Wirtschaft

Protestwelle nach Kündigung Bei Gorillas brodelt es gewaltig

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Das Berliner Startup stellt seine Fahrradkuriere zunächst für ein Jahr an, davon sind sechs Monate Probezeit.

(Foto: imago images/Arnulf Hettrich)

In den vergangenen Tagen können sich die sonst so schnellen Lieferungen des Startups Gorillas in Berlin etwas verspätet haben. Der Grund: Die sogenannten Riders protestieren gegen die ihrer Ansicht nach ungerechte Kündigung eines Kollegen. Doch die Stimmung ist schon länger angespannt.

So schnell wie kein anderes deutsches Startup zuvor hat der Blitzlieferdienst Gorillas eine Milliardenbewertung erreicht. Weniger als ein Jahr hat das Unternehmen von Gründer Kagan Sümer gebraucht, um die Investoren zu überzeugen. Für den Erfolg unabdingbar: Die Fahrradkuriere, die über die App getätigte Einkäufe innerhalb von zehn Minuten zum Kunden bringen. In den vergangenen Tagen könnten sich die Lieferungen zumindest in Berlin allerdings etwas verspätet haben - denn Teile der Belegschaft protestieren gegen das Unternehmen und blockieren einige Warenlager.

Ausgelöst hat diese Proteste offenbar die Kündigung eines sogenannten Riders am Mittwoch, weil er zu spät zu seiner Schicht kam. Auf dem Twitter-Account einer Initiative von Kurieren des Startups, die sich über die Arbeitsbedingungen beschweren, sind Streikaufrufe mit dem Hashtag "WeWantSantiBack" versehen. "Ja, ich habe mich an dem Tag um 45 Minuten verspätet", sagt Santiago Rojas der "BZ". Er habe aber auch rechtzeitig Bescheid gegeben und sich entschuldigt. Ein Gorillas-Sprecher bestätigt der Zeitung: "In dieser Woche wurde nach Fällen groben Fehlverhaltens die Entscheidung getroffen, den Vertrag eines Mitarbeiters innerhalb der Probezeit zu kündigen."

Das Berliner Startup stellt seine Fahrradkuriere zunächst für ein Jahr an, davon sind sechs Monate Probezeit. Rojas soll seit Januar für das Unternehmen gearbeitet haben. Die protestierende Belegschaft fordert eine Rücknahme der Kündigung und eine Neuregelung der Probezeit. Außerdem sind viele Angestellte mit der Bezahlung unzufrieden. Gorillas bezahlt seinen Angestellten derzeit 10,50 Euro.

Maximales Wachstum in der Waagschale

Das Geschäft der superschnellen Lieferdienste ist hart umkämpft. Die Konkurrenz schläft nicht. Erst Anfang des Jahres ist Flink an den Start gegangen. Der Druck auf Gorillas wächst. "Die Berichterstattung kann dem Unternehmen massiv schaden, denn Gorillas ist ein Lifestyle-Produkt, das man nicht zwingend braucht. Bei solchen Produkten ist es elementar wichtig, dass die Nutzer ein gutes Gefühl haben", sagt Luis Hanemann vom Wagniskapitalgeber Headline ntv.de. Er vermutet, Gorillas leide unter massiven Wachstumsschmerzen. Alles andere sei bei der Geschwindigkeit des Wachstums auch ungewöhnlich. Sollten sich in nächster Zeit auch Rider aus verschiedenen Regionen oder von anderen Firmen solidarisieren, könnte das Phänomen größer werden als Gorillas. "Ohne Riders gibt es kein Gorillas. Das ist allen Beteiligten bewusst." Die Konflikte werden gelöst werden, ist sich Hanemann sicher. "Kein Unternehmen kann langfristig gegen die Mitarbeiter gewinnen."

Doch die Stimmung zwischen dem Management und den Fahrern ist nicht erst seit dieser Woche angespannt. Laut der Initiative hat das Startup etwa den Dienst im Winter nicht auf eigene Initiative hin eingestellt, sondern weil sich die Fahrer geweigert haben, Einkäufe auszufahren. Gorillas hat das abgestritten. Zuletzt haben rund 200 Mitarbeiter auf einer Versammlung in Berlin eine Betriebsratswahl initiiert. Nach Informationen von Capital soll es im Unternehmen allerdings konkrete Überlegungen geben, die Wahl wegen einiger Unregelmäßigkeiten anzufechten.

Spätestens wenn die Investoren ausbleiben, wird Gorillas einlenken müssen. "Solche Schlagzeilen sind sicherlich nicht hilfreich für Investorengespräche, aber wirklich kritisch wird es erst werden, wenn es die Geschäftspläne des Unternehmens massiv stört", sagt Hanemann. Momentan liegt Gorillas noch maximales Wachstum in der Waagschale. Gründer Sümer jedenfalls ist zuversichtlich, das Erfolgsrezept gefunden zu haben: "Wir sehen einen klaren Pfad hin zu Profitabilität. Alles hängt vom Wachstum und den Produkten ab", sagt er der Nachrichtenagentur Reuters. Noch stehen die Investoren mit vollen Portemonnaies hinter der Strategie und glauben, Blitzlieferdienste haben das Potenzial, den Lebensmitteleinkauf zu verändern.

Quelle: ntv.de

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