Wirtschaft

Düstere Aussichten aus Fernost Chinas Wirtschaftswachstum flaut ab

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Das Ende des Aufschwungs? In China leben fast 1,4 Milliarden Menschen.

(Foto: REUTERS)

Das wichtigste Zugpferd der Weltwirtschaft verliert an Kraft: In China fällt das Wachstum auf den niedrigsten Stand seit fast drei Jahrzehnten. Experten rechnen mit ernsten Folgen, die auch die Exportnation Deutschland treffen dürften.

Dunkle Wolken ziehen am Konjunkturhimmel auf: Das Wirtschaftswachstum der Volksrepublik China ist 2018 auf den niedrigsten Stand seit 28 Jahren gesunken. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt legte im vergangenen Jahr nur um 6,6 Prozent zu, wie das Statistikamt in Peking mitteilte. Das Wachstum 2018 lag damit leicht über der Regierungsprognose von 6,5 Prozent, aber unter den 6,8 Prozent des Vorjahres.

Für chinesische Verhältnisse ist das eine außergewöhnlich schwache Entwicklung. Im Jahr zuvor lag die Wachstumsrate noch bei 6,8 Prozent. In der Dekade ab 2003 hatte das bevölkerungsreiche Schwellenland noch Wachstumsraten von 10 Prozent und mehr erreicht. Der enorme Wirtschaftsaufschwung zeigt längst schon gefährliche Nebenwirkungen: Um der Bildung von Blasen am Kredit- und Immobilienmarkt entgegenzuwirken, versuchen die Wirtschaftslenker des von der Kommunistischen Partei regierten Riesenreichs seit Jahren, das Wirtschaftswachstum in moderatere Bahnen zu lenken.

Ökonomen hatten vor diesem Hintergrund mit einer Abschwächung gerechnet. Ifo-Forscher Gabriel Felbermayr sprach von einem "Zeichen der Normalisierung", da sich China weltweit auf Rang zwei der Wirtschaftsmächte nach den USA festgesetzt hat. Zusätzlich sorgt aber der Handelskonflikt mit Washington für "immer deutlichere Bremsspuren", wie Ökonomin Monika Boven von der DZ Bank sagte. Im vierten Quartal fiel das Wachstumstempo mit 6,4 Prozent auf das langsamste Tempo seit der Finanzkrise vor zehn Jahren.

Der Handelsstreit mit den USA schlägt sich damit auch in den ökonomischen Eckdaten nieder. Investitionen und Konsum zeigten zum Jahresende erkennbare Schwächen. Experten erwarten daher weitere Konjunkturstützen der Regierung. "Es wird zusätzliche Impulse geben", sagte Analystin Christy Tan von der National Australia Bank in Singapur. "Es ist noch nicht die Zeit, sich zurückzulehnen."

Ifo-Ökonom Felbermayr hält eine Neuauflage der Konjunkturprogramme im Volumen von rund 300 Milliarden Dollar für realistisch, zumal die nachlassende Wachstumsdynamik die kommunistische Führung unter Zugzwang setze: "Das chinesische Wirtschaftsmodell braucht das Wachstum - auch zur Stabilität des Regimes. Regierung und Zentralbank haben noch gut gefüllte Munitionslager zum Befeuern der Konjunktur."

Diverse Schritte wurden demnach bereits auf den Weg gebracht. So soll es dieses Jahr in China unter anderem größere Steuer- und Abgabensenkungen geben. Präsident Xi Jinping ließ sich vorerst nicht in die Karten blicken. Er betonte zu Wochenbeginn lediglich, die wirtschaftlichen Aktivitäten sollten im "grünen Bereich" gehalten werden.

Für 2019 wird die Führung in Peking ein niedrigeres Wachstumsziel ausgeben, wie Insider erklärten. Angestrebt wird demnach eine Spanne von 6,0 bis 6,5 Prozent. Analysten erwarten für das laufende Jahr im Schnitt eine Abschwächung auf 6,3 Prozent. Zum Vergleich: Das Wirtschaftswachstum in Deutschland lag im vergangenen Jahr bei 1,5 Prozent. Die USA dürften 2018 Schätzungen zufolge ein Wachstum von 2,9 erreicht haben.

Die neuen Daten aus China dürften auch die Konjunkturaussichten in Deutschland belasten: An den Finanzmärkten wird befürchtet, dass die Abkühlung die gesamte Weltwirtschaft in Mitleidenschaft zieht. Für die deutsche Automobilindustrie etwa zählt China zu den mit Abstand wichtigsten Auslandsmärkten. Eine Abschwächung der Nachfrage dürfte sich damit schnell auch bei den Ertragsaussichten deutscher Unternehmen bemerkbar machen.

Im Schlussquartal 2018 verringerte sich der BIP-Anstieg Chinas wie erwartet auf 6,4 Prozent. Es handelt sich um die schwächste Rate seit der Finanzkrise. Im Vorquartal waren es noch 6,5 Prozent gewesen. Überraschend rund lief es zuletzt aber in der Industrie, in der die Produktion im Dezember um 5,7 Prozent zulegte.

 

Quelle: ntv.de, mmo/rts

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