Wirtschaft

GDL-Ausstand über Pfingsten? Bahn klagt über Streik "ohne Sinn und Not"

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(Foto: dpa)

Noch ist unklar, wann, wo genau und wie lange der neue Streik der GDL stattfinden soll - auch wenn es schon düstere Gerüchte gibt. Fest steht: Für die Bahn bringen die Lokführer wieder neue Probleme. Entsprechend wütend fällt die Reaktion des Konzerns aus.

Die Deutsche Bahn AG hat die neuerliche Streikankündigung der Lokführergewerkschaft GDL als "unverantwortlich" bezeichnet. Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber forderte die GDL dazu auf, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren. "Wir brauchen eine Gesamtschlichtung: Über Struktur, über Arbeitszeit, über Geld", sagte Weber in einer Pressekonferenz. Die GDL hatte zuvor einen weiteren Streik angekündigt. Details sollen am Nachmittag bekannt gegeben werden (n-tv überträgt die Pressekonferenz live).

Weber sprach wörtlich von einer "unverantwortlichen Streikankündigung der GDL". Die Ankündigung geschehe "ohne Sinn und ohne Not". Die Deutsche Bahn wolle, anders als die GDL dies darstelle, eine Lösung. "Wir wollen Ergebnisse, und zwar solche, die lange halten", sagte Weber. "Mit Arbeitskämpfen lösen wir gar nichts. Null."

Die Bahn habe noch am Morgen dringend darum gebeten, von weiteren Streiks abzusehen. Um die Blockade zu lösen, will die Bahn den renommierten Arbeitsrechtler Klaus Bepler hinzuziehen. Er soll den Streitparteien aufzeigen, was rechtlich möglich ist und welche Forderungen nicht mehr vom Gesetz gedeckt sind. "Der Königsweg heißt sprechen - und nicht streiken", sagte Weber. Er habe noch keine Informationen, wann die Züge still stehen sollen und für wie lange.

GDL ruft Mitglieder zum Streik

Zwei Stunden zuvor hatte die Lokführergewerkschaft einen weiteren Arbeitskampf angekündigt - nur acht Tage nach dem Ende des vergangenen Streiks. "Erneut zwingt die Deutsche Bahn die eigenen Lokomotivführer, Lokrangierführer und Zugbegleiter zum Arbeitskampf", hieß es in der Mitteilung. Um 16 Uhr will die GDL über den neunten Ausstand im laufenden Tarifstreit mit der Bahn informieren. Aus Gewerkschaftskreisen hieß es, dass auch das Pfingstwochenende betroffen sein könnte. Der Ausstand soll länger dauern als der vergangene.

Dem Bahnmanagement steht eine turbulente Woche ins Haus. Denn auch die größere Eisenbahnergewerkschaft EVG droht mit blockierten Gleisen, sollte bis Donnerstag kein zufriedenstellendes Angebot vorliegen. GDL und EVG konkurrieren um die Belegschaft. Die GDL will ihren Einflussbereich auf das bisherige Hoheitsgebiet der EVG ausdehnen, also sich auch um Zugbegleiter, Disponenten und Bordkellner kümmern. Die Bahnspitze gesteht das der kleineren GDL zu, will aber eine Spaltung der Belegschaft unbedingt verhindern.

Das heißt, es kann unterschiedliche Tarifverträge für eine Berufsgruppe geben aber sie müssen inhaltlich identisch sein. Auch bei der besonders umstrittenen Bezahlung der Lokrangierführer hat der Staatskonzern einen Schritt auf die GDL zugemacht. Sie sollen nach Webers Worten genauso viel verdienen wie ihre Kollegen, die die Züge durch die Republik fahren.

Einigung mit der EVG in dieser Woche

"Kernforderung ist Frieden in der Belegschaft, keine Spaltung der Belegschaft", bekräftige der Bahnvorstand die rote Linie. GDL-Chef Weselsky beharrt aber darauf, dass sich die Tarifverträge bei Löhnen und Arbeitszeiten unterscheiden können.

Die Spitze des Schienenkonzerns will am Donnerstag mit der größeren EVG eine Einigung erreichen, um eine Front im Tarifstreit zu beruhigen. "Wir werden versuchen am Donnerstag mit der EVG zu Abschluss zu kommen", kündigte Weber an.

Am Morgen hatte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt die Lokführer noch vor einem Dauerstreik gewarnt. "Mir fehlt das Verständnis dafür, wenn man sich nach monatelanger Tarifauseinandersetzung einer Schlichtung verweigert", schimpfte der CSU-Minister. "Verantwortungsvolle Tarifpartnerschaft verpflichtet auch zur Suche nach Kompromissen, und das kann nur am Verhandlungstisch geschehen", legte Dobrindt nach.

Quelle: n-tv.de, jog/DJ

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