Wirtschaft

Proteste bei Hauptversammlung Bayer-Chef verteidigt Monsanto-Übernahme

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Konzernchef Baumann hat die Monsanto-Übernahme durch Bayer auf der Hauptversammlung verteidigt.

(Foto: dpa)

Bei der Hauptversammlung von Bayer entschuldigt sich Vorstand Baumann bei den Aktionären für Kursverluste wegen des Monsanto-Deals. Vor den Türen werfen Demonstranten tote Bienen auf den Bürgersteig. Der Konzernchef ist in Erklärungsnot.

Bayer-Vorstandschef Werner Baumann hat sich gleich zu Beginn der Hauptversammlung des Unternehmens in Bonn zu den heftigen Kursverlusten geäußert. Die Bayer-Aktien hatten binnen eines Jahres mehr als ein Drittel an Wert verloren. Da sei "nichts zu beschönigen", sagte Baumann vor den anwesenden Aktionären und Vorstandsmitgliedern.

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Baumann stellte den Kauf des US-Konkurrenten Monsanto aber dennoch als richtigen Schritt dar, um langfristig voranzukommen. Das sorgt für viel Kritik. In den USA muss sich Bayer mittlerweile insgesamt 13.400 Produkthaftungsklagen stellen. Krebskranke hatten Schadenersatz wegen des glyphosathaltigen Monsanto-Produkts Roundup gefordert, in dem sie den Grund für ihre Erkrankung sehen.  

Die hohe Anzahl an Klagen gegen das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat hat mehr als 30 Milliarden Euro Börsenwert von Bayer vernichtet. Deshalb wollen zwei der drei großen Fondsverwalter - Deka und Union Invest - dem Vorstand die Entlastung verweigern. Auch die internationalen Proxy Adviser ISS und Glass Lewis, die große Anleger beraten, haben entsprechende Empfehlungen ausgegeben.

Widerstand von Aktionären

Mit Blick auf die Rechtsrisiken durch die Monsanto-Übernahme hatten Großaktionäre von Bayer im Vorfeld der Hauptversammlung Widerstand angekündigt. Baumann hält allerdings nach wie vor an der Unbedenklichkeit des Mittels fest. "Glyphosat-basierte Produkte sind nicht der Grund für ihre schweren Erkrankungen", sagte er. Bayer hat bereits zwei Urteile hinnehmen müssen, dagegen aber Rechtsmittel eingelegt. Der traditionell hohe Zustimmungswert für den Vorstand könnte daher bei dem diesjährigen Aktionärstreff einbrechen. Dies wäre ein herber Dämpfer für Baumann.

Er räumte ein, dass die Aktionäre bisher nicht von der Monsanto-Übernahme profitieren. Er könne zwar keine kurzfristige Klärung versprechen, doch arbeite der Konzern mit Hochdruck daran, "sich in den Berufungsverfahren und kommenden Gerichtsverfahren erfolgreich zu verteidigen." Angesichts der Klagewelle um den Unkrautvernichter Glyphosat stellten immer mehr Aktionäre die Frage, ob die Risiken ausreichend abgeschätzt wurden, sagte er bei Eröffnung der Hauptversammlung. "Der Aufsichtsrat ist fest davon überzeugt, dass dies der Fall ist", räumte Aufsichtsratschef Werner Wenning ein. Dass Bayer an der Börse starke Kursverluste habe hinnehmen müssen, "bedauern wir sehr", sagte er.

Synergien von einer Milliarde Euro im Jahr

Das Unternehmen habe sich nach einer intensiven Analyse der weltweiten Agrarbranche im Jahr 2015 entschieden, sich aktiv an deren Konsolidierung zu beteiligen. Inklusive Monsanto sei der Bayer-Konzern "das führende Unternehmen" in diesem Geschäft, dessen Markt wahrscheinlich auf Jahrzehnte hinaus neu aufgeteilt worden sei, beschrieb Baumann die Logik. Bereits jetzt sei Bayer hier profitabler als die direkten Wettbewerber. Bis 2022 sei mit weiteren Synergien von einer Milliarde Euro jährlich zu rechnen.

Für Vorstand und Aufsichtsrat verspricht die diesjährige Hauptversammlung deutlich unangenehmer zu werden als in früheren Jahren. Neben den Umweltaktivisten, die wie in früheren Jahren vor dem Versammlungsgebäude demonstrierten und den Aktionären dort tote Bienen auf den Weg streuten, um auf die Nebenwirkungen von Pflanzenschutzmitteln hinzuweisen, sehen zunehmend auch die Anteilseigner ihre ökonomischen Interessen als bedroht an.

Quelle: n-tv.de, joh/dpa/rts

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