Wirtschaft

Rezession im Winter befürchtet Bundesbank erwartet zehn Prozent Inflation

Die Lebensmittelpreise könnten noch weiter in die Höhe schießen.

Die Lebensmittelpreise könnten noch weiter in die Höhe schießen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Durch den Ukraine-Krieg sind die Preise in Deutschland schon jetzt deutlich höher als zuvor. Die Bundesbank geht davon aus, dass die Teuerungsraten im Winter noch weiter steigen. Für eine Rückkehr zur Schuldenbremse sieht sie trotz Krise gute Gründe.

Die Bundesbank rechnet nach einer Stagnation im Sommer mit einer Rezession im Winter. Demnach dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland wegen der anhaltenden Energiekrise Ende 2022/Anfang 2023 schrumpfen, heißt es im Monatsbericht der Notenbank. "Die Wahrscheinlichkeit, dass das BIP im kommenden Winterhalbjahr zurückgeht, hat sich aufgrund der ungünstigen Entwicklungen am Gasmarkt deutlich erhöht." Mit Auslaufen der Entlastungsschritte der Regierung erwartet die Bundesbank - nach europäischer Messung (HVPI) - im Herbst Inflationsraten von rund zehn Prozent. Im Juli hatte sie nach dieser Rechnung 8,5 Prozent betragen.

"Zweistellige Inflationsraten wurden in Deutschland das letzte Mal vor über siebzig Jahren gemessen", sagte Bundesbank-Präsident Joachim Nagel jüngst in einem Interview. Auch im kommenden Jahr könne die Teuerung stärker sein als bisher gedacht, etwa wegen anhaltender Lieferengpässe und geopolitischer Spannungen. "Die Wahrscheinlichkeit wächst, dass die Inflation höher ausfällt, als bislang prognostiziert und wir im nächsten Jahr im Schnitt eine Sechs vor dem Komma haben", sagte er der "Rheinischen Post".

Die Schätzungen der Bundesbank gehen bislang für 2023 von 4,5 Prozent aus. Der anhaltende Kaufkraftverlust wegen der hohen Inflation werde in den anstehenden Lohnverhandlungen voraussichtlich an Bedeutung gewinnen, erklärte die Bundesbank in ihrem Monatsbericht. "Auch aufgrund der zunehmenden Arbeitsmarktknappheiten zeichnet sich ein höherer Lohndruck als im zweiten Quartal ab." Anfang 2022 war die Wirtschaft noch um 0,8 Prozent gewachsen und erreichte fast wieder das Vor-Corona-Niveau, stagnierte dann aber im Frühjahr.

Bundesbank für Rückkehr zur Schuldenbremse

Der Wegfall der meisten Corona-Schutzmaßnahmen habe das Geschäft der Dienstleister und damit den privaten Konsum angekurbelt, schrieben die Bundesbank-Fachleute. Zugleich hätten jedoch die hohen Preise Firmen und Verbraucher verunsichert, während die Industrie mit einer schwächeren Nachfrage und spürbaren Lieferengpässen kämpfe. Unterm Strich dürfte die Wirtschaftskraft auch im laufenden Sommer-Quartal "erneut in etwa auf der Stelle treten".

Nagel forderte weitere Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) für die Sitzung am 8. September, nannte aber keine Zahl. Die EZB hat die Zinswende im Juli mit einer überraschend kräftigen Anhebung um einen halben Punkt auf 0,50 Prozent eingeleitet. Es war die erste Erhöhung des geldpolitischen Schlüsselsatzes seit elf Jahren.

Trotz Krise sieht die Bundesbank gute Gründe, im kommenden Jahr die Schuldenbremse in Deutschland wieder einzuhalten. "Dies führt im Übrigen nicht zu einer fiskalischen Vollbremsung, die die Wirtschaftsentwicklung abwürgt", heißt es in dem Monatsbericht der deutschen Zentralbank. Zur Begründung führt sie an, dass das Defizit quasi automatisch sinke, weil nicht mehr benötigte Corona-Stützungsmaßnahmen entfielen. Zudem gebe es erhebliche Defizitspielräume durch Rücklagen und bei Sondervermögen. "Vertrauen in solide Staatsfinanzen ist wichtig, unter anderem damit der Staat in Krisen stabilisieren kann. Fiskalregeln können solide Staatsfinanzen absichern und so Vertrauen schaffen", erklärten die Bundesbank-Volkswirte.

Quelle: ntv.de, can/rts

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