Wirtschaft

Mittelfrist-Ziele in Gefahr? Beiersdorf schaut nur auf die Gegenwart

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Beiersdorf produziert unter anderem Desinfektionsmittel.

(Foto: imago images/Agencia EFE)

Der Sommer lief gut für Beiersdorf - doch die Aussicht auf neuerliche Einschränkungen des öffentlichen Lebens sorgen bei den Hamburgern für Sorgenfalten. Vor allem das Konsumentengeschäft schwächelt. In die Zukunft will das Unternehmen derzeit am liebsten eher nicht schauen.

Der Konsumgüterkonzern Beiersdorf erwartet trotz einer Belebung des Geschäfts im Sommer deutlich weniger Umsatz und Gewinn. "Die Covid-19-Pandemie hat große Teile der Welt immer noch fest im Griff", sagte Beiersdorf-Chef Stefan De Loecker. Neue Einschränkungen des öffentlichen Lebens drohten. "Wir müssen davon ausgehen, dass die Auswirkungen der Pandemie auch noch im vierten Quartal deutlich spürbar sein werden."

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Für das Gesamtjahr erwartet Beiersdorf einen Umsatzrückgang auf dem Niveau der ersten neun Monate - in diesem Zeitraum brach der Umsatz organisch um 7,1 Prozent ein. Die Ebit-Marge werde "signifikant" unter der des Vorjahres liegen. Hinter ihr Mittelfrist-Gewinnziel setzten die Hamburger ein dickes Fragezeichen. Bei den Anlegern kam das nicht gut an. Beiersdorf-Aktien fielen zeitweise auf ein Vier-Wochen-Tief und hielten die rote Laterne im Dax.

Der Hersteller von Nivea und Tesa musste in der Krise Federn lassen. In der ersten Jahreshälfte war der organische Umsatz um 10,7 Prozent geschrumpft, nach neun Monaten konnte Beiersdorf den Rückgang in Summe auf 7,1 Prozent abbremsen. Denn im dritten Quartal verzeichneten die Hamburger ein leichtes organisches Erlösplus von 0,2 Prozent. Rund lief es von Juli bis September vor allem bei Tesa. Die konjunkturabhängige Klebstoffsparte, deren Produkte unter anderem an Abnehmer in der Auto- sowie der Elektrobranche gehen, steigerte den organischen Umsatz um 6,2 Prozent.

Im deutlich größeren Konsumenten-Geschäft schrumpfte Beiersdorf indes auch im dritten Quartal - mit 1,2 Prozent fiel das Minus aber deutlich geringer aus. Gut liefen dort Hautcremes rund um Eucerin und Aquaphor. Einen zweistelligen Umsatzrückgang verbuchte dagegen erneut die Luxus-Marke La Prairie. Sie wurde vor der Krise vor allem in Flughafen-Shops verkauft - der Flugreise-Verkehr ist aber in der Pandemie fast komplett zusammengebrochen.

"Wir stehen vor einer volatilen Zukunft", bilanzierte De Loecker. Sein Fokus liege deshalb darauf, das Geschäft durch die Gegenwart zu bringen. Das Mittelfrist-Gewinnziel wollte der Konzern in der Corona-Krise nicht bestätigen. Beiersdorf sei aktuell nicht in der Position, das Ziel einer Ebit-Marge des Konsumenten-Geschäfts rund um Nivea von 16 bis 17 Prozent bis zum Jahr 2023 zu bekräftigen, sagte Finanzchefin Dessi Temperley.

Konkurrent Henkel war im dritten Quartal auf den Wachstumspfad zurückgekehrt, nachdem die Corona-Krise zuvor bei den Düsseldorfern für Rückgänge gesorgt hatte. Der Hersteller von Pritt, Persil und Schwarzkopf hatte von Juli bis September ein organisches Wachstum von 3,9 Prozent verzeichnet.

Quelle: ntv.de, jwu/rts