Wirtschaft

Rezession trifft Insel mit Wucht Britische Notenbank erwägt schärfere Waffen

47170129.jpg

Die britischen Währungshüter erwarten für dieses Jahr einen Rückgang der Wirtschaft um 14 Prozent - und eine Verdoppelung der Arbeitslosigkeit. Es wäre der tiefste Absturz seit Bestehen der Notenbank.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Bank of England stellt sich infolge der Corona-Pandemie auf die schlimmste Rezession in ihrer über 300-jährigen Geschichte ein. "Mit größerer Dringlichkeit" prüfen die Krisenhelfer deshalb jetzt auch ungewöhnliche Instrumente.

Die britische Notenbank prüft ihrem Chefvolkswirt Andy Haldane zufolge inzwischen nicht nur verstärkt Negativzinsen, sondern auch den Kauf riskanterer Wertpapiere. "Die Wirtschaft ist schwächer als vor einem Jahr", sagte Haldane dem "Telegraph". Laut der Zeitung schloss er beide Maßnahmen nicht aus: "Das ist etwas, das wir uns mit etwas größerer Dringlichkeit anschauen müssen, das wir uns anschauen", erklärte er. "Wie könnten wir es nicht tun?

Negativzinsen gelten in der Geldpolitik als unkonventionelles Instrument, um in Krisenzeiten die Kreditvergabe der Banken an die Wirtschaft anzuschieben. Zuletzt hatte sie US-Präsident Donald Trump auch für die USA gefordert.

In ihrer letzten Sitzung Anfang des Monats hatten die britischen Währungshüter um Gouverneur Andrew Bailey den historisch niedrigen Leitzins von 0,1 Prozent noch nicht angetastet. Auch das Ziel für ihre Ankäufe von Staats- und Unternehmensanleihen ließen sie unverändert. Die 1694 gegründete Bank of England stellte zu dem Zeitpunkt aber bereits in Aussicht, weitere Maßnahmen zu ergreifen, die in der tiefsten Rezession ihrer über 300-jährigen Geschichte erforderlich sein dürften.

"Die beispiellose Lage bedingt, dass der Ausblick für die britische und auch die Weltwirtschaft ungewöhnlich unsicher ist", warnten die Währungshüter.

Die Experten erwarten für dieses Jahr einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 14 Prozent. Nach Angaben des Notenbank-Chefs Bailey ist die Bank of England darauf eingestellt, dass die Wirtschaft nach einer Lockerung des Shutdowns nur schrittweise wieder auf die Beine kommt. Die konjunkturelle Erholung werde sich insgesamt aber schneller vollziehen als in den Nachwehen der Weltfinanzkrise vor mehr als zehn Jahren, gab Bailey sich zuversichtlich. Die wirtschaftliche Krise wird der Prognose der Notenbank zufolge auch massive Auswirkungen auf die Beschäftigten haben. Für das zweite Quartal 2020 rechnet die Bank mit einer Arbeitslosenquote von neun Prozent - das wäre eine Verdopplung.

Nach der Einschätzung des unabhängigen Expertengremiums Office for Budget Responsibility (OBR) dürfte Großbritannien das Schlimmste wohl hinter sich haben. Aber auch das OBR ist überzeugt, dass die Wirtschaft sich nur langsam von der Corona-Krise erholen wird. Es sei nicht zu erwarten, dass die Wirtschaft sich bis Jahresende so entwickeln werde, wie man das ohne Pandemie prognostiziert hätte, sagte OBR-Chef Robert Chote, dem britischen Sender BBC.

Quelle: ntv.de, ddi/rts