Wirtschaft

Trotz Wohnungsnot Baugenehmigungen sinken weiter

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Im laufenden Jahr wurden 2,8 Prozent weniger Wohnungen als im Vorjahreszeitraum genehmigt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Vor allem in Ballungsräumen herrscht Wohnungsnot. Dennoch schrumpft die Zahl der Baugenehmigungen seit dem Jahr 2016 immer weiter. Die Bau- und Immobilienwirtschaft sieht dafür gleich mehrere Gründe.

Trotz des großen Bedarfs an Wohnungen sind die Baugenehmigungen in Deutschland zu Jahresbeginn weiter zurückgegangen. Die Behörden gaben in den ersten drei Monaten des Jahres grünes Licht für 75.600 Wohnungen - und damit 2,8 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, wie das Statische Bundesamt mitteilte. Die Genehmigungen galten sowohl für neue Gebäude als auch für Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden.

Allein in der Kategorie der Einfamilienhäuser gab es eine Steigerung um 2,3 Prozent. Alle übrigen Gebäudearten einschließlich der Mehrfamilienhäuser registrierten Rückgänge. Im vergangenen Jahr waren rund 347.000 neue Wohnungen genehmigt worden, der zweite Rückgang seit dem Rekordjahr 2016.

Um die große Nachfrage nach Immobilien zu decken, müssen nach Einschätzung von Politik und Bauwirtschaft in Deutschland jährlich 350.000 bis 400.000 Wohnungen entstehen. Im vergangenen Jahr wurde jedoch nur der Neubau von knapp 302.800 Wohnungen genehmigt.

Bereits 2017 und 2018 gingen die Baugenehmigungen zurück, nachdem sie von 2008 bis 2016 kontinuierlich zugelegt hatten. Union und SPD streben im Koalitionsvertrag an, bis 2021 rund 1,5 Millionen Wohnungen zu bauen - das wären 375.000 pro Jahr. Der mittelständische Verband ZDB erwartet in diesem Jahr aber nur die Fertigstellung von 315.000 bis 320.000 Wohnungen. "Fehlendes Bauland droht die Wohnbauoffensive ins Leere laufen zu lassen", sagte ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa.

Verband fordert steuerliche Anreize für Investoren

Die Lobby der Bau- und Immobilienwirtschaft fordert von der Politik inmitten der Debatte um steigende Mieten deswegen mehr Engagement für Neubauten. "Der Wohnungsmangel in Deutschland wird zur Dauersituation", warnte der Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft (GdW), Axel Gedaschko. "Von den jährlich notwendigen neuen Wohnungen in Deutschland bleiben wir meilenweit entfernt." Nun müssten die Planungsverfahren beschleunigt und steuerliche Anreize für Investoren geschaffen werden. Zudem sollten Kommunen Grundstücke für die besten Gesamtkonzepte und nicht nach Höchstpreisen vergeben.

Für Investoren müssten die Abschreibungsmöglichkeiten verbessert werden. "Den Wohnungsbau kurbelt man nicht an, indem man ständig über Enteignung und das Einfrieren der Mieten diskutiert", mahnte der Bauindustrieverband HDB. Auch der Immobilienverband BFW kritisierte eine verfehlte Wohnungspolitik der öffentlichen Hand. "Mit ihrem falschen Fokus auf das Mietrecht läuft die Bundesregierung aber weiter in eine Sackgasse, statt umzudrehen und Kurs auf mehr Neubau zu nehmen", warnte BFW-Präsident Andreas Ibel. "So werden die Schlangen vor den Wohnungsbesichtigungen auch künftig nicht kürzer."

Nach Ansicht der Branche bremsen langwierige Genehmigungsverfahren und viel Bürokratie den Wohnungsbau. Zudem sind Handwerker oft auf Monate ausgebucht, und die Preise für Bauleistungen sind angesichts der hohen Nachfrage nach Häusern und Wohnungen gestiegen. "Wir müssen endlich die Baugenehmigungszahlen deutlich nach oben treiben und Planungsprozesse beschleunigen - etwa durch die Einführung einer digitalen Bauakte, die Einführung einer Muster-Hochhausrichtlinie oder die Harmonisierung der 16 unterschiedlichen Landesbauordnungen, um das serielle Bauen zu fördern", mahnte Andreas Mattner, Präsident des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA), dem Spitzenverband der Immobilienwirtschaft.

Quelle: ntv.de, aeh/DJ/rts/dpa