Wirtschaft

Kurze, erfolglose Ära Berggruen steigt bei Karstadt aus

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Kein Mann für das Warenhausgeschäft: Nicolas Berggruen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der österreichische Investor Benko übernimmt die angeschlagene Warenhauskette ganz. Der bisherige Eigner Berggruen zieht sich vollständig zurück und gibt auch seine Minderheitsposition bei den Premium- und Sporthäusern der Gruppe auf.

Karstadt wechselt wieder den Besitzer: Die Signa-Gruppe des österreichischen Immobilienunternehmers René Benko übernimmt die angeschlagene Warenhauskette vom US-deutschen Investor Nicolas Berggruen. Karstadt gehe zu Beginn der kommenden Woche vollständig an Signa, teilte das Unternehmen in Wien mit. Der Kaufpreis beträgt laut Berggruen Holdings ein Euro. Die Kartellbehörden müssten noch zustimmen.

Benko übernimmt den Angaben zufolge alle 83 Häuser der Karstadt Warenhaus GmbH. Berggruen gibt demnach auch seine Minderheitsanteile an den Karstadt-Premiumhäusern und den Karstadt-Sport-Filialen ab. Er zieht sich damit vollständig zurück.

Signa-Geschäftsführer Wolfram Keil erklärte, wichtigstes Ziel "angesichts der aktuellen Lage" sei nun, "dass Ruhe einkehrt und die nächsten Schritte einer tragfähigen Sanierungsstrategie" verabschiedet und umgesetzt würden. In den letzten Monaten habe Signa als Vermieter mehrerer Karstadt-Häuser zusätzliche Verantwortung übernommen und durch Investition eines dreistelligen Millionenbetrages für die nötige Liquidität im Unternehmen gesorgt, heißt es in der Signa-Presseerklärung.

Berggruen erklärte: "Wir haben Karstadt im Jahr 2010 aus der Insolvenz geführt und konnten den Fortbestand des Unternehmens ohne massive Einschnitte bei der Belegschaft bis 2012 gewährleisten. Bis heute wurde kein einziger Standort geschlossen. Viele - allen voran die Mitarbeiter - haben ihr Möglichstes getan, um Karstadt wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Für diesen Einsatz bin ich allen sehr dankbar. Aber trotz unserer Bemühungen schreibt Karstadt noch keine schwarzen Zahlen. Wir machen daher den Weg frei für einen Neuanfang mit einem neuen Eigentümer …"

Signa hatte bereits im vergangenen September 75,1 Prozent an der Karstadt Premium Group und Karstadt Sports für ein Euro übernommen. Dafür sagte das Unternehmen Investitionen in Höhe von 300 Millionen Euro zu. Laut der Berggruen Holding sind davon bereits 200 Millionen Euro in die Modernisierung der Warenhäuser geflossen. Zur Karstadt Premium Group gehören das KaDeWe in Berlin, das Alsterhaus in Hamburg und das Kaufhaus Oberpollinger in München.

Stellenabbau und keine Investitionen

Berggruen wirft damit nach von Verlusten und Umsatzrückgängen geprägten Jahren das Handtuch. Der 53-Jährige, Sohn des verstorbenen Mäzens und Kunstsammlers Heinz Berggruen, hatte Karstadt 2010 - nach der Pleite des Arcandor-Konzerns - für den symbolischen Preis von einem Euro aus der Insolvenz übernommen. Damals war er auch von den Arbeitnehmern als Retter gefeiert worden.

Die Stimmung ist aber umgeschlagen, denn auch Berggruen schaffte es nicht, Karstadt auf Kurs zu bringen. Arbeitnehmervertreter hatten ihm immer wieder vorgeworfen, nicht in das Warenhausgeschäft zu investieren. Sie fordern ein tragfähiges Zukunftskonzept für Karstadt. Im Sommer 2012 kündigte Karstadt den Abbau von rund 2000 Stellen an. Im Frühjahr 2013 stieg die Warenhauskette mit ihren rund 20.000 Mitarbeitern aus den regionalen Tarifverträgen für den Einzelhandel aus.

Betriebsrat hofft, Verdi begrüßt, Regierung appelliert

Der Gesamtbetriebsrat glaubt mit dem neuen Eigentümer Benko an ein Überleben der Warenhauskette. "Karstadt hätte auch mit einem Eigentümer René Benko eine Zukunft", sagte Gesamtbetriebsratschef Hellmut Patzelt dem Fachmagazin "TextilWirtschaft". Der Betriebsrat habe Vorschläge für die künftige Strategie des Konzerns. Offen sei aber, wie es mit den Sanierungsplänen weitergehe.

Die Gewerkschaft Verdi begrüßte den Eigentümerwechsel. "Nicolas Berggruen und seine Beauftragten sind an einer Rettung von Karstadt in den letzten Jahren willentlich gescheitert", heißt es in einer Mitteilung. Nun erhoffe man sich eine neue Strategie. "Jetzt muss Herr Benko umgehend zeigen, wie sein tragfähiges und nachhaltiges Zukunftskonzept für Karstadt aussieht und dass er gewillt ist, in Karstadt umgehend und ausreichend zu investieren."

Die Bundesregierung forderte Benko auf, die Interessen der 17.000 Beschäftigten bei der Sanierung angemessen zu berücksichtigen. "Unser Appell an den neuen Investor kann im Moment nur zu sein, die Arbeitnehmerseite intensiv zu beteiligen", sagte ein Sprecher von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles in Berlin. Die Mitarbeiter hätten schon sehr lange ihren Beitrag geleistet, um Karstadt voranzubringen, und bräuchten Sicherheit und Perspektiven.

Mit der Übernahme durch Benko leben auch Spekulationen um eine Zusammenführung mit der Metro -Tochter Kaufhof wieder auf. Benko hatte sich in der Vergangenheit erfolglos auch um eine Übernahme dieser Warenhauskette bemüht.

Quelle: ntv.de, wne/AFP/rts/dpa/DJ