Wirtschaft

Handelskrieg belastet Konjunktur China kauft weniger ein

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Am Mittwoch wollen die USA und China ein neues Handelsabkommen unterzeichnen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Zollstreit mit den USA geht auch an Chinas Außenhandel nicht spurlos vorbei. Im vergangenen Jahr gehen die Importe der Volksrepublik merkbar zurück. Die Dezember-Zahlen geben allerdings Anlass zur Hoffnung.

Nach Jahren starker Anstiegsraten hat der Handelskrieg der USA mit China das chinesische Außenhandelswachstum im vergangenen Jahr gestoppt. Der gesamte, in US-Dollar berechnete Außenhandel fiel im Vergleich zum Vorjahr sogar um ein Prozent, wie der Zoll in Peking berichtete. Die Exporte legten nur leicht um 0,5 Prozent zu, verglichen mit einem Wachstum um fast 10 Prozent im Jahr 2018. Hingegen fielen die Importe um 2,8 Prozent, nach einem Anstieg von 16 Prozent im Jahr zuvor. Der Rückgang im Handel mit den USA war mit 14,6 Prozent besonders drastisch: Chinas Importe aus den USA brachen sogar um ein Fünftel ein. Auch gingen die chinesischen Exporte in die USA um 12,5 Prozent zurück.

Im Dezember verbesserte sich Chinas Außenhandel allerdings dank der Entspannung im Handelskonflikt und der jüngsten Bemühungen Pekings, das Wirtschaftswachstum im Inland anzukurbeln. Die Exporte legten im letzten Monat des Jahres um 7,6 Prozent zu und damit stärker als vom "Wall Street Journal" befragte Ökonomen erwartet hatten.

Im November waren die Exporte noch um 1,1 Prozent gesunken. Chinas Importe stiegen im Dezember im Jahresvergleich um 16,3 Prozent, nach einem Plus von 0,3 Prozent im November, wie die Daten der Zollbehörde zeigen. Ökonomen hatten hier 9,0 Prozent prognostiziert.

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Die Daten wurden kurz vor der Unterzeichnung eines inhaltlich begrenzten Handelsabkommens zwischen den USA und China veröffentlicht, welches für Mittwoch geplant ist. An der Zeremonie im Weißen Haus sollten unter anderen US-Präsident Donald Trump und ranghohe Vertreter aus Peking teilnehmen. Mit dem Abkommen werden sich beide Länder dem Vernehmen nach auch verpflichten, auf gezielte Währungsabwertungen zur Erreichung von Wettbewerbsvorteilen zu verzichten. Zudem beinhaltet das Abkommen chinesische Zusagen zum Kauf amerikanischer Waren.

"Zölle haben Chinas Exporte getroffen"

Im Gegenzug verzichteten die USA bereits im Dezember auf die Verhängung angedrohter neuer Strafzölle auf Konsumgüter im Wert von 150 Milliarden US-Dollar. Die bereits seit 2018 verhängten Sonderabgaben von 25 Prozent auf Waren im Wert von 250 Milliarden Dollar sollen allerdings bestehen bleiben. Weitere Zölle in Höhe von 15 Prozent auf chinesische Waren im Wert von 120 Milliarden US-Dollar sollen gleichwohl halbiert werden. Trump sieht die bestehenden Strafzölle als Trümpfe für die Verhandlungen über ein Abkommen für die zweite Phase. Aus seiner Sicht könnte es aber erst nach der Wahl im November zu einem neuen Deal kommen.

Der Handelskrieg lastet schwer auf Chinas Wirtschaft. "Die von den USA bereits erhobenen Zölle haben Chinas Exporte getroffen", sagte der Wirtschaftsexperte Max Zenglein vom China-Institut Merics in Berlin. "Weil die USA einer der wichtigsten Absatzmärkte für das Land sind, drückt dies auch zunehmend den Gesamtexport." Der Rückgang der Importe lasse sich vor allem durch das langsamere Wachstum in China erklären, das in diesem Jahr etwas mehr als sechs Prozent erreichen dürfte. "Dadurch wurden sowohl von Seiten der Industrie als auch von Seiten der Konsumenten weniger ausländische Erzeugnisse nachgefragt." Hinzu komme, dass der schwächere Wechselkurs des Yuan gegenüber dem US-Dollar über weite Strecken 2019 ausländische Waren verteuert und die Nachfrage gebremst habe. 

Auch wenn der Außenhandel für Chinas Wirtschaft im Vergleich zu früher nicht mehr ganz so wichtig ist, "ist der Export für Teile der herstellenden Industrie von großer Bedeutung", hob Zenglein hervor. Ein Einbruch des Außenhandels könnte das Wirtschaftswachstum "stärker und schneller verlangsamen, als es der Regierung lieb ist". Auch könnte es in exportabhängigen Regionen zu steigender Arbeitslosigkeit führen. "Damit steigt der Druck auf die Regierung", sagte Zenglein. Die Regierung versuche, Unternehmen mit Hilfe von Steuererleichterungen und Kürzungen von Sozialabgaben zu unterstützen. Darüber hinaus versucht Peking, den Handel mit den südostasiatischen Staaten zu stärken.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa/DJ