Wirtschaft

Von Chip-Krise kaum getroffen Bei VW fließt das Geld wieder in Strömen

Ein großes VW-Logo steht auf dem Verwaltungshochhaus vom Volkswagen Werk. Foto: Sina Schuldt/dpa/Archivbild

Die überraschend veröffentlichten Eckdaten speisen sich vor allem aus der anziehenden Nachfrage.

(Foto: Sina Schuldt/dpa/Archivbild)

Volkswagen steckt die Belastungen aus der Halbleiterkrise bisher überraschend gut weg und fährt im ersten Halbjahr einen Milliardengewinn ein. Der Konzern warnt allerdings: Das Problem könne sich verschieben und im zweiten Halbjahr zu Beeinträchtigungen führen.

Der VW-Konzern ist im ersten Halbjahr mit Schwung aus der Corona-Krise gekommen und hat üppig an den wieder wachsenden Autoverkäufen verdient. Für den Zeitraum von Januar bis Juni meldeten die Wolfsburger auf Basis vorläufiger Zahlen ein Betriebsergebnis von rund 11 Milliarden Euro. Damit liegt die größte europäische Autogruppe bei dieser wichtigen Kennzahl schon jetzt über dem Wert des gesamten Jahres 2020, in dem sie einen operativen Gewinn von gut 10,6 Milliarden Euro vor Sondereffekten eingefahren hatte.

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Die überraschend veröffentlichten Eckdaten speisen sich vor allem aus der anziehenden Nachfrage. Gestiegene Auslieferungen hätten in der ersten Jahreshälfte zu einem "sehr hohen Umsatz" geführt, hieß es. Die Erholung sei - bezogen auf den schwachen Vorjahreszeitraum mit der weltweiten Ausbreitung der Pandemie - "weiter stark" gewesen. Besonders während des Lockdowns im zweiten Quartal 2020 hatten in vielen Ländern geschlossene Autohäuser, zeitweilig komplett stillgelegte Werke und verunsicherte Kunden dem Konzern noch tiefrote Zahlen eingebrockt.

Vor Sondereinflüssen hatte der Halbjahresverlust im laufenden Geschäft damals insgesamt 803 Millionen Euro betragen. Nachdem auch der Heimatmarkt Westeuropa zunächst noch geschwächelt hatte, stieg der Absatz des VW-Konzerns zuletzt überall deutlich. Im Mai machten die weltweit rund 860.000 verkauften Wagen ein Plus von 41 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat aus.

In Europa verdoppelten sich die Auslieferungen in etwa, in Nordamerika meldete die Unternehmensgruppe eine Steigerung um 83 Prozent. Für den wichtigen US-Markt gibt es auch bereits detailliertere Zahlen zum zweiten Quartal. Hier setzten die Wolfsburger mehr als 120.000 Neuwagen ihrer Kernmarke VW Pkw ab, eine Steigerung um 72 Prozent. VW sprach nun vom besten Verkaufsergebnis in einem Quartal seit 1973.

Audi schaffte einen Zuwachs auf knapp 67.000 Stück, fast das Doppelte des Wertes für die Vereinigten Staaten im zweiten Jahresviertel 2020. Die Befürchtungen eines länger anhaltenden Abschwungs in der gesamten Autoindustrie nach dem Corona-Tief Anfang bis Mitte vorigen Jahres bewahrheiteten sich bisher nicht, auch andere Anbieter verdienen wieder gut.

Im aktuellen Aufschwung fehlen Teile zuhauf

Ein großer Unsicherheitsfaktor beschäftigt die Branche jedoch nach wie vor: die globale Lieferkrise bei Elektronik-Chips. Wegen des Einbruchs 2020 hatten Autobauer große Kontingente dieser Komponenten abbestellt - im aktuellen Aufschwung fehlen ihnen die Teile nun zuhauf. Zahlreiche Schichten fielen aus, Kurzarbeit folgte, Hunderttausende geplante Modelle konnten nicht gefertigt werden. Durch Wetterextreme und Brände lagen bei Halbleiter-Firmen in Japan und den USA dann auch noch weitere der ohnehin begrenzten Kapazitäten brach. "Das werden wir spüren", sagte VW-Chef Herbert Diess im Mai.

Vorbei ist diese kritische Knappheit noch lange nicht - ganz im Gegenteil. Sie dürften sich bis weit ins dritte und vierte Quartal ziehen. "Die Beeinträchtigung aus dem Engpass an Halbleitern hat sich verschoben und wird eher zu Beeinträchtigungen im zweiten Halbjahr führen", deutete Volkswagen jetzt als aktualisierte Einschätzung an. Bislang strömen die Einkünfte in die Bücher, netto waren es seit Jahresbeginn gut 10 Milliarden Euro aus dem Auto-Kerngeschäft. Sollten Produktionspläne aufgrund fehlender Halbleiter weiter gekappt werden müssen, droht viel Geld verloren zu gehen. Die vollständigen Geschäftszahlen zum ersten Halbjahr gibt VW am 29. Juli bekannt.

Quelle: ntv.de, jki/dpa

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