Wirtschaft

Exodus bleibt aus Banker bleiben trotz Brexit in London

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Die in London präsenten Banken halten sich bei ihren Umzugsplänen bisher vornehm zurück.

(Foto: REUTERS)

Obwohl der Brexit naht, verlagern die Banken nur zögerlich Personal und Vermögenswerte aus London in die EU. Doch bei einer schmutzigen Trennung könnte sich das schlagartig ändern.

In knapp sechs Wochen wird Großbritannien aller Voraussicht nach die EU verlassen - mit oder ohne Deal. Und es sieht ganz danach aus, als ob der vorhergesagte Exodus von Investmentbankern aus London trotzdem nicht stattfindet. Das geht zumindest aus einer Studie der Unternehmensberatung EY hervor, auf die das Finanzportal Bloomberg hinweist.

Demnach haben Banken bisher lediglich insgesamt rund 1000 Jobs aus der britischen Hauptstadt etwa nach Frankfurt oder Paris verlagert. Einige Schätzungen waren davon ausgegangen, dass zehntausende Investmentbanker aus London abgezogen werden. Im Frühjahr waren dort Bloomberg zufolge bei den größten Instituten rund 82.0000 Banker beschäftigt.

"Finanzfirmen haben zwar die Büro-Kapazitäten angemietet. Doch sie haben bisher weniger Mitarbeiter und Vermögenswerte auf den Kontinent verlagert als erwartet", sagt Omar Ali, der sich bei EY mit der Finanzindustrie in Großbritannien beschäftigt. Der Studie zufolge könnten die Banken kurzfristig etwa 7000 weitere Jobs und Vermögenswerte in Höhe von umgerechnet 1,13 Billionen Euro in die EU verlagern.

EZB will mehr Tempo

Die zurückhaltende Geschwindigkeit beim Umzug stößt bei der Europäischen Zentralbank auf wenig Gegenliebe. Im August kritisierte sie in ihrem Monatsbericht, dass viele Banken in Europa noch unzureichend auf den für Ende Oktober geplanten EU-Austritt Großbritanniens vorbereitet seien. Sie haben demnach wesentlich weniger Geschäfte, Funktionen und Mitarbeiter von London auf das europäische Festland verlegt als ursprünglich vorgesehen.

Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken, Andreas Krautscheid, schließt nicht aus, dass "die eine oder andere ausländische Bank" bei den Brexit-Vorbereitungen "pokert" und mit der Verlagerung von Geschäften bis zum letzten Moment wartet. In Deutschland habe die Finanzaufsicht Bafin aber von Anfang an sehr klargemacht, dass sie keine bloßen "Briefkästen" dulden werde, sondern die Institute mit Personal und Technik umziehen müssten.

Krautscheid verwies darauf, dass inzwischen 45 Banken und Finanzinstitute von London Geschäfte nach Frankfurt am Main verlegt hätten. "Um die 20 auch ihren Sitz." Finanziell gehe es dabei für den wichtigsten deutschen Finanzplatz um "sehr, sehr große Größenordnungen".

Quelle: ntv.de, jga/AFP