Wirtschaft

"Das Land wird ärmer" Briten drohen höhere Steuern

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(Foto: imago/ZUMA Press)

Das Referendum über den Austritt aus der Europäischen Union kommt die Briten teuer zu stehen. Das kündigt zumindest Finanzminister Osborne an und stellt dem Land höhere Steuern und mehr Sparmaßnahmen in Aussicht.

Die britische Regierung hat den Bürgern eine erste Rechnung für das Brexit-Votum angekündigt. "Es ist ganz klar, dass das Land ärmer werden wird", sagte Finanzminister George Osborne der BBC. Steuererhöhungen und Kürzungen der staatlichen Leistungen seien unausweichlich.

Das Leben außerhalb der Europäischen Union werde wirtschaftlich nicht mehr so rosig sein wie als EU-Mitglied, ergänzte Osborn. Die Annahme, die Vorteile einer EU-Mitgliedschaft könnten bei einem Austritt einfach bewahrt werden, sei unrealistisch.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte in einer Regierungserklärung betont, die Briten könnten in den Verhandlungen zur Trennung nicht mit Sondervergünstigungen rechnen. Ein "Rosinenpicken" werde es nicht geben. "Wer aus dieser Familie austreten möchte, der kann nicht erwarten, dass damit alle Pflichten entfallen, die Privilegien aber weiterhin bestehen bleiben", sagte die Kanzlerin. Wer freien Zugang zum europäischen Binnenmarkt haben wolle, müsse im Gegenzug die europäischen Grundfreiheiten akzeptieren: die der Menschen, der Güter, der Dienstleistungen und des Kapitals.

Das richtete sich an die Wortführer der britischen Ausstiegs-Bewegung: Merkel stellte klar, dass Großbritannien sich nicht gegen EU-Bürger abschotten, gleichzeitig aber wirtschaftliche Vorteile des Binnenmarkts nutzen könne.

"Steuern auf ein Desaster zu"

Osborne kündigte Einsparungen an, allerdings ohne Details zu nennen. Die Haushaltskonsolidierung werde fortgeführt, sagte der Finanzminister. Das Defizit war von 10 auf 4,4 Prozent gesenkt worden. "Großbritannien hat ohnehin Haushaltsprobleme, die wurden bisher von den Niedrigzinsen überbügelt", sagte Stefan Kooths, Konjunkturexperte vom Kieler Institut für Weltwirtschaft.

Wirtschaftsminister Sajid Javid traf sich derweil mit Managern und Verbandsvertretern, um mit Blick auf die anstehenden Trennungsverhandlungen mit der EU herauszufinden, wie die Interessen der britischen Wirtschaft am besten gewahrt werden können. Auch Premierminister David Cameron will mit Vertretern der Geschäftswelt über die Folgen des Brexit sprechen.

Die sind in der Regel von dem Ausgang des Referendums wenig begeistert. Der Brexit werde das Land in eine Rezession stürzen und zum Verlust Tausender Arbeitsplätze führen, sagte der Gründer der Virgin-Gruppe, Richard Branson und ergänzte: "Wir steuern auf ein Desaster zu. Ich glaube nicht, dass die Bürger schon begriffen haben, was für einen Schlamassel ihr Votum auslösen wird." Seine Fluggesellschaft habe nach dem Referendum bereits einen "sehr großen" Deal abgesagt, der etwa 3000 Jobs geschaffen hätte. Sein Unternehmen habe zudem seit der überraschenden Brexit-Entscheidung etwa ein Drittel an Wert eingebüßt, sagte Branson.

Quelle: ntv.de, jga/rts