Wirtschaft

Russland dreht Gas ab Bericht aus Polen verschreckt Börse

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Unbestätigten Medienberichten zufolge soll Russland Gaslieferungen über die Jamal-Pipeline nach Polen gestoppt haben.

(Foto: ZB)

Noch ist nichts offiziell bestätigt, aber Medienberichte aus Polen schaffen schon Fakten an der Börse. Weil Russland dem Land das Gas abgedreht haben soll, sacken DAX und Dow ab. Noch ist aber unklar, was an den Berichten dran ist.

Polnische Medienberichte haben an der Börse für einen kleinen Kursrutsch gesorgt - so weit, so normal. Pikant ist aber der Inhalt der Berichte. Der Sender Polsat News und die Website Onet.pl melden, Russland habe die Gaslieferungen über die Jamal-Pipeline eingestellt. Am Abend bestätigte der polnische Erdgasversorger PGNiG, dass Gazprom ab kommenden Mittwoch kein Gas mehr liefern werde.

Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki bestätigte nach einem Gespräch mit Bundeskanzler Olaf Scholz zumindest Spannungen: "Wir haben Drohungen von Gazprom erhalten, die Gaslieferungen einzustellen", sagt er. Polen habe sich aber auf die Diversifizierung der Gasversorgung vorbereitet. Die Wirtschaft sei nicht gefährdet.

Die Börsianer schien die unklare Faktenlage am frühen Abend wenig zu kümmern, sie reagierten nervös. Nach dem Bekanntwerden der Berichte machte der DAX einen Satz nach unten, nachdem er zuvor komfortabel im Plus notiert hatte. Am Ende standen -1,2 Prozent zu Buche - nicht dramatisch in diesen volatilen Zeiten, aber doch deutlich. Auch beim US-Leitindex Dow Jones ging es zwischenzeitlich um 1,6 Prozent abwärts.

Auch Deutschland und andere EU-Länder sind auf russisches Gas angewiesen. Seit Wochen wird in Deutschland über die Folgen eines Lieferstopps diskutiert. Die einen meinen, dieser wäre gerade noch verkraftbar, die anderen fürchten einen Kahlschlag in der Industrie. Einig sind sich aber alle Experten, dass ein sofortiger Gaslieferstopp Russlands eine schwere Rezession in Deutschland nach sich ziehen würde. Die Volkswirtschaft könnte zwischen drei und sechs Prozent schrumpfen.

Laut Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck soll es zwei Jahre dauern, bis Deutschland auf russisches Gas verzichten könnte. Sein Ministerium arbeitet daran, andere Lieferanten zu finden. So soll Flüssiggas aus Katar oder aus den USA eingekauft werden. Dafür werden schwimmende Spezialhäfen gebaut, damit das Gas nach Deutschland geliefert werden kann. Der Grünen-Politiker meldete aber bereits einen Erfolg beim Öl. Dieses stamme mittlerweile nur noch zu 12 Prozent aus Russland. Beim Öl könne Deutschland ein russisches Embargo verkraften. Beim Gas wäre das noch lange nicht der Fall.

Quelle: ntv.de, vpe

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