Wirtschaft

Revanche aus Fernost China spuckt in europäischen Wein

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"Ätsch Bätsch!" - China will sich mit Strafzöllen auf EU-Weine revanchieren.

(Foto: REUTERS)

Mögliche Strafzölle nun auch auf Chianti, Riesling und Co.. Das ist zumindest die Antwort aus dem Reich der Mitte auf die frisch verhängten EU-Zölle gegen chinesische Solarprodukte. Das Machtgerangel um Dumping-Einfuhren und Strafzölle könnte in einem waschechten Handelskrieg enden.

Das Pingpong-Spiel zwischen der Europäischen Union (EU) und China hat begonnen. Die EU-Kommission legt vor und verhängt Strafzölle von durchschnittlich 11,8 Prozent auf chinesische Solarmodule. Das trifft Einfuhren mit einem Marktwert von rund 21 Mrd. Euro pro Jahr. Bereits in zwei Monaten sollen die Strafzölle dann sogar auf 47,6 Prozent erhöht werden. In der Zwischenzeit soll neu verhandelt werden. Doch von einem Dialog ist man derzeit noch weit entfernt, wie Chinas prompte Reaktion beweist.

Die Volksrepublik macht keinen Hehl aus ihrem Ärger - sie kritisiert die Strafzölle aufs Schärfste - und hat nun Dumping-Ermittlungen gegen Weinimporte aus der EU eingeleitet. Die Regierung untersucht unzulässige Staatssubventionen beim Weinanbau innerhalb der EU-Staaten. Die EU zeigt sich davon unbeeindruckt und prüft unterdessen Ermittlungen gegen chinesische Netzwerksausrüster und Telekommunikationsunternehmen.

Ring frei zum offenen Schlagabtausch

Der Machtkampf geht damit in die nächste Runde: M ehrere Verfahren gegen Dumping beim Import legierter Stahlrohre und spezieller Chemieprodukte laufen schon. Die Zeichen deuten auf eine akute Ansteckungsgefahr für sämtliche Handelsbereiche hin, denn China droht seinerseits den Konflikt auszuweiten.

"Eine schnelle Lösung muss her", fordert Wirtschaftsminister Philipp Rösler. "Es gäbe nach wie vor die Chance, sich in Verhandlungen über faire Rahmenbedingungen für die Solarwirtschaft zu verständigen." Wie wichtig frühzeitige Deeskalationsgespräche sind, zeigt aktuell Chinas Trotzreaktion.

Deutschland fürchtet nicht ohne Grund eine Zuspitzung der Handelsstreitigkeiten. China ist Deutschland drittwich tigster Handelspartner weltweit. Im vergangenen Jahr betrug der Warenverkehr mit dem Reich der Mitte 143,9 Mrd. Euro. Viele deutsche Unternehmen exportieren in die Volksrepublik und wären unmittelbar von einer Zuspitzung der Auseinandersetzung betroffen. Rösler lässt keinen Zweifel daran, dass sich Deutschland von der Entscheidung der EU-Kommission distanziert. "Die Bundesregierung hat gegenüber Brüssel klargestellt, dass wir die Strafzölle für einen Fehler halten", bekräftigt Rösler.

Druckmittel Airbus

Deutschland steht mit dieser Haltung nicht allein da. Die Strafzölle sind auch in der EU nicht unumstritten. 17 weitere EU-Mitglieder lehnen sie strikt ab. Brüssel verteidigt dagegen das Vorgehen: Man habe auf die Kritik mehrerer europäischer Solarhersteller reagiert. Diese fürchten um ihre Existenz und Tausende Arbeitsplätze, da China den Wettbewerb mit Subventionen verzerrt habe - und zwar in Milliardenhöhe. Dadurch seien rund 25.000 Arbeitsplätze in akuter Gefahr. "Ich mache nur meinen Job", kontert deshalb EU-Handelskommisar Karel De Gucht die aufkommende Kritik.

Der Wirtschaftspartner EU sollte die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt jedenfalls nicht unnötig provozieren. "China hat mehr in der Hinterhand, als die EU denkt", gibt Wirtschaftsprofessor Huang Weiping von der Volksuniversität in Peking zu bedenken. So ist der chinesische Markt für die europäischen und vor allem die deutschen Automobilbauer bereits seit längerem der wichtigste Absatzmarkt. Und auch beim europäischen Flugzeugbauer Airbus könnte China mächtig Druck ausüben, denn die Bestellungen aus dem Reich der Mitte werden für die EADS-Tochter im Kampf mit dem US-Konkurrenten Boeing immer wichtiger. Die jüngsten Großbestellungen von insgesamt mehr als 100 Maschinen - unter anderem der A320-Familie - von chinesischen Fluglinien beweisen das.

Ob sich nun aus den Strafzöllen der EU und dem chinesischem Vergeltungsschlag ein globaler Handelsstreit entwickelt, hängt nun vom Verhandlungsgeschick und von der Kompromissbereitschaft beider Wirtschaftsriesen ab. Mit den Gegenstrafzöllen haben die Chinesen jedenfalls ein klares Zeichen gesetzt: China ist kein zahnloser Tiger - der Dumping-Konflikt hat tatsächlich großes Potenzial zu eskalieren.

Quelle: n-tv.de

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