Wirtschaft

Investment wie fürs Lehrbuch Buffett findet doch noch echte Schnäppchen

Die japanischen Sogo Shosha erfüllen in jeder Hinsicht, was Warren Buffett als Investor von einem guten Deal erwartet. Mit dem Bekanntwerden seines Einstiegs ist die Chance auf ein Schnäppchen allerdings auch schon wieder vorbei.

Dass die "Value"-Strategie von Investorenlegende Warren Buffett so einfach ist, macht sie in der Praxis gleichzeitig so schwierig, selbst für den gerade 90 Jahre alt gewordenen Meister aus Omaha: Erstens will er nur in Branchen investieren, die er selbst versteht. Dann sollen die Unternehmen verlässlich Bares erwirtschaften und viel davon als Dividenden ausschütten. Gleichzeitig soll das Geschäftsmodell von einem "wirtschaftlichen Graben" umgeben sein, das heißt geschützt vor zu viel Wettbewerb. Und überteuert sollen die Anteile der Firmen natürlich auch nicht sein.

Dass solche Kaufgelegenheiten für Investoren in der Praxis kaum noch existieren, hat Buffett selbst offen eingestanden, und das bezeugen auch die gigantischen Barreserven seiner Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway. Die wuchsen in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 100 Milliarden Dollar - mangels buffettschen Ansprüchen genügenden Anlagemöglichkeiten. Mit einer für alle Beobachter überraschenden Investition in Japan hat er nun allerdings noch einmal gezeigt, warum er als Guru unter den Investoren gilt: Er ist in der Lage, die wenigen existierenden Gelegenheiten aufzuspüren, wo sie von allen anderen übersehen werden.

In den vergangenen Monaten kaufte Buffett Aktien der fünf größten Sogo Shosha, lange als angestaubt und wenig effizient geltenden japanischen Handelshäusern. Mit einem Wert von sechs Milliarden Dollar ist es insgesamt eine der größten Investitionen bislang in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt für Berkshire. Rund fünf Prozent der Anteile der fünf Unternehmen erwarb die Gesellschaft in einem ersten Schritt. Buffett erklärte, dass er die Beteiligungen langfristig halten wolle und möglicherweise auf bis zu knapp zehn Prozent ausbauen werde. "Ich freue mich sehr, dass Berkshire Hathaway ein Teil von Japans Zukunft wird", teilte Buffett mit.

Die Sogo Shosha erwirtschafteten in den vergangenen Jahren erkleckliche Renditen unter anderem mit dem Handel von Energie und Rohstoffen. Ein Geschäftsmodell, mit dem Buffett aus den USA vertraut ist. Sie halten - ähnlich wie Berkshire selbst - Beteiligungen an Unternehmen in Japan und der ganzen Welt. Jahrzehntelang dienten sie eher den strategischen Interessen ihrer Mehrheitseigner, den großen japanischen Industriekonzernen. Die Maximierung des eigenen Profits stand dagegen nicht im Vordergrund. Obwohl sich das mit der zunehmenden Entflechtung und Liberalisierung der japanischen Industrie in den vergangenen Jahren geändert hat, wurden die meisten von ihnen an der Börse für weniger als ihren Buchwert gehandelt, also ihre Vermögenswerte laut Bilanz.

Mit dem Einstieg von Buffett ist die Chance auf ein Schnäppchen für Anleger bei den Sogo Shosha nun auch passé. Nach Bekanntwerden der Berkshire-Investition schnellten die Aktienkurse der betreffenden Firmen innerhalb von Minuten um fünf Prozent nach oben.

Quelle: ntv.de