Wirtschaft

Experte vermutet Preiseffekt China meldet deutliches Handelswachstum

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Chinas Importeure kauften etwa weniger Halbleiter und wenig unverarbeiteten Kupfer.

(Foto: picture alliance / Yu Fangping / Costfoto)

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt meldet für Mai starke Zuwachsraten bei Ein- und Ausfuhren. Einer der Gründe ist die wieder anspringende Weltwirtschaft. Allerdings zeigen die Daten nicht, ob Chinas Firmen wirklich mehr eingekauft haben oder nur mehr bezahlen mussten. Ein Ökonom vermutet genau dies.

Chinas Einfuhren haben im Mai auch wegen steigender Preise so stark zugelegt wie zuletzt vor zehn Jahren. Die Importe kletterten im Jahresvergleich wie von Fachleuten weitgehend erwartet um mehr als die Hälfte, wie aus Daten der Zollbehörde hervorgeht. Im April hatte das Plus mehr als 40 Prozent betragen. Die Ausfuhren blieben trotz eines kräftigen Anstiegs um rund 28 Prozent hinter den Erwartungen.

Die Ausfuhren hätten zwar von der stärkeren Nachfrage in Industrieländern profitiert, erklärten Ökonomen. Allerdings kämpften die Exporteure mit höheren Rohstoff- und Frachtkosten, logistischen Engpässen und einem stärkeren Yuan. Chinas Handelsüberschuss kletterte im Mai zwar auf 45,5 Milliarden Dollar, nach 42,9 Milliarden Euro im April. Analysten hatten allerdings 50 Milliarden Dollar prognostiziert.

Deutschland ist wichtigster Handelspartner

Deutlich profitierte auch Deutschland von der kräftigen Erholung in China, seinem wichtigsten Handelspartner. Nach Angaben der Pekinger Zollverwaltung stiegen die Importe aus Deutschland im Mai um 47 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. China lieferte umgekehrt 6,7 Prozent mehr Waren nach Deutschland.

Aus der gesamten EU importierte China 57,7 Prozent mehr als im Mai des Vorjahres. Die Exporte in die Staaten der EU stiegen um 12,6 Prozent. Trotz des Handelskriegs mit den USA legte auch der Außenhandel mit den Vereinigten Staaten zu. Chinas Exporte stiegen um 20,6 Prozent, während die Einfuhren um 40,5 Prozent zulegten.

Anstieg nur durch höhere Preise

China-Experte Julian Evans-Pritchard von Capital Economics sagte, dass die Einfuhrpreise für Chinas Importeure im Mai rasant gestiegen, die Importvolumina aber wahrscheinlich gesunken seien. "Wieder einmal sind Angebotsbeschränkungen teilweise schuld - die Einfuhren von Halbleitern gingen weiter zurück", sagte er. "Das gilt auch für die Importe von Industriemetallen."

Die Commerzbank-Analysten verwiesen auf schwache Importe von unverarbeitetem Kupfer. "Hier machen sich offensichtlich die rekordhohen Preise bemerkbar, die die chinesischen Händler von übermäßigen Käufen abhalten", erläuterte Commerzbank-Experte Daniel Briesemann. "Wir gehen davon aus, dass die Importdynamik von Kupfer und Eisenerz in den nächsten Monaten weiter nachlässt, da die Preise noch auf hohen Niveaus notieren und im Sommer die Bauaktivitäten wegen des heißen Wetters reduziert werden."

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China, das die Corona-Krise schon lange überwunden hat, war mit einem Rekordwachstum ins neue Jahr gestartet: Die Wirtschaft wuchs in den ersten drei Monaten um 18,3 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres. Es war der größte Sprung seit Beginn der quartalsweisen Auswertung vor gut 30 Jahren.

Die Regierung in Peking verfolgt eine "Null-Covid-Strategie". Mit Ausgangssperren, Massentests, Kontaktverfolgung, Quarantäne und strengen Einreisebeschränkungen hat das Land das Coronavirus weitgehend im Griff. Es gab seit dem vergangenen Sommer nur noch wenige, kleinere Ausbrüche, so dass sich die Wirtschaft und das Alltagsleben normalisieren konnten.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/dpa

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