Wirtschaft

"Erste Auswirkungen spürbar" Bahnverkehr steht weitgehend still

Bahnreisende müssen sich bundesweit auf Zugausfälle und Verspätungen einstellen: Seit zwei Uhr früh bestreikt die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) den Personenverkehr. Auch die S-Bahnen fahren nur unregelmäßig.

Der Streik der Lokführergewerkschaft GDL hat um zwei Uhr begonnen und legt den Personenverkehr der Deutschen Bahn weitgehend lahm. Zwar greift ein Ersatzplan, die Bahn geht aber davon aus, dass rund 75 Prozent der regulären Züge dennoch ausfallen. "Erste Auswirkungen des Streiks sind spürbar", sagte ein Bahn-Sprecher am Morgen.

So stehen am Mittwochmorgen die Personenzüge in vielen Bahnhöfen still, Bahnsteige sind leer. "Zug fällt aus", ist an den Anzeigetafeln zu verschiedenen Reisezielen zu sehen. Schon seit Dienstagabend bestreikt die Gewerkschaft den Güterverkehr. Tausende Fahrgäste müssen improvisieren, es gelten Ersatzfahrpläne. Im Fernverkehr, im Regionalverkehr und bei den S-Bahnen gibt es teils erhebliche Ausfälle.

Der Streik soll in der Nacht zu Freitag, genau am Freitagmorgen um 2 Uhr, enden. Auswirkungen des Streiks werden aber voraussichtlich auch noch im Laufe des gesamten Freitags zu spüren sein.

Die Bahn bat Fahrgäste, nicht zwingend notwendige Reisen zu verschieben. Wegen des Coronavirus rief sie auch zu Rücksichtnahme in den Zügen und zum Tragen von FFP2-Masken auf. Der Ausstand trifft die Fahrgäste mitten in der reisestarken Urlaubszeit: In 11 der 16 Bundesländer sind Schulferien. Betroffen sind auch grenzüberschreitende Verbindungen und der Nachtreiseverkehr.

Machtkampf der Gewerkschaften

Bahn-Personalvorstand Martin Seiler bezeichnete den Streik als "völlig unangemessen und überzogen". GDL-Chef Claus Weselsky verwies auf den ungelösten Tarifkonflikt. "Mit diesem ersten Signal muss dem Management klar werden, dass mit uns nicht gut Kirschen essen ist." Der Fahrgastverband Pro Bahn mahnte eine verlässliche Information der Bahnkunden an. "Nichts ist ärgerlicher, als bei einem Streik auf einen Zug zu warten, der dann nicht verkehrt." Der Verein rief die Bahn und die GDL dazu auf, in einer Schlichtung eine Lösung für ihren Konflikt zu finden.

Die Lokführergewerkschaft kämpft um mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen für ihre Mitglieder bei der Deutschen Bahn. Anders als die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) will sie in diesem Jahr keine Nullrunde bei den Gehältern akzeptieren. So will die GDL auch bei den Mitarbeitern im Machtkampf mit der EVG punkten.

Nicht bestreikt werden Konkurrenten der Deutschen Bahn. Sie haben im Regional- und Güterverkehr beträchtliche Marktanteile. Allerdings sind auch bei ihnen Einschränkungen möglich, wenn sich Fahrdienstleiter dem GDL-Streik anschließen. Es ist der erste Streik bei der Bahn seit Dezember 2018, als die EVG ihre Mitglieder zum Arbeitskampf aufrief. Die GDL-Gewerkschafter legten zuletzt vor sechs Jahren die Arbeit nieder.

Die GDL fordert unter anderem Lohnerhöhungen wie im öffentlichen Dienst von rund 3,2 Prozent sowie eine deutliche Corona-Prämie im laufenden Jahr. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll 28 Monate betragen. Auch um Betriebsrenten wird gerungen.

Wegen Milliardenverlusten in der Pandemie will die Bahn die Erhöhung auf spätere Stufenzeitpunkte verteilen, bei einer Vertragslaufzeit von 40 Monaten. Hinzu kämen Leistungen zur Altersvorsorge und der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen.

Quelle: ntv.de, ino/dpa

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