Wirtschaft

Bericht simuliert Chaos-Brexit Bank of England zeichnet Horrorszenario

94161598.jpg

In London spielt die Bank of England auch die extremen Folgen des Brexit durch.

picture alliance / Jens Kalaene/

Großbritanniens Zentralbank zeichnet bei einem ungeordnetem Brexit ein wirtschaftliches Horrorszenario - steigende Arbeitslosigkeit, Währungsverfall und Inflation inklusive. Die Finanzstrukturen des Landes seien allerdings für den Ernstfall gewappnet.

Ein ungeordneter Brexit könnte in Großbritannien nach Angaben der Bank of England (BoE) die heftigste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg auslösen. Die britische Wirtschaft dürfte ohne eine Einigung mit der EU innerhalb eines Jahres um acht Prozent schrumpfen, schreibt die Notenbank in ihrem Bericht zum Brexit.

Die Arbeitslosigkeit wird angesichts der Wachstumseinbußen nach Einschätzung der BoE merklich zunehmen. Auch an den Finanzmärkten erwartet die Notenbank heftige Reaktionen. So dürfte das britische Pfund um 25 Prozent zum US-Dollar nachgeben. Der deutliche Rückgang des Pfundes dürfte die Inflationsrate auf 6,5 Prozent steigen lassen. Die Notenbank wäre dann zu deutlichen Leitzinsanhebungen gezwungen. In der Spitze könnte der Leitzins bis auf 5,5 Prozent steigen.

Die britischen Geldinstitute sind nach Ansicht der Notenbank in der Lage, auch einen ungeordneten Austritt des Landes aus der EU und eine dadurch verursachte schwere Krise zu überstehen. Das britische Bankensystem sei stark genug, um auch in einem solchen Fall Haushalte und Firmen weiterhin ausreichend mit Krediten versorgen zu können, teilte die Bank von England in London mit. Das habe ein Stresstest der Branche ergeben: "Keine Bank muss ihr Kapitalpolster erhöhen."

Dem Test hatten sich sieben wichtige Geldhäuser des Landes unterziehen müssen, darunter die Großbanken HSBC, Barclays, Royal Bank of Scotland, Standard Chartered und Llodys. Großbritannien will die EU Ende März 2019 verlassen. Ob mit oder ohne Austrittsvertrag ist noch offen - das Parlament in London entscheidet am 11. Dezember über den von Premierministerin Theresa May ausgehandelten und von vielen Seiten kritisierten Scheidungsvertrag mit der EU. Ein "Yes" der Abgeordneten ist nicht sicher.

Simulation des Wirtschaftseinbruchs

Bei dem Fitnesscheck der Finanzhäuser hatte die Bank von England einen heftigen Einbruch der britischen und globalen Wirtschaft simuliert. Hinzu kamen im adversen Szenario hohe Kosten für Fehlverhalten der Banken. Insgesamt habe sich der fiktive Kapitalverlust aller überprüften Geldhäuser auf 170 Milliarden Pfund belaufen, teilte die Zentralbank mit. Die Institute seien jedoch auch unter den schwierigsten Bedingungen noch in der Lage gewesen Kredite auszureichen. Sie verfügten zudem über ausreichend liquide Mittel in Form von Anleihen und anderen Wertpapieren, um mehr als drei Monate lang ohne Zugang zu ihren normalen Refinanzierungsmärkten auszukommen.

Bei Lloyds fiel die harte Kernkapitalquote (CET-1) - ein wichtiges Maß für die Widerstandsfähigkeit einer Bank in einer Krise - "unter Stress" und ohne Gegensteuern des Bankmanagements beziehungsweise Umwandlung von Kapitalpuffern auf 6,3 Prozent, bei Barclays auf 6,9, bei HSBC auf 5,8, bei Standard Chartered auf 7,1 und bei der Royal Bank of Scotland auf 9,6 Prozent.

Neben den Großbanken nahmen auch die britische Tochter der spanischen Banco Santander sowie die Bausparkasse Nationwide Building Society an der Belastungsprobe teil. Die britischen Institute schnitten bei dem Test in ihrer Heimat mit Ausnahme von Barclays schlechter ab als bei einem teilweise vergleichbaren Fitnesscheck der Branche durch die EU-Bankenaufsichtsbehörde EBA, dessen Ergebnisse Anfang November veröffentlicht worden waren. Damals gehörten insbesondere Barclays und Lloyds zu den Schlusslichtern unter den 48 geprüften Instituten aus der ganzen Europäischen Union. Die harte Kernkapitalquote von Barclays war damals "unter Stress" auf 6,37 Prozent gefallen - so schlecht hatte keine andere Bank abgeschnitten. Lloyds kam bei der Belastungsprobe auf 6,8 Prozent, HSBC auf 9,18 und die Royal Bank of Scotland auf 9,92 Prozent.

Quelle: n-tv.de, mba/rts

Mehr zum Thema