Akademiker schauen in die RöhreBeschäftigte ohne Berufsabschluss holen bei Stundenlöhnen auf

Bis 2006 geht die Lohnentwicklung zwischen "unten" und "oben" deutlich auseinander, dann stagniert sie. Seit Ende 2023 profitieren besonders Beschäftigte ohne Berufsabschluss beim Bruttostundenlohn, wie das IAB zeigt. Auf der Stelle tritt dagegen eine andere Gruppe.
Die Lohnungleichheit in Deutschland hat sich im vergangenen Jahr verringert. Laut dem "Lohnmonitor" des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), der dem "Spiegel" vorab vorlag, stiegen die Bruttostundenlöhne im zweiten Halbjahr 2025 um durchschnittlich 3,9 Prozent auf 25,88 Euro.
Bemerkenswert ist, dass das Lohnwachstum in der Mitte der Einkommensverteilung mit 5,2 Prozent deutlich höher ausfiel als bei den Topverdienern, deren Löhne um 3,7 Prozent zulegten. Besonders stark profitierten Beschäftigte ohne Berufsabschluss mit einem Anstieg von 15,68 Euro (Ende 2023) auf 18,05 Euro pro Stunde (ein Plus von 15 Prozent). "Die Löhne sind heute nicht mehr so ungleich verteilt wie noch vor zehn Jahren", sagte IAB-Ökonom Enzo Weber dem "Spiegel". Das zeige sich auch im Niedriglohnbereich. Dessen Umfang sei deutlich geschrumpft. Die Datengrundlage der Erhebung ist die OPAL-Befragung des IAB.
Auffällig ist zudem die weitgehende Stagnation der Bruttostundenlöhne von Beschäftigten mit Hochschulabschluss. In den vergangenen zwei Jahren sind sie fast stagniert. Ende 2023 verdienten Akademiker im Schnitt 30,02 Euro pro Stunde, im zweiten Halbjahr 2025 waren es dann 30,92 Euro.
Interessant sind zudem die unterschiedlichen Entwicklungen zwischen Männern und Frauen. Der Zuwachs bei Männern seit dem 4. Quartal 2023 bis zum zweiten Halbjahr 2025 lag bei 2,74 Euro, bei Frauen hingegen bei 1,92 Euro. Das liegt unter anderem daran, dass der Stundenlohn von Frauen seit dem 1. Quartal 2025 um 41 Cent sank (von 23,45 auf 23,04 Euro), während er bei Männern um 73 Cent stieg (von 27,72 auf 28,45 Euro).
IAB-Ökonom Enzo Weber mahnt: "Die Anreize für Ausbildung könnten sinken, wenn man in Helferjobs ohne Qualifikation schon vergleichsweise gutes Geld verdienen kann." Bereits 13 Prozent der Erwerbspersonen unter 35 hätten keine abgeschlossene Ausbildung.