankündigte und gleichzeitig der Ukraine ihre Tradition als Staat absprach, ist der Westen im Alarmzustand.

Bislang galt Putin als eiskalter und berechnender Machtmensch. Einer, der alles genau überlegt und plant. Seit seinem jüngsten Auftritt umtreibt Beobachter die Sorge, dass er ganz und gar irrationale Entscheidungen treffen könnte – bis hin zum offenen Krieg. Westliche Geheimdienste und Regierungsvertreter sind überzeugt, dass Putin einen Großangriff vorbereitet. Hoffentlich täuschen sie sich.

Mit ersten Wirtschaftssanktionen will der Westen den Kreml unter Druck setzen und zum Einlenken bewegen. Russland wird erste Folgen zu spüren bekommen – aber wir auch. Wie groß das ökonomische Echo wird, ist nicht seriös zu beziffern. Als sicher gilt aber, dass es zu einer Rückkopplung kommt.

Vor allem der Plan, die fertig gebaute Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 nicht in Betrieb zu nehmen, trifft die Russen. Ihnen gehen Milliardeneinnahmen verloren. Und sollten sie als Konter die bisherigen Gaslieferungen drosseln, brächen zusätzliche Einnahmen weg. Die Folgen für uns wären dennoch erheblich: Schon jetzt kommen fast 70 Prozent der deutschen Gasimporte aus Russland. Die Gasvorräte schrumpfen hierzulande immer weiter. Unternehmen und Privathaushalte müssen mit massiven Preisanstiegen rechnen. Stilllegungen ganzer Produktionsplantagen drohen. Die eingeleitete Wende zu regenerativer Energie für Deutschland und Europa wird dadurch freilich beschleunigt. Doch der forcierte Umstieg wird teuer. Unternehmen und Verbraucher werden das merken.

Zudem soll Russland der Zugang zu den europäischen Finanzmärkten verwehrt werden. Die meisten der übrigen verhängten Sanktionen aber sollen vor allem die an der Ukraine-Invasion beteiligten Personen treffen. Wirtschaftsbeziehungen mit den besetzten Gebieten werden deshalb eingefroren. Doch ausgerechnet in diesen Regionen arbeiten begabte Software-Entwickler, die schnell und günstig auch für westliche Firmen programmieren. Durch die Sanktionen geraten auch bei deutschen Unternehmen IT-Projekte ins Stocken. Kurzfristig Ersatz zu finden, ist kostspielig und schwer.

Und es könnte noch schlimmer kommen. Etwa, wenn Russland aus dem Zahlungsverkehrssystem SWIFT ausgeschlossen werden würde. Überlegungen dazu gibt es. Zahlungen zwischen europäischen und russischen Firmen wären dann nicht mehr ohne Weiteres möglich. Der Handel zwischen Russland und den EU-Staaten würde blockiert. Die Waren könnten dann nicht mehr bezahlt werden. Außerdem lägen Russland-Darlehen hiesiger Banken auf Eis. Kreditausfälle drohen.

Egal, wie sich die aktuelle Lage entwickelt, die Geschichte zeigt: Auch bei einer Deeskalation bleiben Sanktionsmaßnahmen häufig erst einmal bestehen. Nach einer Entwicklung, wie sie aktuell im Ukraine-Konflikt zu beobachten ist, wird man nicht ohne Weiteres zu einer entspannten Tagesordnung zurückkehren können. Hoffentlich bleibt uns ein Krieg erspart. Aber selbst im besten Falle und so berechtigt die Strafen gegen Russland auch sind: In Deutschland werden Wirtschaft und Verbraucher die Folgen spüren.

Quelle: ntv.de

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