Wirtschaft

"Jetzt müssen wir liefern" Blume setzt bei Volkswagen auf E-Mobilität

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Der neue Konzernchef will den von seinem Vorgänger eingeleiteten Wandel von Volkswagen zu einem führenden Anbieter von E-Autos und Mobilitätsdiensten vorantreiben.

(Foto: picture alliance/dpa)

Unter seinem Vorgänger Herbert Diess ist laut dem einen oder anderen nicht immer alles ganz glattgelaufen. Die Erwartungen an den neuen Volkswagen-Chef Oliver Blume sind deswegen groß, es stehen etliche Änderungen an - auch der weitere Ausbau der E-Mobilität.

Der neue Volkswagen-Chef Oliver Blume will die Kräfte bei Europas größtem Autobauer bündeln und Kurs beim Ausbau der Elektromobilität halten. Blume, der den Wolfsburger Mehr-Markenkonzern in Personalunion mit dem Börsenkandidaten Porsche führt, kündigte an seinem ersten offiziellen Arbeitstag ein Zehn-Punkte-Programm an, um die großen Baustellen des Unternehmens anzugehen.

"Im Mittelpunkt stehen die finanzielle Solidität von Volkswagen, die Weiterentwicklung der Produkte, Software und Technologien, Regionen wie China und Nordamerika sowie Nachhaltigkeit und der Kapitalmarkt", sagte der 54-Jährige laut Auszügen aus seinem Redemanuskript vor rund 500 in Lissabon versammelten Top-Managern des Konzerns. Der Vorstand wird wie erwartet um drei auf neun Posten verkleinert und soll sich stärker auf strategische Fragen konzentrieren.

Seinem Vorgänger Herbert Diess, der nach vier Jahren an der Konzernspitze abtritt, zollte Blume Respekt. Dieser habe strategisch und technologisch einen sehr guten Job gemacht. "Jetzt müssen wir liefern." In seiner Rede setzte Blume sich vom Managementstil seines Vorgängers ab, der oft mit dem Betriebsrat im Streit lag und das Management nach Meinung von Kritikern in seine Entscheidungen nur unzureichend eingebunden hat. Der neue Konzernchef hob hervor, dass eine Strategie erst dann erfolgreich sei, wenn sie im Unternehmensalltag auch umgesetzt werde. Teamarbeit sei dabei von großer Bedeutung.

Wird Blume den Sparkurs verschärfen?

Blume machte zudem klar, dass er die einzelnen Marken des Konzerns stärker an Renditezielen orientieren will. Dem "Handelsblatt" sagte er, zu dem Zehn-Punkte-Plan gehörten eine robuste, konsistente Finanzplanung mit straffen Rendite-, Cashflow- und Break-even-Zielen. Der Fokus auf den Barmittelzufluss sei im Konzern bereits verstärkt. "Wir können da aber noch besser werden."

Das lässt vermuten, dass der Sparkurs unter Blume verschärft werden könnte. Jede Marke werde klare Ziele erhalten. In den ersten beiden Wochen werde er bei Audi, Seat, Skoda jeweils einen Tag verbringen, um diese mit dem Management zu besprechen. "Unternehmertum in den Marken ist mir wichtig. Stehen die Ziele, dann geht es gemeinsam los." Der mögliche Börsengang von Porsche wäre ein großer Hebel, um frisches Geld für den Konzern zu gewinnen, sagte Blume der Zeitung weiter.

Der VW-Aufsichtsrat soll Insidern zufolge nächste Woche über die Absicht entscheiden, die Ertragsperle aufs Börsenparkett zu schicken. Daran schließt sich ein bis zu vierwöchiger Zeitraum an, in dem das Unternehmen auf Investoren und Analysten zugehen darf, um für die Aktien-Platzierung zu werben. Rechtzeitig zum Führungswechsel beschloss der Aufsichtsrat die von Blume angestoßene Verkleinerung des Vorstands um drei auf neun Positionen. Der Konzernchef soll sich demnach auf Strategie, Qualität, Design sowie die aus dem Tritt geratene Softwaretochter Cariad konzentrieren.

"E-Mobilität gehört die Zukunft"

Zu seinem Kernteam gehören Finanzvorstand Arno Antlitz, Personal- und Truck-Vorstand Gunnar Kilian, Chefjurist Manfred Döss, Thomas Schäfer, der die wichtige Markengruppe Volumen mit VW, Skoda und Seat leitet, sowie Markus Duesmann, der die Premiumgruppe mit Audi, Lamborghini, Bentley und dem Motorradhersteller Ducati führt. Zur obersten Führungsebene zählen ferner China-Chef Ralf Brandstätter, Technik-Vorstand Thomas Schmall und IT-Chefin Hauke Stars.

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Um das hohe Pensum als Konzern- und Porsche-Chef zu schaffen, sollen Blume die Finanzvorstände Antlitz bei Volkswagen und Lutz Meschke bei Porsche zur Seite stehen. Blume soll auch nach dem geplanten Börsengang von Porsche Chef des zu Volkswagen gehörenden Sportwagenbauers bleiben, was bei einigen Investoren für Stirnrunzeln gesorgt hat. Der Manager setzt in der Unternehmensführung stärker auf Teamarbeit und Zusammenhalt als Diess, der nach gut vier Jahren abtritt und Volkswagen weiter beraten soll.

Der neue Konzernchef will den von seinem Vorgänger eingeleiteten Wandel von Volkswagen zu einem führenden Anbieter von E-Autos und Mobilitätsdiensten vorantreiben, setzt dabei aber andere Akzente. "Der E-Mobilität gehört die Zukunft", sagte Blume. "Wir werden das bisherige Tempo beibehalten und, wo möglich, erhöhen." Blume hatte aber bereits gesagt, dass er neben dem Ausbau der Elektromobilität auch auf die Entwicklung synthetischer Kraftstoffe wie eFuels setzt. Diess hatte eFuels wegen ihrer schlechten Energieeffizienz abgelehnt und den hohen Stromverbrauch bei der Herstellung kritisiert.

Quelle: ntv.de, Jan Schwartz, rts

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