Wirtschaft

Optimismus bei Corona-Forschung Biontech will im Herbst Impfstoff-Zulassung

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Biontech hat derzeit eine Studie mit rund 30.000 Probanden laufen. Fallen die Ergebnisse wie erwartet aus, soll schon in zwei Monaten die Marktzulassung beantragt werden.

(Foto: picture alliance/dpa)

Das weltweite Rennen um einen Corona-Impfstoff geht in die heiße Phase. Russland hat nach eigenem Bekunden als ersten Land einen erfolgreichen Kandidaten. Das Mainzer Unternehmen Biontech rechnet damit, innerhalb der nächsten Monate am Ziel zu sein.

Das Mainzer Biopharma-Unternehmen Biontech und sein US-Partner Pfizer peilen weiter einen Antrag auf Marktzulassung für ihren Corona-Impfstoff im Oktober an. Voraussetzung ist ein Erfolg der aktuellen klinischen Studie. Die Mitarbeiter hätten es geschafft, die Studie "in Rekordzeit zu starten", sagte Vorstandschef Ugur Sahin. Zugleich meldete das Unternehmen wegen hoher Kosten ein größeres Minus für die ersten sechs Monate. Allerdings sind die Kassen gut gefüllt. "Im zweiten Quartal haben wir bedeutende Fortschritte hin zu unserem Ziel gemacht, unsere Onkologieprogramme weiterzuentwickeln und einen möglichen Covid-19-Impfstoff so schnell wie möglich auf den Markt zu bringen", sagte Sahin weiter.

Ende Juli hatte eine weltweite Studie zu dem möglichen Impfstoff mit bis zu 30.000 Teilnehmern begonnen. Für die klinische Untersuchung der Phasen II/III - mit dem Ziel einer Überprüfung der Wirksamkeit, der Bestimmung der geeigneten Dosis und schließlich dem Nachweis der Wirksamkeit - war der Wirkstoff BNT162b2 als Hauptkandidat ausgewählt worden.

Falls der Wirkstoff zugelassen wird, haben Biontech und Pfizer bereits Liefervereinbarungen mit Großbritannien, den USA, Japan und Kanada über mehr als 250 Millionen Impfstoffdosen geschlossen. Zusätzlich gibt es eine Option über weitere 500 Millionen Dosen. Biontech ist seit Oktober 2019 an der US-Tech-Börse Nasdaq notiert. Der Kurs legte seitdem erheblich zu.

Nach eigenen Angaben verfügt das auf Forschung spezialisierte Pharmaunternehmen über liquide Mittel von 573 Millionen Euro. Damit sieht es seinen Kapitalbedarf unter anderem dank Anteilsverkäufen und Kooperationsvereinbarungen für mindestens zwei Jahre gesichert. Zudem nahm das Unternehmen über eine Kapitalerhöhung zusätzliche 681 Millionen Euro ein, was zu einem erwarteten Pro-Forma-Saldo an liquiden Mitteln in Höhe von 1,25 Milliarden Euro führt, und die Europäische Investitionsbank (EIB) hat dem Biotechnologieunternehmen einen Kredit von bis zu 100 Millionen Euro zugesagt.

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Im ersten Halbjahr beliefen sich die Erlöse auf mehr als 69 Millionen Euro. Biontech profitierte von Zahlungen seiner Kooperationspartner Pfizer und Fosun. Das Unternehmen verkaufte aber auch mehr Diagnostika, Peptide und retroviralen Vektoren für die klinische Versorgung und leistete mehr Entwicklungs- und Herstellungsdienste für Drittkunden.

Den gestiegenen Einnahmen standen allerdings ebenfalls höhere Kosten für Forschung und Entwicklung von 160 Millionen Euro gegenüber. Den Anstieg erklärte das Unternehmen vor allem mit der höheren Mitarbeiterzahl. Unter dem Strich fiel damit ein Minus von fast 142 Millionen Euro an.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/dpa/DJ