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Ermittlungen zu "Panama Papers" Bundesweite Razzia bei deutschen Banken

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(Foto: picture alliance/dpa)

Steuerfahnder durchsuchen in einer bundesweiten Aktion mehrere Wohnungen und Geschäftsräume von insgesamt elf Banken. Im Fokus der Ermittler steht eine Gruppe reicher Privatpersonen, die mithilfe einer Briefkastenfirma Steuern hinterzogen haben soll.

Wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung haben Ermittler am Morgen eine bundesweite Razzia gestartet. Wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main mitteilte, suchten die Beamten wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung nach Hinweisen auf versteckte Vermögen, die die Verdächtigen mithilfe einer ehemaligen Tochtergesellschaft "einer deutschen Großbank" angelegt haben sollen. Bei den Beschuldigten handle es sich um "vermögende Privatpersonen".

Die Ermittler durchsuchten Wohnräume von acht Privatleuten in Bad Tölz, Erkrath, Hamburg, Konz, Simmerath und auf Sylt. Ferner waren die Geschäftsräume von elf Banken und Sparkassen in Aachen, Bonn, Düsseldorf, Erding, Frankfurt am Main, Köln und Trier im Fokus der Ermittler. Außerdem betroffen waren die Geschäftsräume von vier Steuerberatern in Aachen, Hamburg, Hürth und München, sowie von sechs Vermögensverwaltern in Hamburg. Durchsucht wurden auch Geschäftsräume von sechs Vermögensverwaltungsgesellschaften in Hamburg.

"Von der Durchsuchung der Geschäftsräume von 14 Banken und Sparkassen in Aachen, Bonn, Düsseldorf, Erding, Frankfurt am Main, Köln und Trier, sowie von vier Steuerberatern in Aachen, Hamburg, Hürth und München konnte abgesehen werden, nachdem diese die geforderten Beweismittel freiwillig herausgegeben haben", teilte die Staatsanwaltschaft am Abend nach Abschluss der Aktion mit.

Die Ermittler machten keine Angaben dazu, welche Geldhäuser durchsucht wurden. Beteiligt waren auch Beamte des Bundeskriminalamts (BKA), des Landeskriminalamtes Hamburg, der Oberfinanzdirektion Frankfurt und verschiedener Finanzämter.

Ermittler sehen orchestriertes Geflecht

Die Beschuldigten sollen durch ein von der Tochtergesellschaft auf den Britischen Jungferninseln orchestriertes Geflecht an Offshore-Gesellschaften versucht haben, Kapitalerträge vor dem deutschen Fiskus zu verstecken. Die Ermittler waren nach eigenen Angaben erst durch eine Razzia im vergangenen November auf die Verdächtigen aufmerksam geworden. Damals waren Geschäftsräume der Deutschen Bank durchsucht worden.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte dazu, die Durchsuchungen seien der "normale Fortgang der Ermittlungen", die seit 2018 andauern: "Heute sind die Kunden der Banken im Visier". Die Banken und Steuerberater seien in diesem Fall "Zeugen".

Die Deutsche Bank wiederum betonte: "Die Ermittlungsverfahren richten sich nicht gegen die Deutsche Bank." Die Bank kooperiere mit der Staatsanwaltschaft und gebe alle angeforderten Unterlagen "freiwillig" heraus. "Eine Durchsuchung der Geschäftsräume der Bank hat deshalb nicht stattgefunden."

Im Frühjahr 2016 hatte ein internationales Medien-Netzwerk mit den "Panama Papers" Finanzströme in der mittelamerikanischen Steueroase enthüllt. Dadurch waren weltweit Politiker, Geschäftsleute und Prominente unter Druck geraten. Der internationalen Medien zugespielte Datenberg zeigte große Geldströme nach Panama, wo Tausende Briefkastenfirmen angesiedelt sind. Ob es sich dabei auch um strafbare Geschäfte handelt, hatten weltweit Staatsanwälte geprüft.

Quelle: n-tv.de, jpe/dpa/rts/AFP

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