Wirtschaft

Importkosten belasten WirtschaftBDI-Studie: Recycling könnte deutsche Industrie stärken

05.05.2026, 09:38 Uhr
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Der deutsche Maschinenbau könne beim Recycling eine Schlüsselrolle einnehmen, so die Studienautoren. (Foto: picture alliance/dpa)

Die große Importabhängigkeit sei "schon heute die Achillesferse des Industriestandorts Deutschland", sagt ein Branchenvertreter. Hoffnung schöpft er aus einer Studie, die enormes Potenzial darin sieht, Rohstoffe wiederzuverwenden. Diese Fähigkeit könne Deutschland gar zum Vorreiter machen.

Deutsche Unternehmen sind bei vielen wichtigen Rohstoffen vollständig auf Importe angewiesen. Eine Studie des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) sieht eine Lösung für dieses sich verschärfende Problem des Standorts darin, Rohstoffe öfter wiederaufzubereiten und wiederzuverwenden. "Recycling und Wiederverwendung könnten bis 2045 zwischen 20 und 40 Prozent der Rohstoffimporte ersetzen", erklärte der Verband.

"Bei Rohstoffen wie Lithium, Nickel und seltenen Erden liegt die Importquote bei nahezu 100 Prozent", so die vom BDI beauftragten Experten des Beratungsunternehmens Boston Consulting Group (BCG). "Entsprechend schlagen geopolitische Spannungen, Exportrestriktionen und Preissprünge direkt auf Lieferketten und Wettbewerbsfähigkeit durch." Diese Materialien sind speziell für Zukunftstechnologien etwa im Energiebereich oder auch für E-Autos und Rechenzentren nötig.

Weltweit sei die Nachfrage nach einer Reihe von Rohstoffen gestiegen, die Preise hätten sich dementsprechend entwickelt: "Kupfer und Aluminium verteuerten sich in den vergangenen fünf Jahren um rund 60 Prozent, und der Lithiumpreis schwankte zwischen 10.000 und mehr als 50.000 Euro pro Tonne." Auch der Silberpreis sei wegen der wachsenden Nachfrage aus Elektromobilität und erneuerbaren Energien stark gestiegen, "während die Förderkapazitäten global kaum Schritt halten konnten".

Vor diesem Hintergrund sei die hohe Importabhängigkeit "schon heute die Achillesferse des Industriestandorts Deutschland", erklärte BDI-Hauptgeschäftsführer Holger Lösch. "Kreislaufwirtschaft kann helfen, diese Verwundbarkeit zu verringern - zusammen mit mehr Diversifizierung sowie heimischer Rohstoffförderung und -verarbeitung."

Die Boston Consulting Group untersuchte demnach, welche Effekte ein stärkerer Fokus auf die Kreislaufwirtschaft für die Branchen Mobilität, Maschinenbau, Bauwesen, Energie sowie Textil hätte. Es zeige sich, dass Recyceln und Wiederverwerten "kein reines Nachhaltigkeitsthema, sondern in vielen Bereichen ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell" sei, erklärt Patrick Herhold von der BCG.

Zudem habe Deutschland dank seiner industriellen Basis und technologischen Stärke "gute Voraussetzungen, um aus einer ambitionierten Kreislaufwirtschaft einen Standortvorteil zu entwickeln". Etwa könne der deutsche Maschinenbau bei Sortier- und Recycling-Technologien "als Technologieführer eine Schlüsselrolle einnehmen". BDI-Geschäftsführer Lösch sagte, so könne der Standort doppelt gestärkt werden: Kritische Abhängigkeiten würden reduziert und gleichzeitig zusätzliche Wertschöpfung geschaffen.

Quelle: ntv.de, lwe/AFP

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