Wirtschaft

Britische Exporte halbieren sich Brexit-Deal stoppt Handelseinbruch nicht

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Die britischen Ausfuhren in die EU sind um 47 Prozent auf nur noch 16,6 Milliarden Euro eingebrochen.

(Foto: picture alliance/dpa/PA Wire)

EU und Großbritannien wollen mit ihrem Handelsabkommen die wirtschaftlichen Folgen des Brexits abfedern. Einen deutlichen Einbruch verhindert das jedoch nicht. Aus "Kinderkrankheiten" scheinen Dauerprobleme zu werden.

Nach dem Brexit war Großbritannien zum 1. Januar auch aus dem EU-Binnenmarkt und der europäischen Zollunion ausgetreten. Um die wirtschaftlichen Folgen möglichst gering zu halten, vereinbarten beide Seiten ein umfassendes Handelsabkommen, das bereits vorläufig in Kraft ist. Es sieht den Verzicht auf jegliche Zölle und mengenmäßige Beschränkungen im Warenhandel vor. Doch das Abkommen konnte einen deutlichen Einbruch im beiderseitigen Handel nach dem Jahreswechsel nicht verhindern.

Nach Daten der EU-Statistikbehörde Eurostat verringerten sich die EU-Exporte nach Großbritannien im Januar und Februar um 20,2 Prozent auf 39,8 Milliarden Euro. Die britischen Ausfuhren in die EU brachen sogar um 47 Prozent auf nur noch 16,6 Milliarden Euro ein.

Der Vorsitzende des Handelsausschusses im Europaparlament, Bernd Lange (SPD), führt dies einerseits auf neue Ausfuhrformalitäten wie Konformitätsbescheinigungen bei Lebensmittelexporten zurück, die zumindest in der Anfangsphase für Verzögerungen und Verwerfungen sorgten. Unter anderem wird geprüft, ob Produkte hauptsächlich in Großbritannien hergestellt wurden und ob Lebensmittel geforderten Standards entsprechen. Britische Exporteure müssen zum Beispiel für jedes tierische und pflanzliche Produkt ein Gesundheitszertifikat vorlegen.

Der Vorsitzende des britischen Verbandes kleiner Unternehmen (FSB), Mike Cherry, hatte erklärt: "Diejenigen, die international Geschäfte machen, werden mit einem unglaublich aufwändigen, ungewohnten Papierkram" konfrontiert. "Wir hatten gehofft, dass es sich um Kinderkrankheiten handeln würde, aber es scheint zu einem dauerhaften, grundsätzlichem Problemen zu werden." In einer Umfrage des Verbands gaben mehr als ein Fünftel der kleinen britischen Exporteure an, ihre Verkäufe in die EU vorübergehend ausgesetzt zu haben. Zusätzliche vier Prozent haben den Handel mit der EU dauerhaft eingestellt.

Laut dem EU-Parlamentarier Lange haben Unternehmen auch "Lieferketten umstrukturiert, weil die Aufwendungen größer geworden sind". Er geht deshalb davon aus, "dass das Niveau der Handelstätigkeiten auch nicht wieder das Vor-Brexit-Niveau erreichen wird".

Minus im Februar schon geringer

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Doch die Einbrüche dürften sich in den kommenden Monaten abschwächen. Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Gabriel Felbermayr, hatte erklärt: "Viele britische Exporteure waren schlecht vorbereitet." Die Briten müssten erst herausfinden, "wie das jetzt geht, Waren in die EU zu schicken". Es werde Lerneffekte geben. Daher dürften die Einbrüche im Laufe des Jahres nicht mehr so stark sein. Zumal die Konjunktur im Königreich wegen der raschen Impffortschritte schneller wieder in Schwung kommen dürfte als die der Euro-Zone. Bei dem Handelseinbruch hatten auch Reisebeschränkungen und Auftragsverzögerungen wegen der Corona-Pandemie eine Rolle gespielt.

Im Februar fiel das Minus schon geringer aus als zu Jahresbeginn. Die Ausfuhren nach Großbritannien brachen gegenüber dem Vorjahresmonat um 12,2 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro ein. Die Importe stürzten um 26,9 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro ab. Wegen der Pandemie hatte außerdem auch der Handel mit anderen Ländern abgenommen. Laut Eurostat sanken die EU-Importe aus Drittstaaten im ersten Monat des Jahres um 16,9 Prozent, während die Exporte um 10,8 Prozent zurückgingen.

Quelle: ntv.de, chl/AFP/rts/dpa

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