Wirtschaft

Beitrag von 0,5 Prozent zum BIP Biontech-Erfolg hilft Wirtschaft bei Aufschwung

Gründerin Özlem Türeci und Gründer Ugur Sahin sitzen in der ersten Reihe. Foto: Federico Gambarini/dpa/Archivbild

Die Biontech-Gründer Özlem Türeci und Ugur Sahin.

(Foto: Federico Gambarini/dpa/Archivbild)

Führende Ökonomen sind überzeugt, dass das deutsche Wirtschaftswachstum 2021 ohne den Impfstoff-Hersteller Biontech deutlich kleiner ausgefallen wäre. Von einem "Biontech-Effekt" ist die Rede. So habe der Erfolg des Corona-Vakzins aus Mainz den Zuwachs beim BIP von 2,2 auf 2,7 Prozent gehoben.

Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft wäre 2021 ohne den geschäftlichen Erfolg des Unternehmens Biontech mit seinem Covid-19-Impfstoff eine Nummer kleiner ausgefallen. Etwa 0,5 Prozent dürfte die mittlerweile weltbekannte Mainzer Firma zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) beigetragen haben, schätzen sowohl das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) als auch das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). "Es gibt einen deutlichen Biontech-Effekt", sagte der Wissenschaftliche Direktor des IMK, Sebastian Dullien.

Europas größte Volkswirtschaft ist einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes zufolge 2021 um 2,7 Prozent gewachsen, ohne den Biontech-Erfolg hätte es - folgt man der Einschätzung der Institute - nur zu 2,2 Prozent gereicht. "Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ein einzelnes deutsches Unternehmen jemals so stark zum Wachstum beigetragen hat", sagte Dullien.

Das schätzt IfW-Konjunkturchef Nils Jannsen genauso ein. In die Berechnung des Bruttoinlandsproduktes seien erstmals die Lizenzeinnahmen des Impfstoffentwicklers Biontech eingeflossen, die zum Jahresende fällig wurden. "Das Bruttoinlandsprodukt dürfte 2021 von Biontech um etwa ein halbes Prozent angekurbelt worden sein", sagte er. "Das ist schon ein besonderer Fall." Der Effekt schlage sich in höheren Dienstleistungsexporten nieder.

Das Statistikamt bestätigte, dass Biontech die Konjunktur spürbar angekurbelt hat. "Der Einfluss ist merklich, das ist klar", sagte Michael Kuhn vom Statistischen Bundesamt. Genauer wollte sich die Behörde aber nicht äußern. "Wir werden zu Einzelunternehmen keine Auskunft geben", sagte Kuhn, auch wenn das Thema viele interessiere.

Biontech bezieht nur wenig aus dem Ausland

Biontech hat im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben zwischen 16 und 17 Milliarden Euro mit seinem Corona-Impfstoff umgesetzt - dem ersten auf dem Markt erhältlichen Produkt des Unternehmens seit seiner Gründung 2008 überhaupt. Das ist ein enormer Sprung: 2020 lag der Umsatz noch bei weniger als einer halben Milliarde. "Das ist eine massive Steigerung, die sich auf das gesamte deutsche Wirtschaftswachstum auswirkt", sagte Dullien.

Hinzu kommt, dass Biontech vergleichsweise wenige Vorprodukte aus dem Ausland bezieht, die vom Produktionswert für die BIP-Berechnung noch abgezogen werden müssten. "Das ist daher nahezu eine reine Wertschöpfung im Inland", sagte Dullien. "Das wirkt sich deshalb direkt positiv auf das Wirtschaftswachstum aus."

Biontech lässt den auf der neuen mRNA-Technologie basierenden Impfstoff etwa in Marburg produzieren und kassiert außerdem Gebühren in Milliardenhöhe von seinem US-Partner Pfizer. Der beeindruckende Erfolg des Unternehmens zeige, dass es in Deutschland eine hervorragende Forschungslandschaft gebe, so Dullien.

Quelle: ntv.de, mbe/rts

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