Wirtschaft

Auslandsgewinne stecken fest Chinas Finanzpolitik alarmiert Wirtschaft

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China verschärft erstmals auch die Kapitalkontrollen für Auslandsfirmen: Kein gutes Omen für den Wirtschaftsausblick.

(Foto: REUTERS)

Aus Angst vor Kapitalflucht zieht Peking erstmals seit Jahren härtere Grenzen für internationale Geldtransfers ein. Es ist ein Achtungszeichen für die Welt. Ist es der Wendepunkt im China-Geschäft?

Seit Monaten stemmt sich China gegen die unkontrollierte Abwertung seiner Währung und gegen den heimlichen Abfluss von Kapital. Ein stetes Geldrinnsal verlässt das Reich der Mitte, seit die chinesische Notenbank den Renminbi im August 2015 überraschend abgewertet hat. Im November setzte sie den Wechselkurs auf dem niedrigsten Stand seit sechs Jahren fest.

Dem schleichenden Yuan-Verfall ist Chinas Regierung bisher mit allerlei Hürden für Überweisungen und Devisentausch begegnet. Nun treffen die härteren Kapitalkontrollen auch Auslandsfirmen. Die chinesischen Devisenkontrolleure wollen nun offenbar jede Überweisung ab fünf Millionen Dollar ins Ausland genehmigen. Zuvor lag das Limit zehnmal höher - bei 50 Millionen Dollar. Erstmals seit Jahren erschwert China damit die Geschäfte internationaler Konzerne. Ihre in China erzielten Gewinne stecken nun womöglich dort fest.

"Es ist abzusehen, dass die eingeführten Devisenkontrollen die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen nachhaltig belasten werden", sagte Handelsverbands-Präsident Anton Börner. Offiziell sind die neuen Vorschriften nicht - sie sollen nur mündlich an die Banken kommuniziert worden sein, berichten verschiedene Medien unter Berufung auf die EU-Handelskammer in Peking. Es ist allerdings Gang und Gäbe, dass Peking sensible Regeln unter der Hand einführt. So war es auch bei früheren Maßnahmen gegen den Yuan-Verfall.

Achtungszeichen für die Welt

So oder so sind die neuen Hürden für Geldtransfers ein Problem für Siemens, VW, BASF und viele andere internationale Großkonzerne: Sie haben jede Menge chinesische Tochterfirmen, deren Geld sie nun womöglich nicht nach Hause zurückbekommen. Alle Unternehmen, die in China Geschäfte machen sind in Alarmstellung. Die neuen Kapitalkontrollen sind ein Warnsignal, wie groß die Probleme der chinesischen Wirtschaft inzwischen sind.

Internationale Konzerne und Investitionen waren das Rückgrat des chinesischen Wirtschaftsbooms in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Die Parteiführung in Peking würde sie kaum antasten, wenn es nicht Handlungsbedarf gäbe. Dass sie nun auch Hand an Auslandsfirmen legt, zeigt, dass sich die Lage weiter verschärft hat.

Nach fast zwei Jahrzehnten ungebremsten Wachstums herrscht in China immer mehr Wirtschaftsflaute. Gigantische Schulden erdrücken die Wirtschaft. Um sie anzuheizen, hatten die Parteikader hunderte Milliarden politisch motivierter Kredite an kaum wettbewerbsfähige Staatsfirmen vergeben. Nun rächt sich diese Kreditorgie: Chinas Banken sitzen auf einem Riesenberg fauler Kredite und brauchen deshalb dringend frisches Kapital.

Ins Ausland dürfen Chinesen ihr Geld offiziell nur begrenzt schaffen. Also suchen sie sich heimliche Wege: über fingierte Exportrechnungen zum Beispiel. Längst ist eine heimliche Kapitalflucht im Gange, die den Yuan unter Druck setzt. Um ihren starren Wechselkurs zu verteidigen, zieht die chinesische Notenbank alle Register. Und gängelt nun eben auch Auslandsfirmen.

Peking zeigt Schwäche, nicht Stärke

Firmen aus Europa dürften stärker unter den neuen Hürden leiden als US-Unternehmen: Sie schütten ihre Profite in China häufiger aus und überweisen sie in die EU zurück. US-Konzerne wie Apple lassen sie dagegen ohnehin öfter im Ausland. Doch egal ob Apple oder Adidas: Ihre Profite sind im Reich der Mitte nun nur noch begrenzt sicher.

Das wird über kurz oder lang auf Peking zurückfallen. "In einer Zeit, in der die deutschen Unternehmen das Geschäftsumfeld in China ohnehin als schwierig wahrnehmen, sendet eine solche Maßnahme der chinesischen Regierung ein investitionsfeindliches Signal", sagte Börner. Denn die Überweisungskontrollen betreffen nicht nur Gewinnzahlungen und Dividenden, sondern auch Kreditrückzahlungen, für Investitionen zum Beispiel. Anleger werden sich nun womöglich zweimal überlegen, ob sie ihr Geld durch einen Flaschenhals zwängen, durch den sie es vielleicht nicht wieder mühelos herausbekommen.

Womöglich wird sich der Exodus des Geldes auch nicht mit den neuen verschärften Kapitalkontrollen stoppen lassen. Dann müsste Peking noch schwerere Geschütze auffahren. Womöglich kommen bald noch striktere Kontrollen - oder eine weitere Abwertung des offiziellen Renminbi-Wechselkurses.

Quelle: ntv.de

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