Wirtschaft

Kriegsgeschäfte mit Gazprom? Bundesregierung spricht mit Wintershall Dea

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Aktivisten demonstrieren am 25. Oktober vor der Berliner Zentrale von Wintershall Dea.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wintershall Dea verdient wegen hoher Rohstoffpreise seit dem Angriff auf die Ukraine prächtig. Berichte, dass in Russland produziertes Gas-Kondensat womöglich zu Kriegszwecken verwendet werde, weist das Unternehmen zurück. Nun interveniert die Bundesregierung.

Die Bundesregierung ist über das vom Öl- und Gaskonzern Wintershall Dea in Russland produzierte Gas-Kondensat im Gespräch. Einzelheiten dazu wollte eine Regierungssprecherin auf der Regierungspressekonferenz nicht nennen. Deutschland stehe an der Seite der Ukraine, sagte sie. Wintershall Dea hatte sich am Freitag gegen den Eindruck verwahrt, mit dem in einem Joint Venture mit Gazprom produzierten Kondensat womöglich die russischen Kriegsmaschinerie zu unterstützen.

Das Magazin "Spiegel" und das ZDF hatten berichtet, dass das Kondensat auch in Flugbenzin weiter verarbeitet werden könne. Einem Militärexperten zufolge könne der Stoff militärisch genutzt werden. "Wir weisen die vom Spiegel suggerierte Verbindung zwischen dem in Russland von den Joint Ventures geförderten Gaskondensat und dem leidvollen Tod von Menschen in der Ukraine als konstruiert und unredlich zurück", hatte Wintershall-Dea-Chef Mario Mehren gesagt. Das Unternehmen behalte sich auch juristische Schritte vor. "Soweit der Eindruck erweckt wird, das Kondensat aus der Achimov-Formation, an dessen Produktion Wintershall Dea über Joint Venture beteiligt ist, werde für den Angriffskrieg direkt oder nachvollziehbar indirekt genutzt, ist dies unredlich und nicht haltbar", betonte Mehren.

Die beiden Joint Ventures Achimgaz und Achim Development würden vor Ort Erdgas und als Beiprodukt mitgefördertes Gaskondensat direkt an Gazprom übergeben, erklärte der Konzern. "Wintershall Dea kann hierauf keinerlei Einfluss nehmen." Die weitere Aufbereitung erfolge in zwei Anlagen in der Region Nowy Urengoi, die von einer Tochtergesellschaft Gazproms betrieben würden. Die Joint Ventures von Wintershall Dea unterhielten mit dieser Gesellschaft keine Vertragsbeziehung. Bei der Gasproduktion des dritten Joint Ventures, der Severneftegazprom, falle kein Gaskondensat an.

Gewinnsprung im dritten Quartal

Zuletzt war der Öl- und Gaskonzern Ende Oktober auf Distanz zu seinen Geschäften in Russland gegangen. "In das Russlandgeschäft haben wir in den vergangenen Jahrzehnten viel investiert und Vermögenswerte aufgebaut. Wir prüfen nun, ob das internationale Geschäft der Wintershall Dea rechtlich von unserem Russlandgeschäft getrennt werden kann", sagte Konzernchef Mario Mehren anlässlich der Ergebnisse des dritten Quartals. Dies bescherte dem Unternehmen dank der gestiegenen Öl- und Gaspreise einen Gewinnsprung.

Der Konzern hatte nach Kriegsbeginn angekündigt, in Russland in keine neuen Projekte zu investieren. "Russlands Krieg und seine Folgen entziehen den Wirtschaftsbeziehungen die Basis", erklärte das Unternehmen. Russland sei in jeder Hinsicht unberechenbar geworden. Im Juli hatte Wintershall Dea jedoch angekündigt, seine Gemeinschaftsunternehmen in Russland mit dem russischen Gaskonzern Gazprom fortzusetzen.

Quelle: ntv.de, mau/rts

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