Wirtschaft

Gewinn bricht ein HSBC wendet sich noch stärker nach Asien

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"Wir wollen uns auf die Gebiete fokussieren, in denen wir am stärksten sind", sagt HSBC-Chef Quinn. Gemeint ist Asien.

(Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Europas größte Bank hat ihre Wurzeln in Hongkong und will sich künftig deutlich stärker auf die Region konzentrieren. Dazu nimmt HSBC einen Milliardenbetrag in die Hand. Frankreich und den USA kehrt das Geldhaus den Rücken. Zudem wird die Dividenden-Politik umgestellt.

Europas größte Bank HSBC sucht nach einem Gewinneinbruch ihr Heil in Asien. Das britische Institut will das Geschäft mit reichen Kunden in China ausbauen, wie Bankchef Noel Quinn ankündigte. "Die Welt um uns herum hat sich 2020 massiv verändert. Wir passen unsere Strategie an die neuen Gegebenheiten an." Die Corona-Krise hinterließ im vergangenen Jahr tiefe Spuren in der Bilanz des Geldhauses, das seine Wurzeln in Hongkong hat und bereits heute den Großteil des Gewinns in Asien erwirtschaftet.

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"Wir wollen uns auf die Gebiete fokussieren, in denen wir am stärksten sind", sagte Quinn. Die Vermögensverwaltung in China und angrenzenden Regionen soll ausgebaut werden. Aus Europa und Nordamerika werden Investmentbanking-Jobs dorthin verlagert. Rund sechs Milliarden Dollar an Investitionen fließen in den nächsten fünf Jahren dort hin. Aus den USA und Frankreich will sich das Geldhaus dagegen zurückziehen.

Mit der neuen Strategie reagiert Quinn auf den anhaltenden Ertragsdruck durch die niedrigen Zinsen in Europa und den USA. Zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie hatten die Notenbanken die Leitzinsen nochmals deutlich gesenkt. Eine schnelle Änderung der Geldpolitik ist nicht in Sicht. In Asien ist die Corona-Pandemie weitgehend überstanden, während sich die europäischen Staaten für eine dritte Welle wappnen und die Volkswirtschaften leiden. Auch die Deutsche Bank will künftig mehr Geschäft in Asien machen und hofft auf mehr Erträge.

Rote Zahlen in Europa

Wie wichtig Asien für HSBC schon heute ist, zeigt ein Blick in die Bilanz des vergangenen Jahres. Die Bank erzielte dort einen Vorsteuergewinn von 12,8 Milliarden Dollar, während in Europa ein Verlust von 4,2 Milliarden Dollar anfiel. Insgesamt brach das Vorsteuerergebnis um ein Drittel auf 8,8 Milliarden Dollar ein. Die Erträge sanken um zehn Prozent auf 50,4 Milliarden Dollar. Die Risikovorsorge für faule Kredite stieg um 6 Milliarden auf 8,8 Milliarden Dollar, blieb damit aber am unteren Ende der prognostizierten Spanne.

Analysten hatten mit einem noch stärkeren Ergebnisrückgang gerechnet. Anleger waren aber verunsichert wegen der gedämpften Renditeerwartungen. Die an der Londoner Börse notierten HSBC-Aktien fielen.

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HSBC erwarte künftig statt einer Rendite von zehn bis zwölf Prozent eine Marge von zehn Prozent, sagte Finanzchef Ewen Stevenson. Um Kosten zu sparen, seien weitere Stellenstreichungen in Verwaltungsbereichen notwendig. 2020 baute das Geldhaus 11.000 Arbeitsplätze ab. Laut früheren Angaben sollen in den kommenden Jahren weltweit 35.000 Jobs der konzernweit 230.000 Stellen wegfallen. Anleger erhalten eine Dividende von 15 US-Cent je Aktie. Jedoch bekommen sie nicht mehr wie bislang eine vierteljährliche Dividende, sondern ab dem kommenden Jahr 40 bis 55 Prozent des Gewinns - deutlich weniger als bisher.

Um die Kosten zu drücken, will HSBC auch zahlreiche Büros aufgeben. Längerfristig sei etwa noch die Hälfte des heutigen Platzes notwendig, sagte Quinn. Mitarbeiter werden künftig mehr von zu Hause aus arbeiten, da sich das Modell in der Corona-Krise bewährt habe. Das Stammbüro im Londoner Geschäftsviertel Canary Wharf will HSBC behalten.

Quelle: ntv.de, jwu/rts

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