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"Keinerlei vertragliche Festlegung" BER bringt Mehdorn in Bedrängnis

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Schilderwald an der BER-Baustelle: Im Potsdamer Landtag hören die Abgeordneten im Sonderausschuss die neuesten Wendungen im Planungsdebakel.

dpa

Am neuen Hauptstadtflughafen brennt die Luft. BER-Chef Mehdorn läuft die Zeit davon. Beim Reizthema Lärmschutz geht es offenbar nur sehr zäh voran. Und: Der Umbau der Brandschutzanlage hat noch nicht einmal begonnen.

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Brandenburgs Flughafenkoordinator Rainer Brettschneider (M.) unterhält sich mit BER-Technikchef Jochen Großmann (l.) und Siemens-Vertreter Jörg Marks (r.).

(Foto: dpa)

Ist es der Fluch der Großbaustelle oder sind es die Spätfolgen früherer Fehler? Das Flughafenprojekt Berlin-Brandenburg International (BER) kann seinen unrühmlichen Ruf als Deutschlands peinlichste Großbaustelle auch zwei Jahre nach dem kurzfristig abgesagten Eröffnungstermin nicht abschütteln: Neuesten Informationen zufolge geht es beim Umbau der Brandschutz- und Entrauchungsanlage noch immer nicht wirklich voran.

Probleme mit der Brandschutzanlage hatten im Mai 2012 dazu geführt, dass der Start des neuen Luftdrehkreuzes im Südosten Berlins wenige Tage vor dem umfangreich vorbereiteten Umzug aller fahrbaren Flughafen-Gerätschaften von Tegel nach Schönefeld aus heiterem Himmel abgesagt werden musste.

Zwei Jahre später steht der Beginn der erforderlichen Umbauarbeiten an der Anlage noch immer in den Sternen. Acht Monate nach der Übergabe des Auftrags an die Firma Siemens sind die Planungen für den gesamten Flughafen noch nicht komplett abgeschlossen, wie Technikchef Jochen Großmann im Flughafenausschuss des Potsdamer Landtags eingestehen musste. Das Land Brandenburg ist zusammen mit dem Bund und dem Land Berlin am Bau des Flughafens als Eigentümer beteiligt.

"Die Unterlagen und Vorgaben werden nun abschnittsweise an die Firma Siemens übergeben", sagte Großmann vor den Volksvertretern im Landtag. Einen Termin für den Start oder gar das Ende des Umbaus wollte er nicht nennen. Noch Anfang April hatte es geheißen, die verantwortliche Flughafengesellschaft rechne damit, noch 2014 einen verbindlichen Termin für eine Flughafeneröffnung nennen zu können.

Rauch ignoriert alle Pläne

Damit ist eines der wichtigsten Probleme auf der Flughafenbaustelle noch immer ungelöst. Am mangelnden Brandschutz war die Eröffnung des Flughafens vor zwei Jahren gescheitert. Bei einem Brand sei die Absaugung des Rauchs und darauf abgestimmt die Zufuhr von Frischluft entscheidend, betonte der Technikchef. Tests hatten ergeben, dass eben dies in dem Gebäude nicht funktioniert. Der Rauch kann nicht abziehen.

Zur Steuerung der Frischluftzufuhr müssten im Flughafengebäude insgesamt 90 Kilometer Spezialkabel neu verlegt werden, sagte Jörg Marks, der den Umbau der Anlage für den Industriekonzern Siemens betreut. Außerdem müssten 80 Steuerungspunkte im Flughafen installiert werden. Er dementierte, dass es die oft genannte Frist von 18 Monaten für den Abschluss der Arbeiten gebe: "Wir haben keinerlei vertragliche Festlegung auf einen Termin."

Spezialfenster für Anwohner

Mit offenen 'Baustellen' muss sich Flughafenchef Hartmut Mehdorn zudem noch in ganz anderen Bereichen des Flughafenprojekts auseinandersetzen. Die Anwohner des ehrgeizigen Infrastrukturvorhabens warten noch immer auf ausreichenden Lärmschutz.

"Insgesamt haben wir hier keinen einzigen endgültigen Bescheid", sagte der Vorsitzende der Fluglärmkommission, Gerhard Steintjes. Er bezog sich auf die 14.000 Haushalte im sogenannten Tagschutzgebiet. Sie erhalten Schallschutzfenster, Dämmungen und Lüfter oder werden mit Geld entschädigt.

Beim Schallschutzprogramm musste der Flughafen im vergangenen Jahr weitgehend von vorn beginnen. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg entschied, dass die Betreiber die Vorgaben verfehlt hatten. Nach Angaben Mehdorns werden für das Programm 730 Millionen Euro fällig - statt der erst geplanten 139 Millionen Euro. Insgesamt geht es um mehr als 25.000 Haushalte, die im Zusammenhang mit dem Flughafenbau betreut werden müssen.

Schallschutz für die Pisten-Sanierung

Wann der Flughafen in Betrieb geht, ist zwar wegen der Technikprobleme, wegen Planungsfehlern und Baumängeln unklar. Mehdorn muss aber vorher mit dem Schallschutz vorankommen, weil er die Südbahn ansonsten nicht einmal vorübergehend in Betrieb nehmen kann. Das jedoch ist dringend erforderlich, um wie geplant ab März 2015 die nördliche Start- und Landebahn sanieren zu können.

Von dieser Piste aus starten derzeit noch die Maschinen des bestehenden Flughafens Schönefeld, der in unmittelbarer Nachbarschaft der Großbaustelle im Norden liegt. Die Rollbahn soll später als zweite Start- und Landebahn des neuen Flughafens genutzt werden. Die Behörden verlangen, dass die Schallschutzbescheide sechs Monate vor der Nutzung der bereits fertigen Südbahn vorliegen.

Steintjes sagte, es gebe in der Kommission Zweifel, ob das noch gelinge. Andere Stellen hätten sich dazu allerdings optimistischer geäußert: Der Flughafen, so Fluglärmkommissionschef Steintjes, habe sich zuversichtlich geäußert.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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