Wirtschaft
Streit mit dem neuen Eigentümer PSA: Bei Opel pochen Arbeitnehmer auf bestehende Tarifverträge, die noch mit General Motors abgeschlossen und von PSA übernommen worden waren.
Streit mit dem neuen Eigentümer PSA: Bei Opel pochen Arbeitnehmer auf bestehende Tarifverträge, die noch mit General Motors abgeschlossen und von PSA übernommen worden waren.(Foto: picture alliance / Uwe Anspach/d)
Dienstag, 17. April 2018

Deutsche Standorte in Gefahr?: Auto-Experte fürchtet um Opel-Werke

Der neue Opel-Eigner und die IG Metall werden sich nicht einig. Für einige deutsche Werke könnte das gefährlich werden, warnt Auto-Experte Dudenhöffer. Sollte der Tarifstreit nicht bald beigelegt werden, heißt es, könnte es am Ende doch zu Werksschließungen kommen.

Die stockende Sanierung des Autobauers Opel gefährdet nach Einschätzung eines Experten den Bestand zweier Werke in Deutschland. Dass die IG Metall mit politischer Unterstützung auf die Einhaltung bestehender Tarifverträge poche, könnte dem neuen Mutterkonzern PSA als Vorwand für bislang ausgeschlossene Werkschließungen dienen, sagte der Direktor des CAR-Centers an der Universität Duisburg-Essen, Ferdinand Dudenhöffer.

"Am Ende könnte die Schließung der beiden Opel-Werke in Kaiserslautern und Eisenach stehen", sagte Dudenhöffer. Nur der Stammsitz Rüsselsheim sei wegen der dort sitzenden Entwicklung und der sehr modernen Produktion für PSA unverzichtbar. Die Peugeot-Mutter PSA hatte am Vortag eine Investitionsentscheidung für Eisenach verschoben, nachdem Verhandlungen mit IG Metall und Betriebsrat nicht zur gewünschten Kostensenkung geführt hatten.

In Deutschland sacken die Verkäufe ab

Die Arbeitnehmer bestehen auf der Erfüllung älterer Tarifverträge, die noch mit dem Opel-Vorbesitzer General Motors (GM) abgeschlossen und von PSA übernommen worden waren. Darin sind nach Lesart des thüringischen Wirtschaftsministers Wolfgang Tiefensee beispielsweise zwei Modelle für das Werk Eisenach vorgesehen. PSA will dort aber nur einen Geländewagen bauen und nennt dazu keine Zahlen für einen möglichen Arbeitsplatzabbau. Nach den vorerst erfolglosen Gesprächen muss Opel ab April auch die Tariferhöhung im Metall-Flächentarif von 4,3 Prozent nachvollziehen und den Tarifbeschäftigten mehr bezahlen.

Ferdinand Dudenhöffer
Ferdinand Dudenhöffer(Foto: picture alliance / Bernd Thissen)

Dudenhöffer sieht Opel aktuell in sehr schlechter Verfassung: Die Verkäufe sind in Deutschland trotz neuer SUV-Modelle in den ersten drei Monaten abgesackt, auch für Europa seien keine besseren Zahlen zu erwarten. In diesem und dem folgenden Jahr seien außer dem Nutzfahrzeug "Combo" keine neuen Fahrzeuge mehr geplant: "Opel steckt in einem Produktloch." Auch die Kündigung sämtlicher Händlerverträge sei überhaupt nicht hilfreich bei dem Vorhaben, mehr Autos zu verkaufen.

Die hohen Lohnkosten machten die deutschen Werke im PSA-Verbund sehr teuer, zumal die Produktivität nicht dem Branchenstandard entspreche, sagte Dudenhöffer. Die IG Metall sei aus seiner Sicht in ihrer Strategie gefangen, da sie selbstverständlich nicht dulden könne, dass gültige Tarifverträge vom Unternehmen nicht eingehalten werden.

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"Die festgefahrene Situation könnte PSA-Chef Carlos Tavares als Begründung dienen, doch noch die Werke Eisenach und Kaiserslautern zu schließen", erklärte der Auto-Professor. Derzeit versucht Opel, mit Kurzarbeit und hohen Abfindungen das vorhandene Arbeitsvolumen zu senken. Die Höhe möglicher Abfindungen von bis zu 275.000 Euro ohne Zuschläge zeige deutlich den Ernst der Lage, meinte Dudenhöffer.

Nahles mahnt PSA ab

Inzwischen droht dem PSA-Konzern neuer Ärger mit der Politik. Die SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles warf dem Unternehmen vor, Zusagen nicht einzuhalten, die 2017 bei der Übernahme von Opel gegeben worden seien. Dies sei so nicht hinnehmbar, sagte sie. PSA habe bei der Übernahme eine Standortgarantie für Eisenach, Kaiserslautern und Rüsselsheim ausgesprochen, erinnerte Nahles. Die damals gemachten Zusagen hätten sich auch auf bestehende Lohnzusagen und Tarifverträge bezogen. "Wir merken jetzt, dass PSA versucht, diese bestehenden Tarifverträge in Frage zu stellen und Lohnabstriche zur Bedingung für den Erhalt der Standorte macht", sagte Nahles und ergänzte: "Das ist aus meiner Sicht inakzeptabel und ein Bruch der Verabredungen und Zusagen 2017."

Eine Einhaltung der gemachten Zusagen sei möglich, auch ohne dass man zu Lasten der Beschäftigten Einsparungen vornehme, sagte Nahles. Dies könne glaubhaft auch von den Betriebsräten und den Gewerkschaften nachgewiesen werden. "Deswegen ermahne ich an dieser Stelle PSA, diese Zusagen von 2017 - das ist ja nun noch nicht so lange her, dass man sich daran nicht mehr erinnern kann - dann auch einzuhalten." Nahles sicherte den Beschäftigten und den Betriebsräten ausdrücklich die Unterstützung der SPD-Bundestagsfraktion zu. Die SPD werde auf der Seite der Beschäftigten kämpfen.

Opel kündigt Händlern in Europa

Für die rund 18.000 Beschäftigten in Deutschland sind bis Jahresende betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Opel will die Sanierung nach eigenem Bekunden ohne Entlassungen und Werksschließungen bewältigen. Größere Investitionen hat PSA aber bislang nur für Opel-Werke außerhalb Deutschlands freigegeben. Eisenach hat aktuell rund 1800 Beschäftigte, im Komponentenwerk Kaiserslautern arbeiteten im vergangenen Jahr gut 2000 Menschen.

Im Vertrieb hat Opel sämtlichen europäischen Händlern die Verträge gekündigt. Ziel seien neue Vereinbarungen, mit denen Leistung und Profitabilität des Handels gesteigert werden könnten, sagte ein Unternehmenssprecher in Rüsselsheim. In Europa werden demnach rund 1600 Verträge gekündigt, auf Deutschland entfallen davon 385.

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Quelle: n-tv.de