Wirtschaft

Berateraffäre vor Aufsichtsrat Bahnchef Lutz sucht Weg aus der Krise

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(Foto: picture alliance/dpa)

Mit einer neuen Konzernstrategie will die Deutsche Bahn die Krise hinter sich lassen. Dafür präsentiert Bahnchef Lutz dem Aufsichtsrat ein umfangreiches Ideenpaket. Doch in der gleichen Sitzung wollen die Aufseher auch die Berateraffäre aufs Tapet bringen. Lutz drohen unangenehme Fragen.

Mehr Fahrgäste und ein besseres Bahnangebot in Deutschland, weniger internationale Aktivitäten: Mit einer neuen Konzernstrategie will der Vorstand um Bahnchef Richard Lutz den Staatskonzern aus der Krise führen. Nun präsentierte er dem Aufsichtsrat ein 170-Seiten-Papier mit dem Titel "Starke Schiene". Unter vielen Überschriften und Fotos bündelt es neue und bekannte Vorhaben. Konkrete Angaben zur Finanzierung gibt es allerdings noch nicht.

In der gleichen Sitzung will sich der Aufsichtsrat auch erneut mit den fragwürdigen Beraterverträgen bei der Deutschen Bahn befassen. In welcher Form die Berateraffäre zur Sprache kommen würde, war jedoch zunächst nicht bekannt. Bereits in der vergangenen Woche war der Aufsichtsrat dazu in einer Sondersitzung zusammengekommen.

Die Bahn lässt derzeit Verträge mit 26 ehemaligen Beratern überprüfen, darunter drei frühere Konzernvorstände. Der internen Revision waren die Verträge mit ehemaligen Managern aufgefallen. So soll ein früheres Vorstandsmitglied nach einer Abfindung in Millionenhöhe noch Hunderttausende Euro als Beratungshonorar erhalten haben. Bei anderen früheren Führungskräften geht es um vier- und fünfstellige Honorare. Untersucht wird jeweils, ob die Manager eine angemessen Gegenleistung erbracht haben.

Die fraglichen Verträge stammen aus den Jahren 2010 bis 2018. Sie fallen damit größtenteils in die Amtszeit des früheren Bahnchefs Rüdiger Grube und seines Finanzvorstands Lutz. Lutz übernahm nach Grubes überraschendem Rücktritt Anfang 2017 die Führung des bundeseigenen Konzerns. Seinen Masterplan legt Bahnchef Lutz damit in einem heiklen Moment seiner Laufbahn vor. Hier eine Auswahl der Ziele:

Zahl der Fahrgäste verdoppeln

Bis 2030 will die Bahn AG die Zahl der Fahrgäste im Fernverkehr verglichen mit 2015 auf 260 Millionen im Jahr verdoppeln. Dazu soll in Mitarbeiter und neue Züge investiert werden. Die Kapazität des Schienennetzes soll um 30 Prozent steigen - nicht nur durch neue Gleise, sondern auch durch Digitaltechnik, mit der die Züge dichter fahren können. Die Zahl der Fernverkehrszüge soll von rund 460 Zügen auf bis zu 600 wachsen. "Die Schiene wird das selbstverständliche Verkehrsmittel von allen sein", formuliert der Vorstand seine Vision. Auch im Regionalverkehr sollen mehr Menschen auf den öffentlichen Verkehr umsteigen: Eine Milliarde zusätzliche Fahrgäste im Jahr sind angepeilt. Das entspräche einem Zuwachs um die Hälfte.

Bahnhöfe besser vernetzen

Viele Bahnhöfe sollen Kunden künftig mehr bieten, als einen Ort, an dem sie in Züge ein- oder wieder aussteigen können. 100.000 neue Fahrradstellplätze bis 2022 verspricht die Strategie. Auch Auto- und E-Tretroller-Verleih im Bahnhofsnähe oder Fernbus-Haltestellen sind als Ziele festgehalten: "Vernetzte Drehscheiben der Mobilität" sollen die Bahnhöfe werden. Die Bahn-Buchungsapp DB Navigator soll Europas größte Mobilitätsplattform werden. Bis 2021 sollen Fernzüge kostenfreies WLAN erhalten - also auch Intercity-Züge. In Regionalzügen hängt es davon ab, ob die Länder den drahtlosen Internetzugang bestellen.

Bahnstrom soll grüner werden

Im Jahr 2030 soll die Bahn statt zu 57 Prozent wie heute zu 80 Prozent mit erneuerbarer Energie angetrieben werden, acht Jahre später vollständig. Das hatte sich die Bahn eigentlich erst für 2050 vorgenommen, dem Bund als Eigentümer reichte das aber nicht. Die Herausforderung ist groß: Bislang sind erst 60 Prozent der Strecken elektrifiziert, auf den übrigen fahren häufig noch Dieselloks. Für nennenswerte Fortschritte müssten Milliarden in Oberleitungen fließen. "Deutschland wird seine Klimaziele nur erreichen, wenn es im kommenden Jahrzehnt gelingt, massiv Verkehr auf die Schiene zu verlagern", argumentiert Lutz in dem Papier. "Die starke Schiene hilft unserem Land."

Takt der Züge soll dichter werden

Auf Hauptstrecken sollen die Fernzüge zwei Mal pro Stunde fahren. Mehr als 30 Städte sollen bis 2030 einen Halbstundentakt erhalten. Fernverkehrszüge sollen in mehr Städten halten, 80 Prozent der Deutschen sollen so erreicht werden. Mit dem "Deutschland-Takt" werden andere Züge besser darauf abgestimmt. Das Land werde näher an die Städte rücken, verspricht die Strategie.

Milliarden für das Schienennetz

"Für eine starke Schiene gibt es noch viel zu tun", heißt es in dem Papier. Auf dem 33.000 Kilometer langen Netz lastet nach Konzernangaben ein 50 Milliarden Euro schwerer Investitionsstau. Die Wachstumsoffensive brauche daher die Unterstützung der Politik. Wachstum sei nicht zum Nulltarif zu haben, "aber es ist gut angelegtes Geld", argumentiert Lutz. Deutschland werde nur dann seine Klimaziele erreichen wird, wenn es "im kommenden Jahrzehnt gelingt, massiv Verkehr auf die Schiene zu verlagern".

"Pläne müssen aber auch greifen"

Bahnverbände bewerteten die Pläne der Deutschen Bahn verhalten optimistisch. "Die Konzentration auf Kerngeschäft, Kapazität und Kunden ist verkehrspolitisch richtig", sagte der Geschäftsführer des Verkehrsbündnisses Allianz pro Schiene, Dirk Flege ntv.de. "Nun müssen die Pläne aber auch greifen. In der Vergangenheit ist viel auf der Ankündigungsebene hängen geblieben."

Quelle: n-tv.de, mau/dpa

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