Wirtschaft

Kanadier verkaufen alle Anteile Benko schluckt Kaufhof-Karstadt

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Sieben Monate nach dem Zusammenschluss von Kaufhof und Karstadt nimmt die Sanierung noch einmal Fahrt auf.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der kanadische Einzelhandelskonzern HBC zieht sich völlig aus dem schwierigen Deutschland-Geschäft zurück. Ab sofort hat die Holding des österreichischen Investors Benko bei Karstadt und Kaufhof allein das Sagen. Für die Mitarbeiter brechen noch einmal härtere Zeiten an.

Die Signa-Holding des österreichischen Geschäftsmanns René Benko wird zum alleinigen Eigentümer von Galeria Karstadt Kaufhof. Signa teilte mit, die restlichen Anteile der Warenhausgruppe vom kanadischen Einzelhandelskonzern Hudson's Bay Company (HBC) zu übernehmen. Bislang war HBC mit 49,99 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen beteiligt. Signa sicherte sich zudem sämtliche Anteile am bislang gemeinsamen Immobilienbestand. Der Kaufpreis liegt einer Mitteilung von HBC zufolge bei insgesamt rund einer Milliarde Euro.

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"Eine gute Nachricht": Kaufhof-Karstadt-Chef Fanderl will die Sanierung der Warenhaus-Kette vorantreiben.

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Die Kanadier ziehen sich damit - wie von einigen Investoren schon länger gefordert - aus dem schwierigen Geschäft in Deutschland zurück. HBC-Chefin Helena Foulkes sprach von einem "Meilenstein", der es ermögliche, Kapital aus dem deutschen Immobilienbestand zu schlagen und so die Bilanz zu stärken.

Signa-Geschäftsführer und Galeria-Karstadt-Kaufhof-Chef Stephan Fanderl sprach von einer "guten Nachricht" für das Unternehmen. Knapp sieben Monate nach dem Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof könne der "für alle Mitarbeiter anspruchsvolle und herausfordernde Sanierungs- und Integrationsprozess mit hoher Verlässlichkeit auf der Eigentümerseite" fortgeführt werden. "Die Entscheidungswege werden kürzer und einfacher - das ist wichtig und richtig."

Für die Beschäftigten geht die Rosskur weiter

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Verdi-Demo am 7. Juni in Stuttgart: Den Beschäftigten von Kaufhof Karstadt steht eine weitere Roßkur bevor.

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Für die Mitarbeiter stellt es sich allerdings anders dar: Fanderl hat Kaufhof bereits eine Rosskur verordnet. Rund 2600 Vollzeitstellen sollten dort gestrichen werden, hatte er im Januar angekündigt - ebenso wie den Abschied aus der Tarifbindung. Da es in den Kaufhof-Warenhäusern viele Teilzeitkräfte gibt, liegt die Gesamtzahl der bedrohten Arbeitsplätze deutlich höher. Verdi-Vertreter Bernhard Franke sagte, die Gewerkschaft poche auf den Erhalt von Arbeitsplätzen und Standorten. Zudem müsse Kaufhof zurück in die Tarifbindung. Die Arbeitnehmervertreter hatten immer wieder erklärt, beide Warenhäuser hätten ihren Platz in Deutschland.

Signa und HBC hatten den Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof erst im Dezember offiziell vollzogen und so einen neuen Warenhausriesen mit europaweit rund 243 Standorten und rund 32.000 Mitarbeitern geschaffen. Die Allianz war jedoch aus der Not geboren. Kaufhof und Karstadt machte seit Jahren der Siegeszug von Billiganbietern wie Primark und Online-Händlern wie Amazon oder Zalando zu schaffen, aber auch die Konkurrenz der großen Einkaufszentren.

Signa-Gruppe ist am Ziel: HBC in Deutschland raus

Unter dem Dach der neuen Holding waren nicht nur die deutschen Kaufhof- und Karstadt-Filialen vereint worden, sondern auch die Karstadt-Sporthäuser, die europäischen Filialen der Outlet-Kette Saks Off 5th, die Galeria-Inno-Kaufhäuser in Belgien, die erst kürzlich gegründeten Hudson's-Bay-Warenhäuser in den Niederlanden sowie eine Reihe von Internet-Anbietern.

Kaufhof-Eigentümer HBC hatte eigentlich als Minderheitseigentümer mit an Bord bleiben sollen. Während das Deutschland-Geschäft nun an Signa geht und auch Galeria Inno aus Belgien bei Benkos Holding verbleibt, wird die verlustreiche niederländische Gesellschaft im Gegenzug wieder zu einer hundertprozentigen Tochter von HBC. Der 1670 gegründete kanadische Handelskonzern steckt schon länger in Schwierigkeiten. Parallel zum Deal mit Signa teilte HBC mit, ein milliardenschweres Privatisierungsangebot von einer Investorengruppe um Verwaltungsratschef Richard Baker unabhängig prüfen zu lassen.

Die von Benko 1999 gegründete Signa-Gruppe hatte zunächst in mehreren Schritten Karstadt übernommen und im vergangenen Jahr dann nach mehreren Anläufen auch die Mehrheit bei Kaufhof. Die Holding gehört mit einem Immobilienvermögen von laut eigenen Angaben mehr als 14 Milliarden Euro zu einem der größten Immobilieninvestoren in Europa. Benko hatte zuletzt auch die Möbelketten Kika und Leiner übernommen und sich bei zwei der größten Tageszeitungen Österreichs eingekauft.

Quelle: n-tv.de, mau/dpa/rts

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