Wirtschaft

Festgefahrener Tarifstreit Bahn lockt GDL mit Corona-Prämie

b8df059e70f5a59946260ca1dac7759b.jpg

Der Zugverkehr ist durch den GDL-Streik zurzeit eingeschränkt.

(Foto: dpa)

Die Deutsche Bahn spricht von einem "starken Signal der Einigungsbereitschaft": Mit dem Versprechen einer Corona-Prämie versucht das Unternehmen die Gewerkschaft GDL zurück an den Verhandlungstisch zu holen. Der seit Samstag laufende Streik der Lokführer im Güterverkehr setzt der Industrie zu.

Mit dem Angebot einer Corona-Prämie für die Beschäftigten will die Deutsche Bahn den angekündigten Streik im Personenverkehr noch abwenden. Die Lokführergewerkschaft GDL hatte ihre Mitglieder aufgerufen, von Montag an die Züge im Fern- und Regionalverkehr stehenzulassen. "Mit einer Corona-Prämie kommen wir einem wichtigen Anliegen der Gewerkschaften entgegen", teilte Personalvorstand Martin Seiler mit. Dies sei "ein starkes Signal der Einigungsbereitschaft". Das Geld soll laut Bahn für 2021 ausgezahlt werden. Einen Betrag nannte Seiler nicht. "Damit kann es keinen Grund mehr geben, die Rückkehr an den Verhandlungstisch zu verweigern", fügte er hinzu. "Jetzt liegt es nur an der GDL."

Seit Samstag bestreikt die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) zum zweiten Mal in diesem Monat den Güterverkehr, am Montag soll der Streik wieder auf den Personenverkehr ausgedehnt werden. Das Ende des Streiks ist für Mittwoch, 2 Uhr, vorgesehen. Die GDL äußerte sich auf Anfrage bislang nicht zu Seilers Vorstoß. Sie hatte unter anderem eine Corona-Prämie von 600 Euro gefordert. Zu den Streitpunkten im Tarifkonflikt zählen auch die Erhöhung der Tabellenentgelte und die Laufzeit des Tarifvertrags. Gestritten wird auch über die Altersvorsorge.

Mehr zum Thema

Der Streik im Güterverkehr verschärft aus Sicht des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) die Engpässe in der Industrie weiter. "Das dürften früher oder später auch die Verbraucher spüren, etwa beim Bau oder dem Autokauf", sagte der BME-Logistikexperte Carsten Knauer. Schon jetzt machten etwa der Chipmangel oder Materialengpässe wie beim Holz auf dem Bau den jeweiligen Branchen zu schaffen.

Mit dem Streik käme für die Sektoren, die bei ihren Lieferketten vor allem auf die Schiene setzten, ein weiteres Problem hinzu. Dazu gehört laut Knauer neben der Autoindustrie auch die Stahl- und Chemieindustrie. Transportalternativen etwa bei der Bahn-Konkurrenz auf der Schiene oder auch auf der Straße gebe es kaum. "Jeder Verkehrsträger ist total überbucht und die Preise gehen durch die Decke", sagte Knauer. "Es ist aktuell kurzfristig so gut wie unmöglich, Verkehre auf die Straße zu verlagern."

Quelle: ntv.de, fzö/dpa/AFP

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.