Gigantische BewertungAuf SpaceX wartet der Realitätstest

SpaceX gelingt der größte Börsengang der Geschichte - und das überzeugend. Die wirkliche Bewährungsprobe für das Firmengeflecht steht aber noch bevor.
Dass der Börsengang von SpaceX historisch wird, war klar - allein in puncto Marktkapitalisierung. Doch wie historisch er wird, darüber diskutierten Analysten heftig. Wohl selten waren sie sich im Vorfeld eines Börsengangs so uneinig: Die einen hielten SpaceX für völlig überbewertet, und erwarteten einen Kursrutsch zum Start. Die Optimisten hingegen rechneten zum Start mit einem großen Sprung nach oben.
Nach dem Start am Freitag scheint klar: Die Optimisten haben offenbar recht behalten - zumindest vorerst. Beim größten Börsengang der Geschichte wurden die Aktien des von Elon Musk geführten Konzerns am heutigen Freitag zum Handelsstart an der US-Technologiebörse Nasdaq mit mehr als 175 Dollar indiziert. Das entspricht einem Aufschlag von fast 30 Prozent zum Ausgabepreis von 135 Dollar. Die Bewertung dürfte damit über 2 Billionen Dollar liegen und Elon Musk zum ersten Billionär der Welt machen. Handeln lässt sich mit der Aktie allerdings vorläufig nicht, zumindest in Deutschland. Auch Kurse sind hierzulande noch nicht gestellt.
Viel entscheidender als diese Momentaufnahme dürfte bei SpaceX aber der langfristige Blick sein. Viele Bestandsaktionäre haben mehrmonatige (übliche) Verkaufssperren, sodass sie wohl frühestens ab August verkaufen dürfen - und das auch nur, wenn bestimmte Kursziele erreicht wurden. Auch die Privatanleger, die SpaceX über Neobroker wie Trade Republic und Flatexdegiro zeichnen durften, werden wohl noch einige Tage warten müssen, bis ihnen die Aktie geliefert wird und sie damit handeln können.
Spannend wird es im Herbst
Darauf verweisen auch tendenziell skeptische Analysten: Da die Aktie nur zu einem geringen Teil in Streubesitz sein wird und viele Aktionäre noch nicht damit handeln können, ist der kurzfristige Kurs nicht wirklich aussagekräftig. Wirklich spannend wird es erst im Herbst, wenn mit Anthropic und OpenAI gleich zwei weitere Mega-IPOs anstehen, die quasi als Synonym für den KI-Hype stehen - viel mehr noch als SpaceX, bei dem die am IPO beteiligte Investmentbank Goldman Sachs offenbar ein KI-Wachstum von 3,2 auf 322 Milliarden Dollar bis 2030 erwartet.
Ziemlich ambitioniert, zumal das aktuelle Wachstum im KI-Geschäft des Unternehmens in erster Linie von der Vermietung von Rechenkapazitäten getrieben wird. Und nicht von den eigenen KI-Modellen, die zu besseren Produkten führen und Kunden deshalb zum Kauf der SpaceX-Produkte verleiten könnten.
Im Gegenteil: Man könnte es auch als Schwäche von SpaceX interpretieren, wenn die eigenen Modelle so wenig überzeugend sind, dass Rechenkapazitäten vermietet werden, die SpaceX selbst nicht auslasten kann oder will. Zugegeben: Das Vermieten von Rechenkapazitäten mit teuren Nvidia-Chips ist derzeit noch ein lukratives Geschäftsmodell. Doch dass ausgerechnet Anthropic einer der besten Kunden in letzter Zeit war, spricht ein Stück weit für sich - und gegen die hohe Bewertung von SpaceX.
Es kann aber auch ganz anders kommen und die Aktie entkoppelt sich von solchen fundamentalen Entwicklungen. Das wäre nicht verwunderlich, da viele Anleger ihre Hoffnungen fast blind an SpaceX-CEO Elon Musk haften könnten - ähnlich wie bei Tesla.
All das bleibt aber abzuwarten. Anleger sollten sich also ernsthaft überlegen, ob sie kurzfristig in die Aktie einsteigen oder ihr nicht noch ein paar Wochen Zeit zum Einpendeln geben.