Wirtschaft

"Greifen jetzt härter durch"Bahn verbietet Alkohol an allen Bahnhöfen

21.07.2026, 07:29 Uhr
00:00 / 02:29
Video poster

Vergangene Woche eskaliert eine Ticketkontrolle mit einem offenbar stark alkoholisierten Fahrgast. Bahnchefin Evelyn Palla sieht dies als Anlass, das Hausrecht zu verschärfen. Außerhalb der Bahngastronomie soll Alkohol auf Bahnhöfen bundesweit verboten werden.

Die Deutsche Bahn will einem Medienbericht zufolge den Konsum von Alkohol an allen ihren 5400 Bahnhöfen in Deutschland verbieten. Die Maßnahme solle ab dem 15. Oktober flächendeckend umgesetzt werden, wie die Bahn ntv bestätigte. "Wir greifen jetzt noch härter durch", sagte Bahnchefin Evelyn Palla der "Bild"-Zeitung. "Wir wollen mehr Ordnung und Sicherheit auf unseren Bahnhöfen und in unseren Zügen." Es gehe um den Schutz von Mitarbeitern und Reisenden.

Bislang gibt es ein solches Verbot bereits an rund 30 größeren Bahnhöfen in Deutschland - unter anderem in Hamburg, Köln und München. Das Verbot beziehe sich auf den direkten Konsum auf Bahnsteigen und in Bahnhofshallen, hieß es. Der Ausschank in der Bahnhofsgastronomie solle weiter erlaubt bleiben. Auch das Mitführen von Alkohol in verschlossenen Taschen oder aus Einkäufen solle weiter möglich sein.

Die Einhaltung des Alkoholkonsumverbots werde von DB-Sicherheitskräften und der Bundespolizei überwacht. Wer beim unerlaubten Trinken erwischt wird, muss mit einem sofortigen Platzverweis rechnen. Im Wiederholungsfall könne sogar ein dauerhaftes Hausverbot ausgesprochen werden.

Die Deutsche Bahn werde das Hausrecht entsprechend ändern. "Zu oft mussten wir feststellen, dass dort, wo zu viel Alkohol fließt, auch die Gewalt zunimmt. Zuletzt hat uns dies der brutale und sinnlose Angriff vom vergangenen Freitag gezeigt," erklärte Bahnchefin Palla. Auf der Bahnstrecke zwischen Offenburg und Karlsruhe eskalierte in der vergangenen Woche eine Ticketkontrolle in einem Regionalzug. Der Tatverdächtige sei laut ersten Ermittlungen offenbar stark alkoholisiert gewesen. Nahe dem Bahnhof Ettlingen-Bruchhausen war ein Bahnmitarbeiter daraufhin aus noch unbekannter Ursache aus dem fahrenden Zug gefallen.

Alexander Poitz, stellvertretender Bundesvorsitzender der GdP, hält ein konsequentes Alkoholverbot an Bahnhöfen und in Zügen mit der derzeitigen Stärke der Bundespolizei allerdings für kaum realistisch. "Wer soll es kontrollieren? Wir haben Überstunden, wir haben Krankheitssituationen der Polizei. Wir haben ein Personaldefizit", sagt Poitz im RTL/ntv Frühstart. Die Bundespolizei sei zudem bereits stark gebunden – unter anderem durch Großveranstaltungen und Grenzkontrollen.  

Außerdem müsse ein Verbot zwingend auch in den Zügen gelten. "Es macht keinen Sinn, an den Bahnhöfen ein Alkoholverbot umzusetzen und dann aber in der Bahn selbst Alkohol konsumieren zu dürfen", warnt der GdP-Vize. Angesichts der jüngsten Gewaltexzesse auf Bahnhöfen und in Zügen hält er die Forderung zwar für gerechtfertigt, doch ohne zusätzliches Personal bleibe sie schwer durchzusetzen: "Ich glaube, konsequent zu kontrollieren und eine hundertprozentige Entfernung des Alkohols von Bahnhöfen und Zügen wird nicht möglich sein." 

Quelle: ntv.de, bho/rts

SicherheitspolitikEvelyn PallaDeutsche BahnAlkohol