Wirtschaft

Preise werden angehoben Booster-Shots bringen Herstellern Milliarden

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Moderna wird an der Börse mit rund 150 Milliarden Dollar bewertet.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

In den USA, weiteren Ländern und auch in Deutschland werden bereits Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus vorgenommen. Für die Hersteller von mRNA-Vakzine führt allein das schon zu hohen Zusatzeinnahmen. Außerdem bekommen sie für die Impfstoffdosen künftig mehr Geld.

Auffrischungsimpfungen gegen das Covid-19-Virus vor dem Hintergrund der zunehmenden Verbreitung der Delta-Variante erfreuen die Impfstoffhersteller. Die beiden Partner Biontech und Pfizer sowie Konkurrent Moderna können nach Einschätzung von Experten mit Umsätzen in Milliardenhöhe rechnen, die über die bisherigen Schätzungen hinausgehen - zumal sie ihre Preise für die Vakzine in den USA und andernorts erhöht haben.

Am Mittwoch rief die Regierung von US-Präsident Joe Biden erwachsene Amerikaner, die zwei Dosen der Messenger-RNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer oder Moderna erhalten haben, dazu auf, sich acht Monate später eine dritte Dosis als Booster geben zu lassen.

Pharmaanalyst Ronny Gal von Sanford Bernstein schätzt, dass der Umsatz mit dem Impfstoff von Pfizer und seinem Partner Biontech bis zum nächsten Jahr 74 Milliarden Dollar erreichen wird (ohne Deutschland und Belgien), das sind 17 Prozent mehr als bisher geschätzt. Bei Moderna dürften sich die Umsätze in diesem Zeitraum auf 35 Milliarden Dollar belaufen, das wären 25 Prozent mehr als bisher prognostiziert.

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Die Schätzungen sind ein weiterer Beleg dafür, dass die Coronavirus-Pandemie eine gute Gelegenheit erweist, mit Impfstoffen Geld zu verdienen. Viele Arzneimittelhersteller hatten das Geschäft aufgegeben, weil die Entwicklung hohe Investitionen erfordern und erst sehr spät klar ist, ob das Produkt überhaupt ausreichend wirkt.

Einige der etablierten Impfstoffhersteller haben die Entwicklung von Covid-19-Impfstoffen deshalb nur langsam vorangetrieben, während kleinere Unternehmen mit der neuen Technologie der Boten-RNA Impfstoffe in Rekordzeit lieferten und nun das Impfstoffgeschäft quasi neu gestalten.

Pfizer erhöht Prognose

Führungskräfte von Pfizer und Moderna haben erklärt, dass sie davon ausgehen, dass das Coronavirus ein endemisches Virus ist, das die Nachfrage nach Covid-19-Impfstoffen auf Jahre hinaus ankurbeln wird. Die Unternehmen haben die Produktion seit dem Impfstart erhöht. Laut US-Regierungsvertretern sind für alle US-Bürger Auffrischungsimpfungen verfügbar.

Pfizer hat im Juli seine Schätzung für den Jahresumsatz mit Covid-19-Impfstoffen um 30 Prozent auf 33,5 Milliarden Dollar angehoben und will nun sein gesamtes Impfstoffgeschäft mithilfe der mRNA-Technologie ausbauen.

Die Marktkapitalisierung von mRNA-Pionier Moderna, der vor der Pandemie über kein zugelassenes Produkt verfügte, ist derweil auf 149,7 Milliarden Dollar gestiegen, Biontech aus Mainz bringt 76,1 Milliarden Euro auf die Waage und übertrifft damit sogar den Bayer-Konzern, dessen Börsenwert bei 47 Milliarden Euro liegt.

Pfizer hat am Montag begonnen, Studiendaten bei der US-Gesundheitsbehörde FDA einzureichen. Moderna dürfte im September die Zulassung für die Booster-Dosis beantragen. Vergangene Woche genehmigte die FDA bereits eine dritte Impfung für mäßig oder stark immungeschwächte Personen.

Die Preise steigen

"Die Delta-Welle hat für Pfizer und Moderna zwei Dinge bewirkt", sagte Analyst Gal. "Die erste ist, das jedes Land mehr Impfdosen benötigen wird, weil sie die anfänglichen Impfungen auffrischen müssen. Zweitens konzentriert sich die Nachfrage auf die mRNA-Impfstoffe, weil alle Angst vor durchbrechenden Infektionen haben. Deshalb können die Hersteller dafür mehr verlangen."

Im Vergleich zu den ersten Lieferverträgen werden jetzt 15 bis 25 Prozent mehr pro Dosis in Rechnung gestellt, so Gal. Die USA haben im Juli mit Pfizer und Biontech eine Vereinbarung getroffen, wonach sie für 200 Millionen zusätzliche Impfdosen je 24 Dollar zahlen werden, gegenüber 19,50 Dollar bei der ersten Lieferung. Moderna hat den anfänglichen Preis für die US-Regierung von etwa 15 Dollar für die nächsten 400 Millionen Impfungen auf je 16,50 Dollar angehoben.

Die Unternehmen erhöhten auch die Preise für die Europäische Union. Pfizer stockte hier von 18 auf 23 Dollar pro Dosis auf, während Moderna den Preis von 22,60 Dollar pro Dosis auf 25,50 Dollar anhob, wie die "Financial Times" berichtete. Sowohl die Unternehmen als auch die EU lehnten eine Stellungnahme zu den neuen Preisen ab.

Quelle: ntv.de, jga/DJ

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