Wirtschaft

Karliczek: "Jahrhundertchance" Bund gibt 700 Millionen Euro für Wasserstoff

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Auch Thyssenkrupp will künftig verstärkt auf grünen Wasserstoff setzen - so lassen sich große Mengen CO2 in der Stahlproduktion einsparen.

(Foto: imago images/Rupert Oberhäuser)

Wie soll man Industrie und Verkehr klimaneutral machen ohne sie zu dezimieren? Die Lösung für das Problem ist grüner Wasserstoff, sind sich viele Politiker und Experten einig. Um die winzige heimische Produktion in Gang zu bringen, nimmt die Bundesregierung nun 700 Millionen Euro in die Hand.

Die Bundesregierung verstärkt ihre Bemühungen, die Produktion von klimaneutralem Wasserstoff in Deutschland voranzubringen. So fördert sie drei Leitprojekte mit 700 Millionen Euro. Beteiligt seien mehr als 230 Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft aus allen 16 Bundesländern, sagte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek in Berlin. Die geförderten Projekte umfassen die Herstellung von Elektrolyseuren, die direkte Erzeugung von Wasserstoff auf Hoher See sowie dessen sicheren Transport.

Elektrolyseure sind Maschinen, mit denen sich Wasserstoff aus Wasser gewinnen lässt ("Elektrolyse"). Kommt der dafür benötigte Strom aus erneuerbaren Quellen, ist der Wasserstoff CO2-frei und damit "grün" und klimaneutral. Dieser Wasserstoff kann beispielsweise in Stahlwerken die Kohle ersetzen. Außerdem lassen sich mit ihm mittels Brennstoffzelle Elektromotoren betreiben. So könnte grüner Wasserstoff der Industrie eine saubere Produktion ermöglichen und künftig Flugzeuge, Züge und Schiffe antreiben, für die ein batterieelektrischer Antrieb zu schwer und zu groß wäre. Wasserstoff kommt daher auch eine Schlüsselrolle beim Erreichen der Klimaziele der EU zu. In einer Zeitschrift des Wirtschaftsministeriums wird er als "schillernder Star der Energiewende" bezeichnet.

Das nun vom Forschungsministerium bewilligte Geld stammt aus dem Konjunkturpaket und soll bis 2025 ausgezahlt werden. Laut Karliczek handelt es sich um einen der höchsten Förderbeträge, die ihr Ministerium für eine themenbezogene Forschungsinitiative in den vergangenen Jahren bereitgestellt habe. Die Wasserstoff-Entwicklung biete eine "Jahrhundertchance" für Deutschland, so die CDU-Politikerin. Dies sei "ein echtes Signal" an Investoren und Innovatoren. "Wir wollen Deutschland zum Leitmarkt und zum globalen Leitanbieter für Wasserstofftechnologien machen."

Wasserstoff als Energiespeicher

55 Prozent der Mittelempfänger, die sich in einem Ideenwettbewerb des Bundesforschungsministeriums durchgesetzt haben, kommen demnach aus der Wirtschaft. Darunter sind auch viele Startups. Das größte nun geförderte Projekt ist "H2Giga" unter Beteiligung von Thyssenkrupp. Ziel ist es, mit Hilfe von Ökostrom grünen Wasserstoff herzustellen. Die Bundesregierung strebt in ihrer Nationalen Wasserstoffstrategie an, bis 2030 Erzeugungsanlagen von bis zu fünf Gigawatt zu errichten, weitere fünf Gigawatt sollen in den fünf bis zehn Jahren danach entstehen.

Das Projekt "H2Mare" soll "weltweit erstmalig" eine Integration von grüner Stromerzeugung und Wasserstoffproduktion in einer einzigen Offshore-Anlage ermöglichen, betonte Karliczek. Beteiligt an H2Mare ist der Energietechnikkonzern Siemens Energy und der Windturbinenhersteller Siemens Gamesa, wie Firmenchef Christian Bruch sagte. Die Testanlage soll 2026 stehen. Der Wasserstoff würde dann als Energiespeicher fungieren. Hintergrund ist, dass Windränder mitunter stillstehen, weil gerade keine Energie benötigt wird. In solchen Phasen könnten diese sich dennoch drehen und die entstehende Energie direkt in die Wasserstoffproduktion leiten. So würde zumindest im Ansatz das Speicherproblem der erneuerbaren Energien gelindert.

Das dritte geförderte Projekt "TransHyde" soll schließlich die Transportinfrastruktur in den Blick nehmen - sowohl für den Import von Wasserstoff aus dem Ausland als auch für den inländischen Transport.

Quelle: ntv.de, vpe/DJ

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