Wirtschaft

Konsequenz aus 737-Max-Debakel Boeing-Chef Muilenburg tritt zurück

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Dennis A. Muilenburg verlässt Boeing.

(Foto: REUTERS)

Der US-Flugzeugbauer Boeing kämpft mit den Folgen der Abstürze von zwei Maschinen des Typs 737 Max und den andauernden Flugverboten. Konzernchef Muilenburg gelingt es nicht, den Konzern aus der Krise zu führen. Jetzt muss er seinen Posten räumen.

Boeing-Chef Dennis A. Muilenburg tritt mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurück. Das teilte der US-Flugzeugbauer mit. Nachfolger soll David L. Calhoun werden, der derzeit Chef des Verwaltungsrats ist. Er wird am 13. Januar die Geschäfte übernehmen. Der bisherige Finanzvorstand Greg Smith wird als Interims-CEO eingesetzt. Die Aktie gewann nach Verkündung der Nachricht im frühen US-Handel 3,3 Prozent.

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Der Aufsichtsrat habe sich zu dem Personalwechsel entschieden, um das Vertrauen in das Unternehmen zurückzugewinnen. Boeing wolle seine Beziehungen zu Regulierungsbehörden, Kunden und anderen Partnern "reparieren". Der US-Konzern befindet sich momentan in einer schweren Krise. In deren Folge hatte Muilenburg im Oktober sein Amt als Verwaltungsratsvorsitzender bereits niedergelegt, blieb aber als Chief Executive Officer an der Spitze des Konzerns. Diese Position hatte er seit 2015 inne.

Hintergrund sind die Abstürze von zwei Maschinen des Typs Boeing 737 Max mit Hunderten Toten und die seitdem verhängten Flugverbote. Zuletzt hatte Boeing angekündigt, die Produktion der 737 Max im Januar zu unterbrechen. Zuvor waren im Monat etwa 40 Maschinen des Typs hergestellt worden, aktuell stehen etwa 400 Maschinen auf Halde.

Der Airbus-Konkurrent schätzt die Kosten der Krise auf zehn Milliarden US-Dollar. Analysten erwarten mindestens doppelt so viel. Die Max ist das wichtigste Flugzeug für Boeing, es liegen knapp 5.000 Bestellungen vor. Der Flugzeughersteller beschäftigt etwa 12.000 Menschen im 737-Werk Renton bei Seattle, zudem sind ein Netzwerk von mehr als 600 Zulieferern und Hunderte kleinere Firmen in die Fertigung eingebunden.

Wiederzulassung sorgt für Probleme

Der Konzern steht im Verdacht, die Unglücksflieger überstürzt auf dem Markt gebracht und dabei die Sicherheit vernachlässigt zu haben. Boeing weist dies zwar zurück, hat aber verschiedene Fehler und Pannen eingeräumt. Im Zentrum der Krise steht das für die 737 Max entwickelte Steuerungsprogramm MCAS, das laut Untersuchungsberichten eine entscheidende Rolle bei den Abstürzen gespielt hat. Boeing hatte bereits nach dem Unglück in Indonesien im Herbst 2018 versprochen, die MCAS-Probleme per Software-Update zu beheben. Wenig später kam es zum Absturz in Äthiopien.

In den vergangenen Monaten zogen sich die Prüfungen für die Wiederzulassung des Fliegers zunehmend in die Länge. Erst vorvergangene Woche warnten die US-Regulierungsbehörden vor unrealistischen Erwartungen. Die Federal Aviation Administration (FAA) dürfte Reparaturen am Max-Flugsteuerungssystem und die entsprechende Pilotenausbildung frühestens im Februar genehmigen - und damit etwa zwei Monate später als von Boeing kürzlich in Aussicht gestellt, hatten Informanten gesagt.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa/DJ