Wirtschaft

Nachfolger von Dijsselbloem Centeno wird neuer Eurogruppen-Chef

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Mário Centeno leitet ab dem 13. Januar die Sitzungen der Eurogruppen.

(Foto: AP)

Der portugiesische Finanzminister Mário Centeno leitet künftig die Eurogruppe. Bei der Wahl setzt sich der Sozialist durch - und tritt im Januar die Nachfolge von Jeroen Dijsselbloem an. Medienberichten zufolge ist Centeno auch der deutsche Wunschkandidat.

Der portugiesische Finanzminister Mário Centeno wird neuer Vorsitzender der Eurogruppe. Die Finanzminister der Währungsunion wählten den 50-jährigen zum Nachfolger von Amtsinhaber Jeroen Dijsselbloem aus den Niederlanden, wie der Rat der Mitgliedstaaten mitteilte. Centeno leitet damit ab dem 13. Januar die monatlichen Sitzungen der Eurogruppe.

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Finanzminister Peter Altmaier (2.v.r.) ließ sich im Vorhinein nicht auf einen Namen festnageln.

(Foto: dpa)

Centeno hatte vor seiner Wahl erklärt, er wolle über Parteigrenzen hinweg einen Konsens erzielen. Als Kandidat Südeuropas wollte er sich nicht sehen. Europa mit seiner großen Gesellschaft und dem größten Binnenmarkt der Welt müsse seine "Stärken zeigen" und seine Institutionen vervollständigen - "gleich, ob man aus dem Süden, dem Norden, dem Osten oder dem Westen kommt".

Vier Finanzminister hatten sich für den prestigeträchtigen Spitzenposten beworben - neben Centeno auch der Slowake Peter Kazimir, der Luxemburger Pierre Gramegna und die Lettin Dana Reizniece-Ozola. Abgestimmt wurde in geheimer Wahl. Nötig war die Unterstützung durch mindestens zehn der 19 Euro-Staaten für einen Kandidaten.

Altmaier hielt Favoriten geheim

Bundesfinanzminister Peter Altmaier hatte sich vor der Wahl öffentlich nicht auf einen Bewerber festlegen wollen. Da kein konservativer Bewerber antrete, wolle Deutschland seinen Betrag dazu leisten, dass der neue Eurogruppen-Chef mit breiter Akzeptanz unter den 19 Staaten der Währungsunion gewählt werde, so Altmaier. Alle vier Kandidaten seien qualifizierte Bewerber. Zuvor hatten die "Stuttgarter Zeitung" berichtet, dass sich Altmaier und Vizekanzler Sigmar Gabriel auf Centeno verständigt hätten.

Auch der amtierende Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem schien schon vor der Wahl zu wissen, wer sein Nachfolger wird. "Ich bin bis zum 12. Januar Vorsitzender und Mario Centeno dann ab 13. Januar", sagte Dijsselbloem - und stutzte dann. "Habe ich Mario Centeno gesagt? Denn das weiß ich natürlich überhaupt nicht", ergänzte er. Etwa vier Stunden später war Centeno gewählt.

Bettel warnte vor politischem Kalkül

Luxemburgs Regierungschef Xavier Bettel hatte die beiden großen europäischen Parteifamilien, die konservative Europäische Volkspartei (EVP) und die Sozialdemokraten, im Vorhinein vor Absprachen gewarnt. Es dürfe "kein politisches Kalkül zwischen EVP und Genossen" geben, sagte er. Die EU habe derzeit sieben liberale Regierungschefs, die Liberalen aber "bis heute keinen Top-Job".

In der Eurogruppe kommen monatlich die Finanzminister der 19 EU-Länder mit der Gemeinschaftswährung zusammen. Hauptaufgabe ist eine enge Koordinierung der Wirtschaftspolitik. In der Finanz- und Schuldenkrise wurde die Eurogruppe zentrale Schaltstelle für die Ausarbeitung von Rettungsprogrammen für vom Staatsbankrott bedrohte Länder wie Griechenland.

Quelle: n-tv.de, jug/dpa/AFP

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