Wirtschaft
Die USA und die EU hatten die Restriktionen in der chinesischen Finanzbranche jahrelang scharf kritisiert.
Die USA und die EU hatten die Restriktionen in der chinesischen Finanzbranche jahrelang scharf kritisiert.(Foto: REUTERS)
Freitag, 10. November 2017

China will Finanzmarkt öffnen: Ausländer dürfen Mehrheit an Firmen halten

Bislang können ausländische Unternehmen bei Joint Ventures im chinesischen Finanzsektor nur die Rolle des Juniorpartners übernehmen. Doch schon bald soll sich dies ändern.

China macht einen großen Schritt bei der Öffnung seines bislang für Ausländer oft verschlossenen Finanzmarkts: Bald soll es ausländischen Unternehmen erlaubt sein, die Mehrheit an chinesischen Banken, Brokern oder auch Versicherern zu übernehmen. Damit dürften frustrierende Jahre für viele westliche Finanzkonzerne enden, die auf dem Riesenmarkt China nur schwer mit den örtlichen Großbanken konkurrieren konnten.

Die zuständigen Behörden würden gerade die Details der neuen Regelungen ausarbeiten, sagte der stellvertretende Finanzminister Zhu Guangyao. Diese sollten bald veröffentlicht werden. Nach seinen Worten sollen Ausländer künftig bis zu 51 Prozent an Finanzfirmen halten dürfen; diese Begrenzung würde dann mit der Zeit ganz aufgehoben. Gegenwärtige Hürden bei Banken und Anlageverwaltungen von 20 Prozent für einzelne Beteiligungen und 25 Prozent insgesamt sollen ebenfalls beseitigt werden.

Bislang waren Ausländer darauf beschränkt, die Rolle des Juniorpartners bei Gemeinschaftsunternehmen im chinesischen Finanzsektor zu übernehmen: Sie durften maximal 49 Prozent halten. Aus diesem Grund hatte sich etwa die größte US-Bank JPMorgan Chase im Dezember aus einem Investmentbanking-Joint-Venture in China zurückgezogen.

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Die jetzige Öffnung kommt, nachdem US-Präsident Donald Trump seinen ersten Besuch im Reich der Mitte abgeschlossen und eine positive Bilanz gezogen hatte: Er sprach in einem Tweet von "sehr produktiven" Treffen mit Staats- und Parteichef Xi Jinping in Peking bezüglich der Themen Handel und Nordkorea. Allerdings hatte China auch schon zuvor die Restriktionen für Ausländer im Finanzsektor gelockert - Experten bezweifeln, dass die Entscheidung während des China-Besuches von Trump gefallen ist.

Trump will fairen Wettbewerb

Nach seiner Weiterreise nach Vietnam sagte Trump in einer Rede auf einem Wirtschaftsforum beim Asien-Pazifik-Gipfel (Apec), er habe in Peking direkt mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping über "unfaire Handelspraktiken" gesprochen. Die USA wollten fairen Wettbewerb und mehr Marktzugang. Er erwarte, dass andere Länder ihre Märkte so weit öffneten wie die USA. "Wir werden es nicht mehr zulassen, dass die USA ausgenutzt werden."

Die Restriktionen in der Finanzbranche waren von den USA und der EU jahrelang scharf kritisiert worden. Ausländische Experten begrüßten die Öffnung, warnten aber, dass ausländische Finanzkonzerne auf dem chinesischen Markt auf starke Konkurrenz staatlicher chinesischer Mitspieler stoßen werden. "Es ist ein großer Durchbruch für Wertpapierunternehmen, die wirklich nur mit Mehrheitsanteilen funktionieren. 51 Prozent öffnet ihnen die Tür", sagte Jörg Wuttke, früher Präsident der EU-Handelskammer in China. "Aber wie immer wird China sehr selektiv sein, wenn es darum geht, Lizenzen zu vergeben, und amerikanische Firmen bevorzugen.

Die US-Handelskammer in China (AmCham) begrüßte die Ankündigung vorsichtig und wartet auf Details. Die Öffnung des Finanzsektors könnte Finanzressourcen für Chinas Entwicklung bereitstellen, sagte der Vorsitzende William Zarit. "Diese Beschränkungen und viele andere, die noch nicht angegangen worden sind, haben die Wirtschaftsaktivitäten in China viel zu lange behindert."

Analysten erwarten positive Auswirkung auf Direktinvestitionen

Analysten der HSBC erwarten von dem Schritt mittelfristig "positive Auswirkungen auf ausländische Direktinvestitionen" - so auch auf wichtige Reformvorhaben wie die Umschuldung und Entwicklung der Aktien- und Anleihenmärkte. In den vergangenen Jahren war Ausländern erst schrittweise mehr Zugang zu Chinas Aktienmärkten gewährt worden. In Frankfurt sollen Kapitalanleger ab 2018 an der deutsch-chinesischen Börse Ceinex in chinesische Aktien investieren können. Dafür hätten chinesische Aufsichtsbehörden ihre Zustimmung erteilt, erfuhr die "Wirtschaftswoche" von Ceinex.

Die Deutsche Börse stellt ihre Technik zur Verfügung und ist mit 40 Prozent an dem 2015 gegründeten deutsch-chinesischen Gemeinschaftsunternehmen beteiligt. Ceinex will in Frankfurt sogenannte D-Shares (D für Deutschland) listen lassen. Zunächst sollen laut "Wirtschaftswoche" Bau-, Bahn- und Energieunternehmen an die Börse kommen, die an Chinas Initiative für eine "neue Seidenstraße" beteiligt sind. Für das ehrgeizige, geostrategische Projekt neuer Wirtschaftskorridore von China nach Europa will Staatschef Xi Jinping viele Milliarden investieren.

Quelle: n-tv.de

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