Wirtschaft

Um Kosten zu drücken Britische Banken wollen Büros dichtmachen

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Die Innenstadt Londons ist auf Pendler angewiesen.

(Foto: picture alliance / NurPhoto)

Ein Jahr Homeoffice hat große Finanzhäuser gelehrt: Auch zu Hause ist produktives Arbeiten möglich. Britische Banken wittern jetzt die Chance, Kosten zu drücken. Drei der größten Finanzhäuser wollen in den kommenden Jahren teure Büroflächen aufgeben. Dabei ist Londons Zentrum von Pendlern abhängig.

Seit der Corona-Pandemie arbeiten viele Banker von zu Hause. Viele Finanzhäuser wollen ihren Angestellten auch künftig Homeoffice anbieten. Drei der größten britischen Banken gehen jetzt sogar so weit und geben schon einen Teil ihrer teuren Büroflächen auf, um Miete einzusparen. Europas größte Bank HSBC will ihren weltweiten Immobilienbestand in den nächsten Jahren um 40 Prozent reduzieren, Lloyds bis 2023 um etwa 20 Prozent und Standard Chartered will Büroflächen in den nächsten drei bis vier Jahren um ein Drittel verkleinern, berichtet "CNN Money".

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"Die Pandemie hat die Verlagerung hin zu flexiblerem Arbeiten beschleunigt", heißt es in der Bilanz von HSBC. Nach einem Jahr haben sich viele Angestellte an die Arbeit von zu Hause trotz Doppelbelastung so gut es geht gewöhnt und anfängliche Probleme in der Kommunikation scheinen gelöst. "Wir haben gelernt, dass unsere Mitarbeiter von zu Hause aus genauso produktiv sein können wie im Büro", teilt die Bank mit. Ob HSBC seine Büros behält, will das Finanzhaus entscheiden, wenn die Mietverträge ausgelaufen sind. Bankfilialen oder das Stammbüro in London sind von den Kürzungen nicht betroffen.

"Hybrides Modell"

"Wir werden das Gebäude in Canary Wharf behalten. Es wird unser Hauptbüro sein, aber die Art der Arbeit im Büro wird sich ändern", sagt HSBC-Geschäftsführer Noel Quinn "CNN Money". Er erwarte, dass HSBC in den kommenden Jahren ein "hybrides Modell" des Arbeitens einführen wird. Standard Chartered, die wie HSBC ihren Hauptsitz in London hat, kündigte schon im vergangenen Jahr an, dass sie bis 2023 90 Prozent ihrer Mitarbeiter weltweit flexiblere Arbeitsmodelle anbieten will.

Auch wenn sich für manche das Modell in der Corona-Krise bewährt, sind einige Bankenmanager skeptisch, dass solche Konzepte von Dauer sind. David Solomon, Geschäftsführer von Goldmann Sachs, sieht das Arbeiten von zu Hause nur als eine "vorübergehende Sache" an. "Ich denke, für ein Unternehmen wie unseres, das eine innovative und gemeinschaftliche Arbeitskultur hat, ist das nicht ideal", sagt Solomon auf einer Branchenkonferenz. Und es sei auch keine neue Normalität. "Es ist eine Fehlentwicklung, die wir so schnell wie möglich korrigieren werden."

Laut "CNN Money" hat eine Verschiebung zu mehr Homeoffice eine große Auswirkung auf die wirtschaftliche Erholung in städtischen Zentren, die auf Pendler angewiesen sind. Londons Innenstadt und das Finanzviertel Central Wharf machten 2017 mehr als die Hälfte der Wirtschaftsleistung Londons und mehr als ein Zehntel des gesamten Vereinigten Königreichs aus. Nach Schätzungen von Ökonomen sind dem Zentrum von London durch die Heimarbeit und ausbleibende Pendler im Krisen-Jahr 2020 1,9 Milliarden Pfund entgangen.

Quelle: ntv.de, jki

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