Wirtschaft

Anfällig bei Überraschungen Bundesbank warnt vor Sorglosigkeit

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(Foto: picture alliance / Sebastian Gol)

Die Wirtschaft wächst und die Zinsen sind niedrig: Inzwischen hält sich der Aufschwung schon einige Jahre. Doch das ist nach Ansicht der Bundesbank nicht ohne Gefahren. Sorgen bereiten auch die Banken.

Die Bundesbank warnt vor Sorglosigkeit angesichts der boomenden Konjunktur. Es bestehe die Gefahr, dass Risiken für die Finanzstabilität unterschätzt würden, schreibt die Notenbank in ihrem "Finanzstabilitätsbericht 2017". Weil der Aufschwung schon seit Jahren andauere und die Zinsen anhaltend niedrig seien, könnten die Wirtschaftsakteure zunehmend davon ausgehen, dass sich die positive Entwicklung nahtlos in die Zukunft fortschreiben lasse. "In diesem vorteilhaften Umfeld sind die Marktteilnehmer anfällig gegenüber unerwarteten Entwicklungen", erklärte Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch. "Risiken aus Neubewertung, Zinsänderungen und Kreditausfällen können gleichzeitig eintreten und sich gegenseitig verstärken."

Zudem treibt die Bundesbank-Experten die Sorge um, dass die Widerstandsfähigkeit etwa von Banken gegen mögliche Schocks überschätzt werden könnte - auch wenn die Institute seit der letzten Finanzkrise 2007/2008 deutlich dickere Kapitalpolster haben. Die Risikovorsorge etwa für mögliche Kreditausfälle sei derzeit auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Gerade kleinere und mittlere Banken könnten Probleme bekommen, sollte sich das derzeit extrem niedrige Zinsniveau zu rasch ändern. "Die Banken müssen sich vor allem für den Fall eines Zinsanstiegs rechtzeitig wappnen", sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Andreas Dombret. Steigende Zinsen würden die Stabilität des Finanzsystems mittelfristig stärken, ein unerwarteter und rascher Anstieg könnte es jedoch empfindlich treffen, fügte er hinzu.

Am deutschen Immobilienmarkt sieht die Bundesbank trotz teils kräftig gestiegener Preise noch keine gefährlichen Übertreibungen. Es gebe nach wie vor keine Anzeichen für eine kreditgetriebene Preisblase bei Häusern und Wohnungen - auch wenn die Preise insbesondere in Städten teils um 15 bis 30 Prozent über einem angemessenen Niveau lägen.

"Im dritten Quartal 2017 betrug das Wohnungsbaukreditwachstum 3,9 Prozent im Vorjahresvergleich, im Jahr 2016 lag es bei 3,7 Prozent. Dies ist nur etwas mehr als die Wachstumsrate des nominalen Bruttoinlandsprodukts von 3,3 Prozent", konstatierte die Bundesbank. Sie verwies zudem darauf, dass diese Rate seit den 1980er-Jahren im Durchschnitt bei 4,8 Prozent gelegen habe. Außerdem sei die Verschuldung der Haushalte, gemessen an den verfügbaren Einkommen, leicht zurückgegangen.

Die deutsche Wirtschaft wächst seit nunmehr acht Jahren, die Kapazitätsauslastung ist überdurchschnittlich, die Inflation allerdings gedämpft. Deutsche Aktien werden hoch bewertet, und die Ankaufprogramme der Europäischen Zentralbank (EZB), die für Deutschland die Bundesbank ausführt, haben zu einer extrem hohen Bewertung von Staatsanleihen geführt. Die EZB hat eine Fortführung der Ankäufe ab 2018 zu einem geringeren Volumen beschlossen, wird ihre Zinsen aber auf absehbare Zeit nicht anheben.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa/DJ